Kurz vor Start fehlt noch immer Personal

Gaggenau (ama/tom) – Für das Waldseebad werden Fachkräfte gesucht, um den Betrieb dauerhaft am Laufen zu halten.

Gemischte Gefühle: Markku Witkiewicz, Bademeister im Waldseebad, bereitet das fehlende Personal große Sorgen. Trotzdem überwiegt die Vorfreude auf die Eröffnung am Freitag. Foto: Adrian Mahler

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Gemischte Gefühle: Markku Witkiewicz, Bademeister im Waldseebad, bereitet das fehlende Personal große Sorgen. Trotzdem überwiegt die Vorfreude auf die Eröffnung am Freitag. Foto: Adrian Mahler

Kurz vor dem langersehnten Startschuss mangelt es im Gaggenauer Waldseebad an Personal. Der Gaggenauer Bäderchef Jörg Zimmer sieht die Eröffnung am Freitag, 20. Mai, zwar nicht in Gefahr. Dennoch bereitet ihm die derzeitige Situation Bauchschmerzen – gerade mit Blick auf die Freibadsaison in den kommenden Monaten. „Wenn sich die Personaldecke nicht verbessert, wird es sehr schwierig werden, das Bad am Laufen zu halten“, betont Zimmer.

Seiner Aussage nach stehen derzeit lediglich ein Meister und vier Fachangestellte für Bäderbetriebe sowie sechs Rettungsschwimmer zur Verfügung. Zur Erklärung: Der Meister ist im Waldseebad verantwortlich für den gesamten Badebetrieb und teilt beispielsweise auch die Schichten ein. Die Fachangestellten dagegen überwachen die technischen Anlagen und beaufsichtigen den Badebetrieb.

Rettungsschwimmer überwachen die Badegäste im Becken und müssen keine berufliche Ausbildung absolviert haben. Damit der Betrieb im Waldseebad reibungslos laufen kann, brauche es eine ausgewogene Mischung aus Fachleuten und Rettungsschwimmern, erklärt Zimmer. „Uns fehlen insgesamt noch vier Leute. Optimal wären drei weitere Fachkräfte und ein Rettungsschwimmer.“

Nur so könnten alle Schichten ausreichend besetzt werden. Geplant ist laut Zimmer ein Zweischichtbetrieb, der die Arbeitszeit von 7 bis 21 Uhr abdeckt. Und das an sieben Tagen in der Woche. „Das ist eine echte Herausforderung“, betont Zimmer.

Unter anderem wegen der Arbeitszeiten sei es schwer, Personal zu finden. Nicht nur in Gaggenau: „Der Fachkräftemangel macht den Bädern deutschlandweit zu schaffen“, erklärt Zimmer. Denn viele Leute ziehe es stattdessen in andere Sparten.

Um den Betrieb im Waldseebad trotzdem sicherzustellen, laufe die Suche seit einiger Zeit auf Hochtouren, so Zimmer. Dazu zählten Gespräche etwa mit der DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft) und potenziellen Interessenten. „Wir haben unsere Augen und Ohren überall.“ Zimmer zeigt sich vorsichtig optimistisch, bald geeignetes Personal zu finden.

Phosphat wird chemisch ausgefällt

Doch wie kann der Badebetrieb im Waldseebad trotz des Engpasses starten? „Wir müssen den Mitarbeitern leider erst einmal viel abverlangen“, sagt Zimmer. Sie sollen auf freie Tage verzichten und zusätzliche Schichten übernehmen. „Nur mit diesem Kraftakt ist es möglich, das Bad zu öffnen“, so Zimmer. „Dauerhaft geht das aber nicht.“ Das sei arbeitsrechtlich gar nicht möglich. Und berge die Gefahr, dass die Fachkräfte unzufrieden werden und schlimmstenfalls sogar kündigen. „Eine Kettenreaktion wäre fatal“, sagt Zimmer.

Im Waldseebad laufen derzeit letzte Vorbereitungen für die Eröffnung. Witkiewicz und sein Team pumpen zum Beispiel ein sogenanntes Phosphat-Fällungsmittel in die Naturbecken. Es stört laut Zimmer die Mikrobiologie im Wasser nicht, reduziert zugleich aber den Phosphatgehalt, der wiederum für das Algenwachstum verantwortlich ist.

„So behalten wir die Situation unter Kontrolle“, sagt Witkiewicz. Auch wenn er derzeit mit Sorge auf die Personalsituation blickt („Hier in der Umgebung wird es schwer, zusätzliche Leute zu finden“), überwiegt bei ihm die Vorfreude auf die Eröffnung. „Wir haben alle lang darauf gewartet.“

Ottenauer Schwimmbad kann erst später öffnen

Um die Situation im Waldseebad ein Stück weit zu entschärfen, müsse man künftig die Unterstützung des Schwimmbadvereins Ottenau herunterfahren, gibt man im Gaggenauer Rathaus zu bedenken.

In der Vergangenheit hatte dort eine Fachkraft der Stadtwerke bei der Badeaufsicht geholfen. „In dieser Zeit war das Waldseebad ja zu. Jetzt geht das aber nicht mehr“, erklärt Zimmer.

Im Kuppelsteinbad soll die Fachkraft jetzt nicht mehr das Becken, sondern nur noch den Badebetrieb beaufsichtigen. Hierzu zählt laut Markku Witkiewicz beispielsweise, den Zustand des Beckens im Blick zu haben und zu kontrollieren. „Die Fachkraft ist täglich vielleicht noch ungefähr eine knappe Stunde in Ottenau“, sagt er. Der Meister für Bäderbetriebe ist für den Betrieb im Waldseebad zuständig.

Was bedeuten die aktuellen Entwicklungen für das Kuppelsteinbad? Der Schwimmbadverein machte zuletzt laufend auf Engpässe bei der Beckenaufsicht aufmerksam. Auf Nachfrage antwortet der Verein nicht.

Aber die Eröffnung dieses Bads ist in diesem Jahr erst auf den Samstag, 4. Juni, terminiert. Freunde des Kuppelsteinbads erinnern sich, dass in den Zeiten vor Corona die Saisoneröffnung oft schon Anfang/Mitte war – zu Christi Himmelfahrt. Judith Feuerer, Pressesprecherin der Stadt Gaggenau, betont: „Die Eröffnung des Waldseebades erfordert den tatkräftigen Einsatz aller verfügbarer Kräfte.“

Mit dem Schwimmbadverein in Ottenau sei eine neue Vereinbarung vorbereitet worden, die einen parallelen Betrieb beider Bäder sicherstelle. Damit werde sich demnächst der Gemeinderat befassen und voraussichtlich am 30. Mai entscheiden.

Beitrag zur Geschichte des Waldseebads.

Ihr Autor

Adrian Mahler

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Erstellt:
16. Mai 2022, 17:06 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 12sec

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