Kwasniok: Echte Feier ist was anderes

Muggensturm (moe) – Der Meistertrainer des 1. FC Saarbrücken, Lukas Kwasniok, spricht im BT-Interview über den Aufstieg am grünen Tisch, seinen Anteil am Titel und das DFB-Pokalfinale.

Verschmitztes Lächeln: Lukas Kwasniok. Foto: Dietze/dpa

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Verschmitztes Lächeln: Lukas Kwasniok. Foto: Dietze/dpa

Vor einem halben Jahr hat Lukas Kwasniok die Nachfolge von Dirk Lottner als Trainer des Fußball-Viertligisten 1. FC Saarbrücken angetreten und den Club als Meister in die 3. Liga geführt – allerdings am Grünen Tisch, die Saison in der Regionalliga Südwest wurde am Dienstag abgebrochen (wir berichteten). BT-Sportredakteur Moritz Hirn hat sich mit dem 38-Jährigen aus Muggensturm über die Schwierigkeiten einer Meisterfeier in Corona-Zeiten und das nächste große Ziel unterhalten: das Pokalfinale in Berlin.

BT: Herr Kwasniok, am Dienstag um 21.37 Uhr ging die Nachricht vom Regionalliga-Abbruch über den Ticker. Wo haben Sie von Aufstieg und Meisterschaft erfahren?

Lukas Kwasniok: Ich war noch im Büro und habe mit das Leverkusen-Spiel gegen Wolfsburg angeschaut. Wir hatten die Info schon ein bisschen früher, final war es dann nicht mehr so sehr überraschend. Aber: Wenn man vor dem Traualtar steht, ist man auch erst verheiratet, wenn die Braut ja gesagt hat.

BT: Meisterschaften und Aufstiege werden in der Regel exzessiv gefeiert, Corona macht derlei Partys bekanntlich unmöglich. Konnten Sie denn wenigstens mit jemandem anstoßen?

Kwasniok: Ich war mit den Vereinsverantwortlichen im kleinen Kreis was essen und auch trinken. Auf dem Heimweg sind wir dann völlig unvermittelt von einem Autokorso unserer Fans überrascht worden. Natürlich sind wir dann eine Weile beisammen gestanden – allerdings auf Distanz und sehr bedacht. Eine echte Feier ist was anderes. Aber den Menschen hat das viel bedeutet, die haben sechs Jahre auf den Aufstieg gewartet und da spielt es erstmal nur eine zweitrangige Rolle, ob man den Titel am Grünen Tisch holt. Alles lief vernünftig ab, insofern war es ein schöner Ausklang des Tages.

BT: ...und sicher ein schöner Morgen.

Kwasniok: Heute Morgen hat es sich auch nicht anderes angefühlt als in den Tagen davor. Das wird vielleicht kommen, wenn wir irgendwann zum Drittliga-Auftakt in Braunschweig oder Lautern spielen – und nicht in Bahlingen.

BT: Der FCS stellte bis zum Abbruch die beste Abwehr, den besten Sturm und hatte sechs Punkte Vorsprung. Verdient ist der Aufstieg auf alle Fälle...

Kwasniok: Ja! Aber mein Anteil ist überschaubar. Ich vergleiche es gern mit einem Beispiel: Manchmal verliebt man sich in eine junge Dame – und stellt plötzlich fest: die ist auch noch reich! Ich hätte gerne mehr dazu beigetragen, andererseits habe ich jetzt auch mal das Glück gehabt, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Gleichzeitig habe ich die Überzeugung, dass wir das auch nach Ablauf der 34 Spieltage geschafft hätten.

BT: Andere Viertligisten können nun die Beine hochlegen, für Sie steht aber noch ein weiteres Highlight an: das Halbfinale im DFB-Pokal. Wie schafft man es, den Fokus zu halten?

Kwasniok: Wir haben heute ordnungsgemäß trainiert. Schon allein das zeigt, dass es keine normalen Feierlichkeiten gab. Wir haben einen ganz guten Fokus, ohne dass es in eine überstrapazierte Anspannung ausartet. Die Dosierung passt. Die Situation kann man mit einem Olympioniken vergleichen, der arbeitet auch auf das eine, das ganz große Ziel hin. Wir haben nicht ganz so viele Vorteile gegenüber Leverkusen, aber die Tatsache, dass wir uns ganz konzentriert auf dieses eine Spiel vorbereiten können, ist sicher einer. Leverkusen spielt samstags gegen die Bayern – und müssen am Dienstag nach Völklingen. Psychologisch gibt’s einfachere Herausforderungen. Rein psychisch gesehen bin ich lieber in unserer Ausgangssituation.

BT: Möglicherweise könnte es auch ein Vorteil sein, dass Sie bei einem Sieg gegen Bayer am 9. Juni einen Tag später ganz gemütlich den künftigen Finalgegner beobachten könnten...

Kwasniok: Sollte diese Sensation geschehen, könnte es sein, dass wir das andere Halbfinale nicht live schauen können. Dann wären andere Dinger wichtiger.

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Erstellt:
27. Mai 2020, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 54sec

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