Kuriose Klauseln in Fußballer-Verträgen

Baden-Baden (moe) – Freiflüge nach Rio und Werbung für Abwasserservice „KloAgger“ – in den Verträgen von Fußballprofis finden sich bisweilen kuriose Klauseln, wie die BT-Sportkolumne zeigt.

Philippe Coutinho (links) trifft gegen Barca – der Verein, bei dem er aktuell unter Vertrag steht. Foto: Manu Fernandez/Pool/AP/dpa

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Philippe Coutinho (links) trifft gegen Barca – der Verein, bei dem er aktuell unter Vertrag steht. Foto: Manu Fernandez/Pool/AP/dpa

Vielleicht war es ein kleiner Nadelstich, sozusagen eine weitere Demütigung des Rivalen – an einem Abend, an dem der große FC Bayern München dem bis dato noch ein bisschen größeren FC Barcelona ohnehin schon die wohl blamabelste Niederlage der ruhmreichen Vereinshistorie beigebracht hat.

In Minute 75 des denkwürdigen Viertelfinals in der Champions League wechselte FCB-Trainer Hansi Flick Philippe Coutinho ein, den kleinen Fußball-Magier, der bisweilen seine Zauberkraft alter Liverpool-Tage verloren zu haben scheint. Der brasilianische Ballstreichler dankte es seinem Coach, bereitete erst den Kopfballtreffer von Robert Lewandowski vor und schraubte obendrein das Ergebnis mit zwei eigenen Treffern auf ein wahnwitziges 8:2 für die Roten von der Säbener Straße.

Weitere Watschn für zerfledderte Katalanen

Nun ist Hansi Flick nicht unbedingt für seine Boshaftigkeit bekannt, auch nicht gegenüber seinen Kontrahenten. Stattdessen könnte der 55-Jährige aus Bammental durchaus als Fairplay-Botschafter durchgehen. Insofern wird er wahrscheinlich gar nicht gewusst haben, dass er durch die erfolgreiche, weil ergebnistechnisch historische Einwechslung von Coutinho den ohnehin schon zerfledderten Katalanen eine weitere Watschn versetzt hat. Eine durchaus empfindliche, die ganz schön viel Geld kostet, nämlich ziemlich genau fünf Millionen Euro.

Schuld an dieser schmerzlichen Rechnung ist ein einigermaßen kurioses Vertragsdetail aus dem Arbeitspapier von Coutinho, das durch den Triumph der Bayern in der Champions League zum Tragen kommt. Wie der britische „Mirror“ sicher zu wissen glaubt, enthält Coutinhos Vertrag beim FC Barcelona, von dem er für eine Saison an die Bayern ausgeliehen war und zu dem der 28-Jährige vorerst wohl wieder zurückkehren wird, eine aus Barca-Sicht vertrackte Klausel. Diese besagt, dass die Katalanen Coutinhos Ex-Verein FC Liverpool weitere rund fünf Millionen Euro – für die ohnehin schon exorbitante Summe von 145 Millionen war der Brasilianer 2018 ins Camp Nou gewechselt – zahlen, sollte Coutinho den Henkelpott in die Höhe stemmen. Das Fatale aus Sicht von Barca: Die Vertragsoption ist nicht an den Verein, sondern an den Spieler geknüpft. Und greift also auch, obwohl der Edeltechniker die Champions League nicht mit dem spanischen, sondern mit dem deutschen FCB gewonnen hat.

Es finden sich allerdings auch Quellen, die sich deutlich weniger sicher sind, dass Barca den Betrag tatsächlich zahlen muss. Klar ist indes, dass diese kuriose Coutinho-Klausel nur ein kleiner Farbtupfer im skurrilen internationalen Vertragspanoptikum ist. Ein weiteres Beispiel gefällig?

