Land legt Staatswaldflächen für Windräder fest

Stuttgart (bjhw) – Der erste Suchlauf ist abgeschlossen: Investoren können sich bald um 1.900 Hektar bewerben. Bis zu 90 Windräder sollen darauf gebaut werden.

Ähnlich wie das Windrad auf der Hornisgrinde im Nordschwarzwald sollen bald weitere in Baden-Württemberg entstehen. Foto: Uli Deck/dpa

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Ähnlich wie das Windrad auf der Hornisgrinde im Nordschwarzwald sollen bald weitere in Baden-Württemberg entstehen. Foto: Uli Deck/dpa

Auf dem Hohenlochen in der Ortenau sind 2021 vier Windkraftanlagen in Betrieb gegangen, in Emmendingen eine, elf sogar im Landkreis Heidenheim und acht weitere im ganzen Land. Grün-Schwarz will das Ausbautempo deutlich erhöhen.

Deshalb hat sich Peter Hauk (CDU), Minister für den ländlichen Raum, vom Kabinett die ersten fünf Flächen im Staatswald absegnen lassen, auf denen bis zu 90 Räder gebaut werden können. Jedenfalls dann, wenn sich Investoren finden. Ein erster Suchlauf sei damit erfolgreich gewesen, sagt Hauks Sprecherin auf BT-Anfrage, weitere würden folgen, keine Region sei ausgenommen: „Es muss überall geguckt werden, was möglich ist.“ Insgesamt hat die Windenergie inzwischen einen Anteil von 6,6 Prozent an der Bruttostromerzeugung im Land.

Zweiter Flächensuchlauf gestartet

Es geht insgesamt um 1.900 Hektar, die größte Fläche liegt im Kreis Ravensburg. Im Altdorfer Wald sind 1.370 Hektar geeignet für den Bau von Windkraftanlagen. 120 Hektar sind am Nordrand der Schwäbischen Alb im Kreis Reutlingen vorgesehen, 110 Hektar in Sulz im Kreis Rottweil und rund 200 im Kreis Lörrach am Westrand des Schwarzwalds.

In den nächsten zwei Wochen werden Details im Angebotsverfahren veröffentlicht. Parallel wurde bereits ein zweiter Flächensuchlauf gestartet.

Hauk stellt die Auswahl weiterer Flächen „zeitnah und spätestens Anfang 2022“ in Aussicht. Weitere Runden sollen folgen, denn die neue Landesregierung hat sich verpflichtet, die Energiewende im Land mit dem Bau von bis zu 1.000 neuen Windrädern im Laufe der Legislaturperiode voranzutreiben. Umweltministerin Thekla Walker (Grüne), die Ende September einen Windpark im Kreis Rottweil eröffnete, der mit drei Rädern und einer Jahresleistung von über 30.000 Megawattstunden 10.000 Haushalte versorgt, will ebenfalls aufs Tempo drücken. Zügig würden „weitere Flächen in anderen Landesteilen hinzukommen“, verspricht die Ministerin.

Kommunen sollen „finanziell angemessen“ profitieren

Immerhin dürfen die Windkraftbefürworter auf Rückenwind aus Berlin hoffen. Laut Sondierungspapier, das den Verhandlungen für eine Ampelkoalition zugrunde liegt, wollen SPD, Grüne und FDP für die Windkraft an Land zwei Prozent Landesfläche ausweisen. Und: „Wir wollen dafür sorgen, dass die Kommunen von Windenergieanlagen und größeren Freiflächen-Solaranlagen auf ihrem Gebiet finanziell angemessen profitieren.“

Zu eben jenen zwei Prozent hat sich auch die Landesregierung bekannt und will im Staatswald mit gutem Beispiel vorangehen, nachdem es bisher nur 750 Windräder in Baden-Württemberg gibt. In Rheinland-Pfalz produzieren mehr als 1.800 Anlagen Strom.

Dreh- und Angelpunkt ist die Dauer der Genehmigungsverfahren. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat die Latte hochgelegt und will die Verfahrensdauer auf rund dreieinhalb Jahre halbieren. Die Umweltpolitiker der CDU sehen die Grünen in der Pflicht, weil der Artenschutz dem Ausbau der Windenergie immer wieder im Weg steht. Walker wiederum ruft dazu auf, Energiewende und Artenschutz nicht gegeneinander auszuspielen. Die Grüne steht allerdings auch unter dem Druck der Naturschutzverbände. NABU und BUND betrachten Klima- und Artenschutz als gleichrangige Ziele. Der Ausbau der Windenergie müsse daher naturverträglich stattfinden, heißt es in einer Stellungnahme, etwa dadurch, dass „alte und naturnahe Wälder als Standorte für Windenergieanlagen tabu sind“.


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