Lahmes Internet im Ried soll wieder Turbo einlegen

Rastatt (ema) – Seit mehr als einem Jahr häufen sich die Klagen im Ried über das lahme Internet. Jetzt besteht Hoffnung auf Besserung.

Der Schuldige der Misere ist gefunden: Vodafone räumt ein, dass der Zustand im Ried inakzeptabel ist. Foto: dpa

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Der Schuldige der Misere ist gefunden: Vodafone räumt ein, dass der Zustand im Ried inakzeptabel ist. Foto: dpa

Der Frust ist groß im Ried: Vor allem in Plittersdorf ballt sich der Unmut über ein lahmes Internet. Mathias Köppel weiß davon manch garstig Lied zu singen. „Gerade abends bricht das Netz oft zusammen“, weiß der Ortsvorsteher aus einer Vielzahl von Klagen aus der Einwohnerschaft. Bei seinen Recherchen nach den Ursachen hat Köppel das Gefühl, zwischen den Telekommunikationsunternehmen Vodafone und Telekom zu versanden. BT-Anfragen geben jetzt Anlass zur Hoffnung.
Wie war der Jubel vor sieben Jahren groß: Das Ried schaltete auf Turbo-Internet um, nachdem die Stadtwerke bereit gewesen waren, mit einer Investition von 130 000 Euro in Vorleistung zu gehen, um in Plittersdorf und Ottersdorf eine Datenübertragung von 50 Mbit zu ermöglichen. Das städtische Versorgungsunternehmen verlegte 18 Kilometer Leerrohre, in die 3,7 Kilometer Glasfaserkabel sowie 3,5 Kilometer Telefonkabel eingezogen wurden. Als Mieter für die Internetversorgung wurde Vodafone gewonnen; das Unternehmen nahm einen sechsstelligen Betrag zur Hand, um die beiden Dörfer zu versorgen. Für die Haushalte bedeutete dies, dass man mit Vodafone einen Vertrag abschließen musste, um in den Genuss des Turbo-Internets zu kommen.

In den beiden Dörfern war der Standard somit so hoch, dass dort damals sogar schneller gesurft werden konnte als in der Kernstadt, die inzwischen aber von der Telekom aufgerüstet wurde. Seit etwas mehr als einem Jahr herrscht in Plittersdorf und Ottersdorf aber blanke Ernüchterung. Ein Bürger hat jetzt sogar eine Online-Petition gestartet, um den Druck auf Vodafone zu erhöhen. Denn trotz mehrfacher Störungsmeldungen habe das Unternehmen keine Lösung angeboten.

Großes Ärgernis

Von dem vertraglich zugesicherten Minimum von 27 Mbit über den VDSL50-Anschluss komme oft weniger als ein Mbit, klagt der Plittersdorfer. „Dies macht eine zeitgemäße Nutzung des Internetangebots unmöglich. Die bereits seit über einem Jahr anliegende regionale Störung wird immer mehr zum Ärgernis“, schreibt er in der Petition.

Verärgert ist auch der Ortsvorsteher, weil er bei den Telekommunikationsunternehmen nicht durchdringt, um die Misere angehen zu können. Köppel mutmaßt, dass das Problem entweder bei Vodafone liegt, weil der Hauptverteiler im Richard-Wagner-Ring technisch veraltet ist. Oder aber bei der Telekom, die für das letzte Teilstück ab den Verteilerkästen im Dorf zuständig ist. Der Ortsvorsteher will jetzt nach einem Auftrag von OB Hans Jürgen Pütsch sowohl an der Firmenbasis bohren als auch die große Politik einschalten.

Möglicherweise hat sich das erübrigt, denn auf BT-Nachfrage hat sich Vodafone dazu bekannt, handeln zu müssen. „Die Kritik ist völlig berechtigt“, sagte Unternehmenssprecher Volker Petendorf dem BT, der von 1 400 betroffenen Haushalten spricht. Die Ursache der schlechten Versorgung liegt demnach in einem Knotenpunkt in der Kernstadt. Die dortige Zwei-Gigabit-Leitung werde jetzt verfünffacht; die Anschlüsse müsse man modernisieren. „Die Planung steht“, sagt Petendorf. Insgesamt werde Vodafone rund 100 000 Euro investieren. Zum Programm gehörten auch Tiefbauarbeiten auf einer Länge von 50 Metern. Im Spätsommer sollen die Arbeiten erledigt sein.

Dass die Verschlechterung überhaupt entstehen konnte, begründet der Vodafone-Sprecher mit der drastisch zunehmenden Nutzung des Internets; man gehe von 40-prozentigen Steigerungsraten pro Jahr aus. Damit halte die mittlerweile veraltete VDSL-Technik nicht Schritt.

Auf Nachfrage stellte Petendorf in Aussicht, dass Kunden eine Gutschrift erhalten könnten, wenn sie nicht wie vertraglich zugesichert versorgt worden seien. Die schlechte Übertragungsleistung müssten Betroffene aber im Einzelfall nachweisen; man werde nicht nach dem „Gießkannenprinzip“ entschädigen.


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