Kurze Gottesdienste ohne Gesang erlaubt

Rastatt/Baden-Baden (mak) – Die Kirchengemeinden im Kreis Rastatt erarbeiten aktuell Schutzkonzepte, um sich unter Einschränkungen wieder treffen zu können. Die evangelische Landeskirche in Baden und das erzbischöfliche Ordinariat haben entsprechende Verordnungen erlassen.

Die Kirchengemeinden im Kreis bereiten sich darauf vor, wieder Gottesdienste anbieten zu können.

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Die Kirchengemeinden im Kreis bereiten sich darauf vor, wieder Gottesdienste anbieten zu können.

Die Vorfreude auf eine Wiederaufnahme von Gottesdiensten und kirchlichen Veranstaltungen, die nun wieder möglich ist, wird bei den Dekanen Thomas Jammerthal (evangelischer Kirchenbezirk Baden-Baden/Rastatt) und Josef Rösch (katholisches Dekanat Rastatt) durch die Einschränkungen getrübt, die notwendig sind. So ist beispielsweise Singen nicht erlaubt. Einig sind sich beide darin, dass es so schnell keine Rückkehr zu „normalen“ Gottesdiensten geben wird.
Die evangelische Landeskirche in Baden hat am Donnerstagabend ein Schutzkonzept für die Feier von Gottesdiensten verabschiedet. So sind zwei Meter Abstand zwischen den Gottesdienstbesuchern einzuhalten (Familien werden nicht getrennt), was sich dann je nach Raumgröße auf die Zahl der zugelassenen Gläubigen auswirkt. Um die Verweildauer zu begrenzen, werden kurze Gottesdienst von einer halben Stunde empfohlen. Ein Mundschutz ist nicht vorgeschrieben, wird aber empfohlen. Zudem ist bis Erntedank kein Abendmahl möglich.

Auf Singen wird bis 1. Juli verzichtet, danach wird diese Vorgabe überprüft. „Gerade im evangelischen Gottesdienst ist Singen ein elementarer Bestandteil des Gottesdienstes, doch es besteht ein hohes Übertragungsrisiko, deshalb müssen wir darauf verzichten. Aber das macht am meisten Mühe“, urteilt Jammerthal.

Laut Jammerthal haben viele Gläubige in der coronabedingten Zwangspause die Gemeinschaft und den gegenseitigen Austausch in den Gottesdiensten vermisst, die Akzeptanz sei seiner Einschätzung nach jedoch „relativ groß“ gewesen. „Die Gemeinden haben sehr viel Kreativität bewiesen, etwa durch Online-Gottesdienste, die sehr viele Klicks erhalten haben“, berichtet der evangelische Dekan. Die Bühler Gemeinde habe zwei Gottesdienste im Autokino abgehalten.

Die vertrauten Gottesdienste seien aber auch für Pfarrer „eine positive Routine, in der man sich wohlfühlt“, meint Jammerthal. Nach dem ersten Schock seien die Kollegen mit der Situation, die Herausforderung und Druck zugleich gewesen sei, gut zurechtgekommen. Sehr viele Gespräche seien über das Telefon gelaufen. „Was die Kollegen bedrückt, ist die Situation der Menschen in den Alten- und Pflegeheimen, die sich alleingelassen fühlen“, verdeutlicht der Dekan, der hofft, dass der Weihnachtsgottesdienst wieder wie gewohnt stattfinden kann.

Dekan Josef Rösch hat am Montagnachmittag die vom erzbischöflichen Ordinariat erarbeiteten Hygienemaßnahmen erhalten, die im Wesentlichen mit denen der evangelischen Kirche übereinstimmen. Darin heißt es unter anderem: „Die Vielfalt der Gottesdienstformen (neben Messfeier und Wort-Gottes-Feier auch das Stundengebet, die Eucharistische Anbetung, das Rosenkranzgebet) ist anzustreben.“

In Gernsbach werde es am 10. Mai einen ökumenischen Gottesdienst in St. Jakob geben, da die Liebfrauenkirche derzeit renoviert wird, erläutert Rösch, der auch die Seelsorgeeinheit Gernsbach leitet. Das Sing-Verbot sei zwar nachvollziehbar, aber eine „schmerzliche Einschränkung, da sie wesentlich zur Liturgie gehört“.

Auf die Corona-Krise hätten die Gemeinden ganz unterschiedlich, aber kreativ reagiert, zieht Rösch ein Resümee. So habe man in Gernsbach Hausgebete für den Sonntag vorbereitet und diese digital oder per Post versendet. Die Kollegen, die Gottesdienste per Live-Stream ins Internet stellten, hatten über eine hohe Anzahl von Klicks berichtet.

Das Ordinariat ermuntert die Gemeinden, an diesem Angebot festzuhalten, um auch diejenigen Menschen zu erreichen, die wegen der Corona-Pandemie lieber daheim bleiben. Vom Sonntagsgebot, also der Pflicht, in die Kirche zu gehen, erteilt das Ordinariat weiterhin eine Befreiung.


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