Lage im Klinikum Mittelbaden verschärft sich

Baden-Baden/Ludwigsburg (BT/lsw) – Das Klinikum Mittelbaden blickt besorgt auf die steigende Zahl an Covid-Patienten – und bereitet sich darauf vor. Planbare Operationen wurden abgesagt.

Die Corona-Warnstufe zeichnet sich ab: Noch in dieser Woche könnte die Zahl von 250 Covid-Patienten auf Intensivstationen im Land erreicht werden. Foto: Bodo Schackow/dpa

© picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Die Corona-Warnstufe zeichnet sich ab: Noch in dieser Woche könnte die Zahl von 250 Covid-Patienten auf Intensivstationen im Land erreicht werden. Foto: Bodo Schackow/dpa

Der Koordinator für die intensivmedizinische Versorgung von Covid-Patienten in Baden-Württemberg blickt angesichts der hohen Zahl an belegten Intensivbetten besorgt auf die weitere Entwicklung. Wenn die derzeitigen Prognosen eintreffen sollten, sei das ein wirkliches Problem, sagte Götz Geldner, Ärztlicher Direktor der Ludwigsburger RKH-Kliniken, Auch am Klinikum Mittelbaden deutet sich eine Verschärfung der Lage an.

In der Balger Klinik werden aktuell 33 Corona-Patienten stationär behandelt, drei davon intensivmedizinisch, teilt das Klinikum mit. Bis auf zwei Patienten handele es sich bei allen Fällen um ungeimpfte Personen. Die beiden Impfdurchbrüche beträfen Patienten mit einem schwachen körpereigenen Immunsystem. „Während in letzter Zeit über eine Zunahme an jüngeren Patienten berichtet wurde, hat sich dies wieder etwas geändert. Die stationären Corona-Patienten sind mittleren Alters bis knapp über 60 Jahre“, heißt es weiter. Noch gebe es genug Betten auf der Covid-Station in der Klinik Baden-Baden Balg. Doch in Erwartung weiterer Corona-Patienten bereitet sich die Klinik bereits auf eine Kapazitätserweiterung vor.

„Notfallversorgung war phasenweise schwierig“

Prekärer sieht es auf der Intensivstation aus. Dort stehen zehn Betten zur intensivmedizinischen Behandlung zur Verfügung. „Aufgrund der hohen Covid-Belastung mussten wir – wie in den vergangenen Corona-Wellen – wieder elektive Operationen absagen. Auch die Notfallversorgung war phasenweise schwierig, ist aber sichergestellt“, so Dr. Thomas Iber, medizinischer Geschäftsführer und Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin. „Die meisten betroffenen Patienten zeigten bisher großes Verständnis für die Situation“, fügt er hinzu.

„Die kurze Verschnaufpause nach der dritten Welle scheint vorüber zu sein. Die Versorgung von Covid-Patienten parallel zum normalen Klinikbetrieb bedeutet für das medizinische und für das Pflegepersonal des Klinikums Mittelbaden nach wie vor eine deutliche Mehrbelastung“, so das Klinikum. Das gehe an den Mitarbeitenden nicht spurlos vorüber. So lägen beim Klinikpersonal die Krankheitsausfälle über dem Jahresdurchschnitt im üblichen Bereich der ersten Herbsttage. Und Corona macht auch vor den Klinikmitarbeitenden nicht Halt. Allein in den vergangenen zwei Monaten gab es auch bei ihnen 14 Impfdurchbrüche bei vollständig geimpftem Personen, außerdem hatten sich zehn nicht geimpfte Mitarbeitende mit Covid 19 infiziert, und sechs nicht geimpfte Mitarbeiter mussten in Quarantäne.

Kaum Ausweichmöglichkeiten für Verlegungen

Geldner rechnet damit, dass noch im Laufe dieser Woche im Bundesland die Zahl von 250 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen und damit die Warnstufe erreicht werde. Am Dienstag war die Zahl der Patienten um vier auf 234 gestiegen. Ein Prognosemodell der Uniklinik Freiburg für das Landesgesundheitsamt sagte zuletzt mehr als 300 Covid-19-Intensivpatienten bis Anfang November voraus.

Da sich die Covid-19-Patienten laut Geldner inzwischen gleichmäßig auf die Kliniken in ganz Baden-Württemberg verteilen, gebe es kaum noch Ausweichmöglichkeiten für Verlegungen. Problematisch sei zudem, dass mittlerweile ein Großteil der Patienten mit 35 bis 65 Jahren deutlich jünger sei als zuvor. Diese Erkrankten seien länger auf der Intensivstation als Ältere, was die Kapazitäten weiter verknappe. Nahezu alle Intensivpatienten seien zudem ungeimpft.

Die Stimmung in den Kliniken im Südwesten sei angesichts der Lage und der sich abzeichnenden Entwicklung bescheiden, sagte Geldner. Nun gelte es, die noch unentschlossenen Bürger zu erreichen und sie von einer Corona-Impfung zu überzeugen.

Zum Artikel

Erstellt:
28. Oktober 2021, 08:15 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 35sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.