Von allen Defensivaufgaben entbunden

Wenig überraschend beinhaltet das Arbeitspapier von Neymar bei Paris St. Germain einige irrwitzige Passagen. Zumindest will dies das Enthüllungsportal „Football Leaks“ herausgefunden haben. Unabhängig von der wahnwitzigen Ablösesumme von 222 Millionen Euro, die PSG 2017 an Barcelona überwiesen hat, wurden der personifizierten fußballerischen Extravaganz weitreichende Zugeständnisse gemacht. Der Brasilianer hat sich demnach zusichern lassen, im Training und Spiel von jeglichen Defensivaufgaben entbunden zu sein, um sich ausschließlich aufs Toreschießen konzentrieren zu können. Zusätzlich soll es strengstens verboten sein, den Ballstreichler im Training hart anzugehen. Auf Reisen mit dem Team ist Neymar offenbar der einzige Spieler, der sich nicht an die Kleiderordnung oder Sponsorenvorschriften des Vereins halten muss. Für seine sensiblen Muskelstränge unter der mit Tattoos veredelten Haut hat Neymar zwei eigene Physiotherapeuten nach Paris mitgenommen, die sich nur um ihn kümmern. Um keinen anderen. Laut „Football Leaks“ hat er zudem das Erstzugriffsrecht auf Elfmeter und Freistöße. In einer Teamsportart macht man sich mit derlei Sperenzchen sicher nicht viele Freunde, wenngleich einige der Vertragsinhalte in jüngster Vergangenheit freilich etwas verwässert wurden.

PSG übernimmt die Steuerschulden

Bei Paris sind Sonderwünsche im Vertragswerk indes gang und gäbe, wie Thiago Silvas erster Vertrag aus dem Jahr 2012 beweist: Acht Freiflüge Paris-Rio-Paris für sich und seine Familie, fünf VIP-Tickets pro Heimspiel im Prinzenpark und 12 000 Euro Wohngeld pro Monat. Zudem hat sich der Brasilianer, dessen Bruttogehalt sich entsprechend zum aktuellen Steuersatz entwickelte, 2,5 Millionen Euro Steuerschulden aus seiner Zeit beim AC Mailand von PSG bezahlen lassen.

Eher zum Schmunzeln ist ein Passus aus dem Kontrakt von Rafael van der Vaart, den er 2015 nach seinem Wechsel vom Hamburger SV zu Betis Sevilla unterschrieben hat. Der Niederländer ließ sich die freie Wahl des Schuhwerks vertraglich zusichern. So weit, so gewöhnlich. Es folgt allerdings der schriftliche Appendix seitens der „Grün-Weißen“, dass van der Vaarts Kickschuhe „keine Spuren der Farbe Rot“ enthalten darf. Zur Info: Betis‘ Stadtrivale FC Sevilla spielt meist in rot-weißen Jerseys.

Keine Spur der Farbe Rot erlaubt: Rafael van der Vaart im Betis-Trikot.Foto: Jose Manuel Vidal/dpa

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Keine Spur der Farbe Rot erlaubt: Rafael van der Vaart im Betis-Trikot.Foto: Jose Manuel Vidal/dpa

215 Meter langes Werbebanner

Nach zwölf Jahren beim FC Liverpool wechselte Daniel Agger zum dänischen Topclub Bröndby IF, um seine Karriere bei seinem Heimatverein ausklingen zu lassen. Parallel arbeitete der Verteidiger aber bereits an seiner beruflichen Zukunft und gründete daher den Abwasserservice namens „KloAgger“. Um die neue Marke bis zu seiner fußballerischen Rente aber hinlänglich bekannt zu machen, ließ er einen findigen Passus in seinen letzten Profivertrag schreiben: Bröndby musste bei jedem Heimspiel ein 215 Meter langes Banner mit der Aufschrift „KloAgger“ beleuchten. Achtmal. Jeweils 27 Sekunden lang – ein extremer Werbewert.

Nun gut, ganz so teuer wie die fünf Millionen Euro für die Coutinho-Klausel kam Bröndy IF Aggers Reklame-Aktion freilich nicht.

Vertraglich zugesicherte Werbeaktion: Daniel „Klo“ Agger. Foto: Jens Astrup/dpa

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Vertraglich zugesicherte Werbeaktion: Daniel „Klo“ Agger. Foto: Jens Astrup/dpa


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