Lärmschutz-Initiative Ottenau „entsetzt“

Gaggenau (uj) – „Entsetzt“ zeigen sich Anwohner der Siedlung Ottenau darüber, dass das Regierungspräsidium Pläne weiter verfolgt, den Parkplatz an der B462 unterhalb des Amalienbergs zu erweitern.

Zwischen Parkplatz und Bundesstraße unterhalb des Amalienbergs soll eine Lärmschutzwand entstehen. Dennoch haben Anlieger Bedenken, ihre Situation könnte sich dadurch verschlechtern. Foto: Ulrich Jahn

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Zwischen Parkplatz und Bundesstraße unterhalb des Amalienbergs soll eine Lärmschutzwand entstehen. Dennoch haben Anlieger Bedenken, ihre Situation könnte sich dadurch verschlechtern. Foto: Ulrich Jahn

„Mit Entsetzen“ haben Einwohner der Siedlung Ottenau, die unmittelbar unterhalb des Amalienbergs wohnen, dem BT-Bericht „Pläne für Parkplatzerweiterung wieder aktuell“ vom 14. Oktober entnommen, dass das Vorhaben der Vergrößerung des Parkplatzes am Amalienberg vorangetrieben werden soll. Das Regierungspräsidium hatte auf BT-Anfrage erklärt, dass die Planungen wieder aufgenommen worden seien. Ziel sei es, im nächsten Jahr Baurecht zu erhalten.

„Wo bitte ist endlich die vom Verkehrsministerium versprochene Standortanalyse für einen zeitgemäßen und ausreichend großen Lkw-Parkplatz (Autohof) entlang der B462/Nähe Anschluss A5?“, fragt Manfred Striebich, Sprecher der Initiative Lärmschutz in der Siedlergemeinschaft Ottenau, Verband Wohneigentum Baden-Württemberg.

In der Informationsveranstaltung im Gaggenauer Rathaus am 6. September 2018 hätten Professor Dr. Uwe Lahl und Marcel Zembrot vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg versprochen, eine solche Standortanalyse durchzuführen. In einem Schreiben an den Landtagsabgeordneten Jonas Weber im Juli 2019 wurde in Aussicht gestellt, dass der Abschluss der Untersuchung bis Herbst 2019 erfolgen solle. Bisher ist offensichtlich nichts geschehen, so Striebich.

Die Einwohner der Siedlung Ottenau halten den Standort eines Lkw-Parkplatzes am Amalienberg, direkt oberhalb des reinen Wohngebiets, „für denkbar ungeeignet“, erklärt Striebich. Es soll zwar eine Lärmschutzwand eingebaut werden. Die Ottenauer bezweifeln aber, dass für das darunter liegende Wohngebiet eine spürbare Reduktion des Lärms erzielt werde. Vielmehr befürchte man, dass das Gegenteil der Fall sein wird.

Betroffene befürchten stark störende Lärmspitzen durch Rückfahrpiepser

Die Kapazität des bestehenden Parkplatzes soll von acht auf 15 Lkw-Stellplätze erhöht werden. Aktuell ist der Parkplatz seit Juni 2017 offiziell für Lkw gesperrt. Durch die Aufhebung des Parkverbots und den Ausbau müsse Tag und Nacht mit einem deutlich höheren Aufkommen von Lkw-Verkehr als vor der Sperrung gerechnet werden. Insbesondere werde befürchtet, dass stark störende Lärmspitzen durch den Rückfahrpiepser rückwärts einparkender Lkw in das Wohngebiet dringen werden. Die Piepser würden einen Lärm von 90 bis 100 dB erzeugen, behauptet Striebich. Dies entspreche dem Lärmpegel von Autohupen, Motorrädern, Kreissägen, Diskotheken und so weiter. Die Einwohner befürchten, dass dieser Lärm auch über die Lärmschutzwand hinweg ins Wohngebiet dringe.

Die Lärmschutzwand soll zwischen B462 und Lkw-Parkplatz eingebaut werden. Es wird befürchtet, dass an der Lärmschutzwand der vom fließenden Verkehr auf der B462 ausgehende Lärm daran reflektiert und ins Wohngebiet „geworfen wird“. Der Effekt der auf der B462 durchgeführten Lärmschutzmaßnahmen (Flüsterasphalt, Betongleitwand) wäre damit zunichtegemacht und die Lärmbelästigung wieder verschlimmert.

Die betroffenen Einwohner der Siedlung Ottenau kritisieren laut Striebich insbesondere, dass das Projekt offensichtlich ohne ihre Beteiligung und ohne ausreichende Berücksichtigung ihrer Belange durchgezogen werden soll. Es sei angedacht, das Vorhaben ohne Planfeststellungsverfahren umzusetzen.

Die Betroffenen kritisieren auch insgesamt die Verkehrspolitik. Allenthalben würden in der Region neue Logistikzentren geschaffen. All dies führe zu einem erhöhten Lkw-Verkehrsaufkommen. Vor allem fehlten entlang der Autobahn ausreichende Lkw-Parkplätze. In einem Schreiben an Oberbürgermeister Christof Florus und die im Gemeinderat vertretenen Fraktionen und Gruppierungen bittet die Initiative Lärmschutz um Unterstützung.


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