Kurzfristige Termine werden eingehalten

Von BT-Redakteurin Fiona Herdrich

Baden-Baden/Bühl – Die hohe Impfquote macht sich in Mittelbaden bei der Nachfrage nach Erstimpfungen bemerkbar. Dass vereinbarte Termine nicht eingehalten werden, kommt aber nur selten vor.

Kurzfristige Termine werden eingehalten

Impfangebote im KIZ in Baden-Baden wurden zuletzt weniger nachgefragt. Foto: Sarah Gallenberger

Rund 56 Prozent der Deutschen haben bereits ihre Erstimpfung erhalten. Der zweite Piks erfolgt einige Wochen später, abhängig vom verabreichten Impfstoff. Doch der Sommer macht nun Urlaubsreisen möglich und hat niedrige Inzidenzen im Gepäck. Darum also den Termin für die Zweitimpfung platzen lassen?

Den Impftermin zu schwänzen, dafür entscheiden sich in Mittelbaden zumindest bei den beiden Kreisimpfzentren (KIZ) nur wenige Impflinge. Dass Termine im Kreisimpfzentrum in der Schwarzwaldhalle in Bühl abgesagt oder einfach nicht wahrgenommen werden, kommt dem Landratsamt zufolge kaum vor. „Wir haben ausreichend Kapazitäten, aber auch kaum Absagen“, sagt Pressesprecher Benjamin Wedewart.

Der Landkreis startet heute eine Sonder-Impfaktion, bei der über 50-Jährige unbürokratisch per E-Mail an its@landkreis-rastatt.de einen Impftermin für Astrazeneca erhalten können. Anlass dafür seien Sonderlieferungen von Bund und Land, so Wedewart.

Auch Jürgen Jung, Chef des Kreisimpfzentrums in Baden-Baden, sieht in verpassten oder gar nicht abgesagten Terminen nur ein geringes Problem, „auch wenn es wünschenswert wäre, dass die Termine storniert statt einfach nicht wahrgenommen werden“. Die Quote der geplatzten Termine liege bereits seit Beginn der Impfkampagne bei circa fünf Prozent.

Wer seinen zweiten Piks verpasst hat, dem empfiehlt Jung, sich per E-Mail beim KIZ zu melden, damit zeitnah ein Ersatztermin gefunden werden kann.

Die Nachfrage nach Terminen für die Erstimpfung sei allerdings deutlich gesunken. Von den rund 1.500 Angeboten, die am vergangenen Montag im KIZ im Kurhaus frei wurden, sei online noch etwa die Hälfte verfügbar. „In der Anfangszeit wären diese innerhalb kürzester Zeit vergriffen gewesen“, berichtet Jung. Sicher spielten bei den langen Impfrhythmen, bei denen zwischen erstem und zweitem Piks mehrere Wochen liegen, auch die bevorstehenden Sommerferien eine Rolle, nimmt er an. Unter den aktuellen Impfstofflieferungen seien aber auch viele Dosen Astrazeneca und Johnson und Johnson, die Personen unter 60 nicht einfach online so buchen können. Und da die Impfquote bei den über 60-Jährigen bereits sehr hoch ist, sieht Jung auch darin einen Grund für die verminderte Nachfrage.

Zweiter Piks kommt früher

Anders die Situation in den Arztpraxen, wie Jürgen Schönit, Vorsitzender der Ärzteschaft Rastatt, von zahlreichen seiner Kollegen gehört hat. Er selbst musste bisher noch keine Dosis wegschmeißen, doch in anderen Praxen käme das durchaus vor. „Eine kurzfristige Terminvereinbarung hilft“, sagt der Arzt. Eine Warteliste für freie Impftermine habe sich zumindest in seiner Praxis dagegen als ineffektiv erwiesen.

Melden sich Patienten und erhalten innerhalb einer Woche einen Termin, nehmen sie diesen auch wahr, so Schönits Erfahrung. Wer seinen Termin absagt, hätte meist einen guten Grund, wie einen Infekt, wegen dem nicht geimpft werden kann. Schönit stellt außerdem immer noch einen hohen Beratungsbedarf fest, da weiterhin viel Verunsicherung herrsche.

„Die Nachfrage nach Impfungen ist zwar nach wie vor vorhanden, aber es ist ruhiger geworden“, sagt er. Um Auswirkungen durch die Urlaubszeit und die Praxisferien entgegenzuwirken, will der Arzt etwa bei dem Vakzin von Biontec die Zeit zwischen Erst- und Zweitimpfung von sechs auf vier Wochen verkürzen. „Ich bin dann mal gespannt, wie sich die Situation Anfang August entwickelt.“