Land sieht Bundeswehrimpfzentrum im Kreis Rastatt skeptisch

Rastatt (fk) – Das Land hat gegenüber der Forderung, im Landkreis Rastatt ein Impfzentrum der Bundeswehr zu errichten, seine Skepsis zum Ausdruck gebracht. Es gebe dafür nicht genügend Impfstoff.

Die Bundeswehr als Impfhelfer: Das soll nach dem Willen einiger Abgeordneter und des Landratsamtes bald auch im Landkreis Rastatt Realität sein. Foto: Daniel Vogl/dpa

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Die Bundeswehr als Impfhelfer: Das soll nach dem Willen einiger Abgeordneter und des Landratsamtes bald auch im Landkreis Rastatt Realität sein. Foto: Daniel Vogl/dpa

Öffentlichkeitswirksam besuchte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) Anfang April das bundesweit erste Impfzentrum der Bundeswehr im saarländischen Lebach. Es soll rund um die Uhr arbeiten. Im Drei-Schicht-Betrieb seien bis zu 1.000 Impfungen pro Tag möglich, heißt es damals. Auch der Landkreis Rastatt wünscht sich eine Beteiligung der Soldaten beim Impfen – einige CDU-Abgeordnete gehen noch weiter und bringen das Modell Lebach ins Spiel. Das Land sieht das auf Anfrage des Badischen Tagblatts allerdings sehr skeptisch.

„Impfstrategie ist gut“


So zumindest lässt sich die Aussage des zuständigen Landesgesundheitsministeriums unzweideutig interpretieren. Schriftlich heißt es gegenüber dem BT aus Stuttgart wörtlich: „Die Corona-Impfverordnung sieht vor, dass die Impfzentren durch die Länder geplant, errichtet, betrieben und abgebaut werden. Das Land hat in seiner Impfstrategie mit seinen Impfzentren sowie niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten und zukünftig Betriebsärztinnen und -ärzten bereits ausreichend Impfkapazität für die vorhandenen und zu erwartenden Impfstoffmengen eingeplant.“ Und das Ministerium geht noch weiter, kritisiert den Vorschlag als – zumindest aktuell – realitätsfern. Für ein solches 24-7-Zentrum der Bundeswehr müsse nämlich, so ein Sprecher, überhaupt erst einmal genügend Impfstoff vorhanden sein. „Derzeit haben wir in Baden-Württemberg zu wenig Impfstoff, um unsere leistungsfähige Infrastruktur unter Volllast zu fahren. Die Nachfrage übersteigt das Impfangebot weiterhin“, bügelt das Ministerium die Initiative der Abgeordneten ab.

Forderung von CDU-Abgeordneten

Zuvor hatte der mittelbadische CDU-Bundestagsabgeordnete Kai Whittaker ein Rundschreiben mit einer Forderung nach eben einem solchen 24-7-Bundeswehrimpfzentrum veröffentlicht, dem sich die beiden CDU-Landtagsabgeordneten Tobias Wald und Alexander Becker angeschlossen hatten. Darin heißt es: „Impfen 24/7. Das ist der beste Weg zurück in unseren geliebten Alltag“, so Whittaker. Im Anschluss lobt er CDU-Parteikollegin Kramp-Karrenbauer dafür, „dass sie die Bundeswehr zur Verfügung stellt, um deutschlandweit 28 Impfzentren zu betreiben“. Weiter betont Whittaker, dass er deswegen bereits mit dem Landratsamt und dem Bundeswehr-Landeskommando in Stuttgart in Kontakt stand, und dass einem „Antrag aus Mittelbaden“ auf ein Bundeswehrimpfzentrum aus seiner Sicht nichts entgegenstehe. Whittaker, Wald und Becker argumentieren: „Wegen unserer Nähe zu Frankreich und der damit verbundenen höheren Inzidenz, kann ein Impfzentrum der Bundeswehr für wichtige Entlastung im Kampf gegen das Coronavirus sorgen. (...) Auch wenn es aktuell noch zu tageweisen Schließungen der Kreisimpfzentren kommt und auch die Hausärzte noch mehr eingebunden werden könnten, rechnen wir fest damit, dass wir bald deutlich mehr Impfstoff bekommen, als wir verimpfen können.“

Landkreis berät am 4. Mai

Auch das Rastatter Landratsamt zeigt sich offen, wenn auch etwas zurückhaltender. Prinzipiell würde man einen Einsatz der Bundeswehr begrüßen, in welcher Form sei aber noch völlig offen, so Pressesprecher Benjamin Wedewart gegenüber dem BT. Am 4. Mai finde eine Stabssitzung statt, bei der auch die Bundeswehr vertreten sei, bei der diese Fragen diskutiert werden sollten. Eines sei aber klar: Der Impfstoff würde nicht zwischen den bestehenden Impfzentren und der Bundeswehr aufgeteilt, sondern die Bundeswehr müsste zusätzliches Vakzin zum Verimpfen erhalten, so Wedewart.


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