L-Bank stemmt sich gegen Folgen der Pandemie

Karlsruhe/Baden-Baden/Rastatt (tas) – Die L-Bank war 2020 stark mit der Bewältigung der Folgen der Corona-Krise beschäftigt. Viele Förder-Millionen Euro flossen dabei auch nach Mittelbaden.

L-Bank-Gebäude am Karlsruher Schlossplatz. Von den rund 1.350 Mitarbeitern arbeiteten mehr als 1.170 in der Stadt. Foto: L-Bank

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L-Bank-Gebäude am Karlsruher Schlossplatz. Von den rund 1.350 Mitarbeitern arbeiteten mehr als 1.170 in der Stadt. Foto: L-Bank

„Die Instrumente der L-Bank wurden in einem bisher nicht bekanntem Maße eingesetzt.“ Dieser zentrale Satz von Edith Weymayr beschreibt vergleichsweise zurückhaltend, was bei der Karlsruher L-Bank im vergangenen Jahr los war. Am Mittwoch präsentierte die Vorstandsvorsitzende des landeseigenen Förderinstituts die Bilanz des Corona-Jahres 2020.

„Wir haben hart gekämpft“, sagt Weymayr, doch der Einsatz hat sich ihrer Einschätzung nach gelohnt. „Die Maßnahmen zeigen ihre Wirkung.“ Damit meint die Instituts-Chefin vor allem das Engagement zur Bewältigung der Folgen der pandemiebedingten Wirtschaftskrise. Die L-Bank hat 2020 Fördermittel in Höhe von 12,1 Milliarden Euro vergeben, 46 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Corona-Hilfsprogramme hätten das Institut stark gefordert. In Summe wurden Corona-Hilfen in Höhe von 2,7 Milliarden Euro an rund 270.000 Unternehmen ausgezahlt.

Während es zu Anfang der Pandemie noch hauptsächlich um Mittel zur Überlebenssicherung der Unternehmen ging, habe sich der Schwerpunkt hin zu Zukunfts- und Innovationsfinanzierung verschoben. Auffällig: Insgesamt bekamen 2020 rund 8.400 Unternehmen Mittel im Bereich der Gründungs-, Mittelstands- und Landwirtschaftsförderung zur Verfügung gestellt. Das Fördervolumen des Vorjahres in Höhe von 3,1 Milliarden Euro wurde wieder erreicht. Ein Jahr zuvor waren es noch 11.100 geförderte Unternehmen; das heißt, im Schnitt haben weniger Firmen höhere Beträge erhalten.

In den Landkreis Rastatt flossen 2020 insgesamt Fördermittel der L-Bank in Höhe von rund 177,5 Millionen Euro (767 Euro pro Kopf), davon knapp 104 Millionen Euro als Wirtschaftsförderung. Der Stadtkreis Baden-Baden lag bei 106,6 Millionen Euro (1.931 Euro pro Kopf), 38,4 Millionen Euro gingen an Unternehmen, 56,5 Millionen Euro waren für Infrastrukturprojekte der öffentlichen Hand reserviert. Damit liegt die Kurstadt im landesweiten Vergleich unter den ersten sechs Kreisen.

„Vielfältige Restriktionen“


Obwohl die Corona-Krise die L-Bank 2020 besonders herausgefordert hat, konnte sie dieses außergewöhnliche Ereignis vergleichsweise gut verstoffwechseln. So erwirtschaftete das Institut ordentliche Erträge in Höhe von rund 332 Millionen Euro (Vorjahr: 355,2 Millionen Euro). Der Zinsüberschuss, unverändert die wichtigste Ertragsquelle der L-Bank, rutschte erwartungsgemäß auf etwa 263 Millionen Euro (Vorjahr: 302 Millionen Euro) ab. „Ursächlich hierfür waren wiederum insbesondere die expansive Geldpolitik der EZB und das damit verbundene Niedrigzinsniveau“, sagt Ulrich Theileis, stellvertretender Vorstandschef der L-Bank. Unter dem Strich bleibt ein verteilungsfähiges Ergebnis von 130,4 Millionen Euro, so viel wie 2019. Die L-Bank beschäftigte Ende des Jahres 1.351 Mitarbeiter, 1.172 von ihnen am Standort Karlsruhe, 179 in Stuttgart.

Wie geht es in diesem Jahr weiter? „Unsere Wirtschaft, der Mittelstand und die vielen kleinen Unternehmen und Solo-Selbstständigen müssen weiter mit vielfältigen Restriktionen kämpfen“, sagt Weymayr. Die Lage im Einzelhandel und im Dienstleistungssektor habe sich oftmals weiter zugespitzt. Im Baubereich oder Verarbeitenden Gewerbe stünden sie Zeichen dagegen auf Entspannung. Klar sei aber: „Es wird für uns keine Ruhepause geben.“ Denn das Thema Strukturwandel und digitale Transformation in zahlreichen Branchen werde in diesem Jahr wieder stärker ins Bewusstsein zurückkehren. „Aktuell stehen wir vor der großen Aufgabe, gemeinsam mit dem Land dafür zu sorgen, dass die Transformation der Wirtschaft nicht an fehlenden impulsgebenden Finanzierungen scheitert.“

Dabei wird auch das Thema Minuszinsen eine gewisse Rolle spielen. „Negativzinssätze sind eine Option, auf die wir uns vorbereitet haben: Seit Ende Januar 2021 bezahlen die Kommunen bei ihren Zukunftsinvestitionen nicht nur keine Zinsen, sie bekommen sogar Geld gutgeschrieben, soweit das aktuelle Zinsniveau dies erlaubt“, sagt die L-Bank-Chefin. Auch bei Förderprogrammen für Unternehmen soll dies ab Mitte des Jahres möglich sein. Sprich: Wer dann über die L-Bank-Förderung investiert, kann in seinen Büchern sogar einen Zinsgewinn verbuchen.

Dass das Jahr 2021 wieder deutlich mehr Schwung in die deutschen Unternehmen bringen wird, zeigen die Prognosen der Wirtschaftsforscher, die für dieses Jahr mit einem Wachstum von deutlich mehr als drei Prozent rechnen. „Wir haben Unbekannte am Horizont“, sagt Theileis. „Aber die Lage stellt sich im ersten Quartal bei den Unternehmen stabil dar.“ Viele hätten in den ersten Monaten 2021 überraschend positive Zahlen präsentiert.

Ihr Autor

BT-Redakteur Tobias Symanski

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Erstellt:
28. April 2021, 17:48 Uhr
Lesedauer:
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