LA8 in Baden-Baden macht Pause – nicht Schluss

Baden-Baden (hol) – Der neue Vorstand Moritz Grenke gibt teilweise Entwarnung: Das Museum LA8 macht nur eine „Denkpause“. Die Grenke-Stiftung will ein neues Konzept für die Ausstellungen erarbeiten.

Das LA8 soll der Lichtentaler Allee nicht verloren gehen. Wann und wie es in dem Museum konkret weitergeht, ist laut Moritz Grenke aber noch unklar. Foto: Uli Deck/dpa

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Das LA8 soll der Lichtentaler Allee nicht verloren gehen. Wann und wie es in dem Museum konkret weitergeht, ist laut Moritz Grenke aber noch unklar. Foto: Uli Deck/dpa

Es gibt eine Denkpause und irgendwann ein neues Konzept – aber es ist nicht das Ende: Die Grenke-Stiftung will das Museum LA8 in der Lichtentaler Allee weiterführen. Wie und wann, das ist noch unklar. Es gibt auch keine Pläne für eine Ausstellung 2022. „Wir wollen uns Zeit nehmen“, sagt der neue Stiftungsvorstand Moritz Grenke.

Am Montag hat der 35-Jährige seinen neuen Job angetreten. Seine erste Amtshandlung: Wogen glätten. Schließlich hatten am Sonntagabend der langjährige Museumsdirektor Professor Matthias Winzen und weitere Führungskräfte für die Öffentlichkeit überraschend bekannt gegeben, dass sie ab sofort nicht mehr für das Museum arbeiten. Es sei unklar, wie es mit der Einrichtung weitergeht, so Winzen gegenüber dem BT. Neue Ausstellungen seien nicht geplant.

„Den ersten Arbeitstag habe ich mir anders vorgestellt“, sagt Moritz Grenke und kritisiert die Art und Weise, wie Winzen seinen Abgang kommuniziert habe. Der studierte Mathematiker Grenke, der bislang in der von seinem Vater gegründeten Grenke AG gearbeitet hat, ist nun kommissarisch Museumsleiter. Für Besucher und Mitarbeiter heißt das: Ab Dienstag öffnet das LA8 wieder wie gewöhnlich. Die Ausstellung „Schön und gefährlich – die hohe See im 19. Jahrhundert“ läuft wie geplant bis 27. Februar 2022. Auch das vorgesehene Rahmenprogramm findet statt.

Was danach kommt, ist aber völlig unklar. Die bisherige Konzeption – zwei Ausstellungen pro Jahr zu jeweils einem Thema aus dem 19. Jahrhundert – stehe auf dem Prüfstand, so Grenke. „Wir sind bei der Ideenfindung noch ganz am Anfang“, sagt er. Es könne sogar sein, dass man sich inhaltlich neue Schwerpunkte suche – „auch wenn das 19. Jahrhundert zu Baden-Baden natürlich passt“. Aber erst wenn das neue Konzept grob stehe, wolle man eine neue Leitung für das Museum suchen. Eine Personalausschreibung sei jedenfalls derzeit nicht geplant. Wann das Museum nach Februar 2022 wieder den Betrieb aufnehmen wird, sei unklar. „Wir haben uns keinen Termin gesetzt“, so Grenke weiter.

Schachzentrum ist nicht tangiert

Was dem neuen Stiftungsvorstand wichtig ist: Das im gleichen Gebäude untergebrachte Schachzentrum und das Restaurant sind nicht betroffen. „Die Immobilie hat bis zuletzt meinem Vater gehört“, sagt Grenke. „Nun hat die Stiftung das Haus gekauft – und zwar unter der Maßgabe, es weiterhin dauerhaft gemeinnützigen Zwecken zur Verfügung zu stellen.“

Und wieso kam es nun zum Bruch zwischen der Grenke-Stiftung und dem Führungsteam des Museums um Winzen? Grenke geht bei der Beantwortung nicht ins Detail. Deutlich wird er nur bei der Frage, ob eventuell finanzielle Probleme bei der Stiftung die Ursache waren: „Nein. Die Stiftung steht genauso wie die Firma Grenke wirtschaftlich sehr gut da.“ Winzen habe am 18. Juni seinen Vertrag gekündigt. Danach habe es noch Gespräche gegeben darüber, die jetzige Ausstellung gemeinsam zu Ende zu führen – aber eben keine Einigung.

Man habe schon länger „über organisatorische Angelegenheiten diskutiert“. Winzen habe auch schon eine „grobe Idee für eine neue Ausstellung gehabt“. Die Stiftung habe ihn aber darum gebeten, die Planung dafür „nur mit einem geringen Aufwand voranzutreiben“. Man habe eben keine neue Ausstellung fix machen wollen, solange es keine neue Konzeption für das Museum gab, schildert Grenke. Das scheint Winzen nicht gefallen zu haben. Gegenüber dem BT gab er „fehlende Planungssicherheit“ als Hauptgrund für seine Kündigung an.

Trotz der Dissonanzen ist Winzen, der den Aufbau des Museums von 2007 bis 2009 begleitet und dann zwölf Jahre als Direktor gearbeitet hat, dankbar für die „beruflich erfüllende Möglichkeit, anhand historischer Themen neue Ausstellungsideen zu entwickeln“, wie er schreibt. Und auch Moritz Grenke klingt versöhnlich: Winzen habe dem Museum seinen Stempel aufgedrückt. „Das hat immer gut geklappt, und künstlerisch war das toll“, sagt er. Allerdings sei es nach zwölf Jahren an der Zeit, die Konzeption für das Museum auf den Prüfstand zu stellen. „Und dafür nehmen wir uns jetzt die Zeit.“

BT-Redakteur Harald Holzmann kommentiert:

Von Scherben und Chancen

Nach der Schock-Nachricht am Sonntagabend folgte am Montagmittag zumindest teilweise die Entwarnung: Das Museum LA8 ist doch nicht am Ende. Man wolle sich lediglich neu aufstellen, bemühte sich der frischgebackene Vorstandsvorsitzende der Grenke-Stiftung, die Scherben aufzukehren, die der langjährige Museumsdirektor Matthias Winzen hinterließ, indem er – gelinde gesagt – seinen Abgang schlecht kommunizierte. Nun, eine Denkpause in der Lichtentaler Allee – das ist sicher nicht verkehrt. Nach zwölf Jahren ist durchaus die Zeit gekommen, ein Ausstellungskonzept zu überprüfen und gegebenenfalls zu erneuern – egal, wie erfolgreich es vielleicht war. Wichtig ist es dabei, einerseits nicht das Kind mit dem Bade auszuschütten und andererseits trotzdem für die Besucher des Museums spürbar Neues zu kreieren. Ob man also den Ansatz des Museums, sich mit dem 19. Jahrhundert zu beschäftigen, ändern sollte, das erscheint angesichts der Bedeutung dieser Epoche für Baden-Baden mehr als fraglich. In der Art der Präsentation der Themen gibt es aber sicher noch Luft nach oben. Moritz Grenke ist für diese Aufgabe nicht zu beneiden. „Ich werde sicher einiges lernen in den kommenden Monaten“, machte er gegenüber dem BT deutlich, dass er die neue Aufgabe offen angeht. Dabei kann man ihm nur die Daumen drücken. Und noch etwas ist wichtig: So eine Denkpause darf nicht zu lange dauern. Wenn im Februar 2022 die aktuelle Ausstellung endet, sollte schon klar sein, wohin die Reise im LA8 geht.

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
2. August 2021, 16:13 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 46sec

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