Kursana: „Die Mitarbeiter geben ihr Bestes“

Rastatt (dm) – Nachdem die Zahl der Toten im Zuge des Corona-Ausbruchs im Haus Paulus erneut gestiegen ist, werden weitere Vorwürfe laut. Der Betreiber betont, alle Hygienemaßnahmen einzuhalten.

„Herzlich willkommen“ heißt es am Eingang des Hauses Paulus. Aktuell werden Angehörige indes gebeten, draußen zu bleiben. Foto: Frank Vetter

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„Herzlich willkommen“ heißt es am Eingang des Hauses Paulus. Aktuell werden Angehörige indes gebeten, draußen zu bleiben. Foto: Frank Vetter

Im Zuge des Corona-Ausbruchs im Pflegeheim Haus Paulus in Rastatt ist die Zahl der Toten erneut gestiegen: Inzwischen sind laut Landratsamt 13 Bewohner mit oder an dem Virus verstorben. Zugleich werden weitere Vorwürfe von Angehörigen in Sachen Pflege und Informationspolitik laut. Es hätten Todesfälle verhindert werden können, meinen etwa Thomas Häfner, dessen Mutter nach der Infektion verstorben ist, und eine weitere Angehörige. Sie wollen wissen, welche Schritte nun unternommen werden.
Wie berichtet, hat das Virus das Heim fest im Griff. Insgesamt sei seit Beginn des Ausbruchs um die Weihnachtszeit inzwischen bei 55 Bewohnern eine Corona-Infektion nachgewiesen worden, so Landratsamts-Sprecher Benjamin Wedewart. Der Behörde und dem Betreiber Kursana zufolge habe keiner der Verstorbenen eine Booster-Impfung gehabt, nur zwei seien zweimal geimpft gewesen. Es gilt ein Aufnahmestopp, noch 82 Menschen wohnen derzeit in dem Heim. Davon seien aktuell 28 positiv getestet, vier davon lägen im Krankenhaus. Zugleich seien fünf Mitarbeiter positiv.

Nicht über das ganze Ausmaß informiert?

Was Thomas Häfner besonders aufwühlt: „Wäre ich unterrichtet worden über die exorbitante Steigerung der Infektionszahlen, hätte ich meine Mutter sofort nach Hause geholt.“ Ähnliches hätten vielleicht auch andere Angehörige tun können. Er jedenfalls hätte noch genug Resturlaub gehabt für diesen Zeitraum. Doch man habe ihn nicht über das gesamte Ausmaß informiert. Dass im Haus Benedikt, das von einem anderen Betreiber geführt wird, noch Plätze frei sind, hätte man ebenso nutzen und dort dann nicht infizierte Senioren mit Unterstützung beispielsweise des THW versorgen können, das ja zunächst auch im Haus Paulus ausgeholfen hatte, findet er.

Bei Kursana könne man den Schmerz der Angehörigen nachvollziehen, sagt eine Sprecherin, weist deren Vorwürfe jedoch zurück. Nachdem man am 20. Dezember ein erstes positives Testergebnis gehabt habe, seien zunächst die betreffenden Angehörigen „umgehend“ informiert worden. Tags darauf habe man für alle Bewohner des betroffenen Wohnbereichs eine PCR–Testung organisiert, aus der weitere Positiv-Fälle hervorgingen. Daraufhin habe man am 23. Dezember alle Angehörigen der Bewohner im Bereich informiert. Zudem seien Briefe/E-Mails an Angehörige aller Heimbewohner verschickt worden. Man stehe „im stetigen Austausch“. Nach Weihnachten ging das Landratsamt angesichts der dynamischen Entwicklung an die Öffentlichkeit.

Verlegungen „nur schwer durchführbar“

Verlegungen wiederum seien nicht so einfach: Diese müssen mit dem Gesundheitsamt und der Heimaufsicht abgesprochen werden. Eine Pflegeeinrichtung zu verlegen, sei in der Praxis nur „schwer durchführbar“, sagt auch das Landratsamt. Außer dem Platz müsste zudem Personal vorhanden sein – gegenüber dem zuletzt indes auch Vorwürfe laut geworden waren. Es seien nicht alle Bewohner richtig versorgt worden, beklagt eine Angehörige, deren Mutter inzwischen mit Corona im Krankenhaus liegt. Bis die Seniorin dorthin kam, habe sie von morgens bis abends im Rollstuhl auf ihren Krankentransport gewartet, nachdem am Vortag die Einweisung angekündigt worden sei. „Hoffentlich war das nicht zu spät“, fürchtet die Frau, dass wertvolle Zeit verstrich.

Bei Kursana macht man mit Hinweis auf datenschutzrechtliche Gründe keine konkreten Angaben zu individuellen Situationen, bestätigt aber, dass es einen Fall gab, bei dem ein „von uns bestellter Krankentransport länger auf sich warten ließ“. Daher habe man dann „ausnahmsweise einen Rettungswagen gerufen, um Abhilfe zu schaffen“. Es habe sich aber nicht um einen Notfall gehandelt.

Warum sich das Virus so rasant im Haus verbreiten konnte, treibt die Gemüter weiter um. „Wenn die Hygienemaßnahmen eingehalten worden wären, dürften die Infektionszahlen nicht so in die Höhe schnellen“, meint auch Thomas Häfner, der unter anderem von wechselnden Mitarbeitern im Zimmer seiner Mutter berichtet. „Die Teams wurden aufgeteilt und betreuen pro Tag jeweils nur positiv getestete oder nicht-infizierte Senioren. Das Personal wechselt bei allen Schichten“, erklärt die Kursana-Sprecherin. Die Mitarbeiter würden regelmäßig unterwiesen, kontrolliert und gäben „auch in dieser herausfordernden Situation ihr Bestes“.

Betreiber erhöht Kontrollfrequenz

Und wie geht es weiter? Schon jetzt setze man „alle Hygienemaßnahmen nach RKI-Standard und in enger Abstimmung mit den Behörden um“, heißt es. Angehörige sollen von Besuchen absehen, negativ getestete Bewohner in ihren Zimmern bleiben. Externe Dienstleister müssen draußen bleiben. „Des Weiteren“, so die Kursana-Sprecherin, „haben wir die Frequenz der Kontrollgänge bezüglich Einhaltung aller Hygieneregeln noch einmal erhöht, und die Mitarbeiter wurden und werden noch einmal unterwiesen beziehungsweise geschult.“ Gesundheitsamt und Heimaufsicht überprüfen bei Vor-Ort-Terminen zudem die Situation, teilt das Landratsamt mit. Die Dienstabdeckung werde ständig überwacht, regelmäßige Testungen durch einen externen Dienstleister angeordnet, ein „engmaschiger“ Austausch verfolgt. Auch zum schützenden Piks wird ermutigt. „Wir können aber niemanden zu einer Impfung zwingen.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Daniel Melcher

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Erstellt:
11. Januar 2022, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 19sec

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