„Ländle goes Dubai“

Stuttgart (bjhw) – Auf der Expo in Dubai wird sich Baden-Württemberg mit einem eigenen Pavillon präsentieren. 14 Millionen Euro kostet die Selbstdarstellung. Details des Konzepts sind durchgesickert.

So soll der baden-württembergische Pavillon in Dubai aussehen. Das Bild zeigt den Rohbau. Foto: Constant/DBN Production/Constantine Japaridze/dpa

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So soll der baden-württembergische Pavillon in Dubai aussehen. Das Bild zeigt den Rohbau. Foto: Constant/DBN Production/Constantine Japaridze/dpa

Nicht einmal Maultaschen und Spätzle bleiben Baden-Württembergs kulinarisches Alleinstellungsmerkmal während der am 1. Oktober beginnenden Weltausstellung in Dubai, weil die schon im Deutschen Haus auf der Speisekarte stehen.
Den Verantwortlichen im Land fällt es nicht leicht, das nach finanziellen Problemen und einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss in Schieflage geratene Projekt Expo-Pavillon doch noch zur Erfolgsgeschichte umzuschreiben. Fix sind immerhin die zehn „Highlights“ im Pavillon von der Welcome Area bis zum Kaltluftsee, die staatliche Rothaus-Brauerei engagiert sich auf einer Entdeckungsreise durch den Schwarzwald, und die Musikhochschule Stuttgart stemmt ein Beiprogramm.

Die Tourismusmarketing Baden-Württemberg hätte auf vielfältigste Weise die weltberühmten Besuchermagneten vom Heidelberger Schloss bis zum Ulmer Münster präsentieren oder die Museen des Landes glänzen lassen können oder die vielen Spitzenköche. Jedoch laufen viele Anfragen ins Leere, weil es auf die Frage, wer das alles bezahlen soll, keine befriedigende Antwort gibt.

Auf diese Weise sind die üblichen Partner bei baden-württembergischen Auslandsaktivitäten wie etwa das Ministerium für Wissenschaft und Kunst gar nicht beteiligt – und auch aus dem Wirtschaftsressort, aufgewertet um den Bereich Tourismus, dringen ausgesprochen zurückhaltende Botschaften. Ohnehin steht fest, dass das Land runde 14 Millionen Euro berappen muss für die Selbstdarstellung im Wüstenstaat.

Nur 400 Meter vom Eingang entfernt

Unstrittig ist die gute Lage des einzigen Pavillons, der von einer Region gestaltet wird: Er steht nur rund 400 Meter vom Eingang entfernt. Über eine Freitreppe unter Schirmen werden die erwarteten Besucher, die nach Millionen zählen sollen, in den Schwarzwald geführt. Dann wartet jene Medien-Installation, die als „die Quelle der Innovation“ wahrgenommen werden soll, als welche Baden-Württemberg möglichst weltweit gelten will.

Nach Landesausstellung und einem Event-Raum, die erst allerdings noch mit Leben gefüllt werden müssen, wird in der nächsten Station „die Realität erweitert“, bevor ein weiterer Event-Bereich, das Restaurant und eben jener Kaltluftsee die Besucherscharen entlassen.

„Ländle goes Dubai“, so lautet der Slogan. Wie die Räume zu bespielen sind, ist schon lange festgelegt und beworben: Platin-Sponsoren müssen eine Million Euro veranschlagen und bekommen dafür eine eigene „Themeninsel“ in der Landesausstellung, 100 Tagestickets für die gesamte Expo und 500 Eintrittskarten in die Lounge im BW-Haus. Gestaffelt geht es bis zu einer Summe von 12.500 Euro samt einem einzigen halbtägigen Event, einer Firmenpräsentation zum Beispiel, und der Platzierung eines kleinen Logos vor Ort.

Musikkonzept steht bereits

In der ab Montag beginnenden Woche wollen die Organisatoren Details präsentieren, darunter, wie viele Veranstaltungen bereits stehen. Die Eröffnungsfeier ist sponsorenfinanziert und musikalisch bereits konzipiert. Ein Tenor, eine Sopranistin und ein Streichquartett werden dabei zuerst auf einer Bühne und dann im ganzen Haus für die musikalische Umrahmung sorgen. Und sie können mit einem Alleinstellungsmerkmal Stimmung machen. Denn mit fünf Musikhochschulen, darunter in Karlsruhe, erreicht das Land eine Dichte wie sonst nirgends auf der Welt, also wird folgerichtig getan werden, wozu der Expo-Auftritt dient: geworben.

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Erstellt:
6. Juni 2021, 22:00 Uhr
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