Land startet mit Impfungen beim Hausarzt

Baden-Baden/Stuttgart (tas) – In einem Pilotprojekt zu Corona-Impfungen in Arztpraxen in Baden-Württemberg sollen Lieferketten und Abläufe erprobt werden. Auch eine Praxis in Mittelbaden ist an Bord.

Spritzen mit Corona-Impfstoff liegen bereit: Ab Montag sollen Über-80-Jährige auch in ausgewählten Arztpraxen im Land geimpft werden. Foto: Felix Kästle/dpa

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Spritzen mit Corona-Impfstoff liegen bereit: Ab Montag sollen Über-80-Jährige auch in ausgewählten Arztpraxen im Land geimpft werden. Foto: Felix Kästle/dpa

Die Kanzlerin hatte es beim Bund-Länder-Gipfel angekündigt, nun werden auch die Pläne für Corona-Impfungen in den Hausarztpraxen in Baden-Württemberg konkreter. Am Donnerstag teilte das Sozialministerium mit, dass das Land am Montag ein Pilotprojekt bei niedergelassenen Ärzten startet, um Menschen auch in Praxen zu impfen.

Ziel dabei ist es, die bisher angewandte Verabreichung über die Impfzentren mittelfristig in den Regelbetrieb zu überführen. Wie auch zum Start der Impfzentren soll es dazu einen ersten Testlauf geben, wie das Sozialministerium mitteilte. In nahezu allen Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg sollen Personen im Alter von über 80 Jahren aus der ersten Priorisierungsstufe in Pilotpraxen geimpft werden können, hieß es. Mit an Bord ist auch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Baden-Württemberg, mit der das Ministerium in den vergangenen Wochen intensiv über den Modellversuch gesprochen hat.

Baden-Württemberg ist gegenüber anderen Bundesländern bei den Vorbereitungen für ein breites Ausrollen der Impfkampagne in die Praxen bisher etwas hinterher. So startete ein vergleichbarer Modellversuch mit vier Praxen bereits am Mittwoch in Brandenburg, der noch in diesem Monat auf 50 Praxen ausgeweitet werden soll. Noch mehr Erfahrungen wurden schon in Mecklenburg-Vorpommern gesammelt, wo im Kreis Nordwestmecklenburg bereits seit der dritten Kalenderwoche Hausärzte in acht Praxen Patienten mit einer Corona-Schutzimpfung versorgen – sie dienen dabei auch als „Außenstellen“ von Impfzentren.

In Baden-Württemberg ist man hier zwar etwas später dran, geht nun aber schneller vorwärts. Die von der KV ausgewählten Praxen – eine davon befindet sich auch im Landkreis Rastatt – sind über ganz Baden-Württemberg verteilt. Bei der Auswahl der Standorte sei beachtet worden, dass maximal eine Hausarztpraxis auf den Bezirk eines Impfzentrums entfällt, hieß es vom Sozialministerium. „Das Pilotprojekt ist eine Ergänzung zur etablierten Struktur der Zentralen Impfzentren sowie Kreisimpfzentren und läuft für die Dauer von sechs Wochen.“ In den ersten drei Wochen erfolge die Erstimpfung, in den letzten drei Wochen die Zweitimpfung.

„Ein solcher Test ist unbedingt sinnvoll“


Laut der KV geht es bei dem Testlauf vor allem darum, die Lieferketten auf die Probe zu stellen. „Die niedergelassenen Ärzte nehmen pro Jahr etwa 20 Millionen Grippeimpfungen in Deutschland vor. Impfen ist Alltag in den Praxen“, sagte Johannes Fechner, der Vorstandsvorsitzende der KV Baden-Württemberg. „Hier haben wir es aber mit einer besonderen Situation zu tun. Der Impfstoff ist anders zu handhaben, die Dokumentation ist anders, wir müssen die Verteilung der Impfstoffe auf die Praxen und Lieferketten klären. Daher ist ein solcher Test unbedingt sinnvoll.“

Bei dem Modellversuch übernimmt das Land die Transportkosten für die Auslieferung der Impfstoffe sowie die Kosten für die Bereitstellung des Impfzubehörs. Die ausgewählte Arztpraxis rechnet die erbrachten Leistungen dann mit der KV ab. Wie das Sozialministerium auf Anfrage des BT mitteilte, sollen die Impfstoffe für die Praxen direkt von den Impfzentren bezogen werden. Erst in der späteren Regelversorgung soll der Vertrieb dann wie üblich über die Apotheken abgewickelt werden.

Damit die Ärzte nicht von Patientenanfragen überrollt werden, wird nicht öffentlich gemacht, welche Praxen in den Testlauf einbezogen sind. „Die anspruchsberechtigten Personen sind in der Regel bereits Patientinnen und Patienten der jeweiligen Arztpraxis“, heißt es beim Sozialministerium. Die teilnehmenden Praxen würden selbst auf sie zugehen, um Impftermine zu vereinbaren. Eine Kontaktaufnahme seitens der Patienten sei daher nicht notwendig.

„Mit dem Pilotprojekt schaffen wir die Voraussetzungen für einen künftigen reibungslosen Übergang der Impfungen in die Hausarztpraxen – sobald genügend Impfstoff zur Verfügung steht“, sagte Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) am Donnerstag in Stuttgart. Er rechnet für die nächsten Wochen und Monaten mit steigenden Impfstofflieferungen. Es sei daher notwendig, die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in der Fläche frühzeitig in die Impfungen einzubeziehen.

Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) haben bisher knapp 300.000 Über-80-Jährige in Baden-Württemberg eine Erstimpfung gegen das Coronavirus erhalten, die Quote liegt hier bei rund 40 Prozent. Etwa 21 Prozent der Über-80-Jährige haben zudem bereits die zweite Impfung bekommen. Nur Berlin weist in dieser Altersgruppe höhere Werte auf.

Ihr Autor

BT-Redakteur Tobias Symanski

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Erstellt:
4. März 2021, 17:31 Uhr
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