Land unterstützt Festspielhaus Baden-Baden mit vier Millionen Euro

Baden-Baden/Stuttgart (sr) – Die grünschwarze Landesregierung hat das privat geführte Festspielhaus Baden-Baden mit einer Finanzspritze in Höhe von vier Millionen Euro aus der Corona-Krise gerettet.

Benedikt Stampa, der Festspielhaus-Intendant, steht im leeren Zuschauerraum: Zu Saisonbeginn im Herbst hofft er auf einen Neubeginn. Uli Deck/dpa

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Benedikt Stampa, der Festspielhaus-Intendant, steht im leeren Zuschauerraum: Zu Saisonbeginn im Herbst hofft er auf einen Neubeginn. Uli Deck/dpa

Baden-Baden/Stuttgart – Aufatmen im Festspielhaus: Das Land unterstützt die Kulturinstitution mit vier Millionen Euro, um die coronabedingten Finanzausfälle abzumildern. Eine weitere Rate von bis zu zwei Millionen Euro könnte folgen, bei „anhaltendem Fortbestand der Einnahmeausfälle“, wie es in einer Pressemitteilung von Staatssekretärin Petra Olschowski vom Dienstag heißt. Damit würdige die Landesregierung „die Sonderstellung des Festspielhauses als größtes Konzert- und Opernhaus in Deutschland.“ Gleichzeitig will sie auch den privaten Stiftern ein Zeichen der Anerkennung vermitteln. Offenbar soll auch eine Unterstützung durch den Bund geprüft werden, falls die Krise länger andauert.

Das Festspielhaus hatte im Mai Landeshilfe beantragt. Diese kommt jetzt aus dem Corona-Nothilfefonds für Kunst und Kultureinrichtungen und kann laut Pressemitteilung nur fließen, weil die Stadt Baden-Baden seit Juli auch Eigentümerin des Gebäudes ist. Früheren vertraglichen Abmachungen entsprechend hatte die Stadt das Haus erst kürzlich gekauft. „Nur so war, wie sich inzwischen erwies, die Förderung möglich“, betonte OB Mergen am Dienstag. Das Kunstministerium wird die Stadt „bei den Gebäudekosten des Festspielhauses finanziell entlasten und ermöglicht der Stadt so, das Festspielhaus beim Spiel- und Vorstellungsbetrieb finanziell zu unterstützen,“ heißt es zum Prozedere.

Stampa dankt Stiftern und Freunden

Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa und Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen sprachen am Dienstag von einer existenzbedrohenden Krise, in die das Festspielhaus durch die Corona-Pandemie gestürzt sei. „Die heutige Mitteilung aus Stuttgart setzt quasi den Halt bringenden Schlussstein in eine beispiellose Rettungsarchitektur, dem ein breiter Schulterschluss bei Musikfans, der Stadt Baden-Baden, dem Land Baden-Württemberg, Politikern und Künstlern vorausging“, so Stampa.

Besucher der ausgefallenen Oster-, Pfingst- und Sommerfestspiele haben dem Haus bis jetzt rund 350 000 Euro überlassen – Eintrittsgelder, die zu Spenden wurden. Förderer, Freunde und Stifter haben in diesem Jahr trotz des corona-bedingt stark eingeschränkten Programms schon mehr als vier Millionen Euro gespendet, also mehr als die jetzt vom Ministerium bewilligte Strukturhilfe.

Mehrzahl der Mitarbeiter in Kurzarbeit

Die Mehrzahl der Festspielhausmitarbeiter ist seit Mitte März in Kurzarbeit. Um die vielen Minijobber im Foyerteam bei der Stange zu halten, zahlt das Festspielhaus diese Mitarbeiter monatlich auf niedrigem Niveau weiter, wie Kommunikationsdirektor Rüdiger Beermann ausführte.

Wie sich das Festspielhausprogramm in der neuen Saison gestalten wird, könne man immer nur kurzfristig sagen, so Beermann weiter. Mitte August soll ein präziser Plan für den Herbst veröffentlicht werden.

Herbstprogramm wird kurzfristig geplant

Stampa, der erst seit Herbst 2019 im Amt ist, sieht die Notwendigkeit, sich dann auch über den Wert der Kultur nach Corona klar zu werden. „Wir müssen uns wieder stärker mit immateriellen Werten beschäftigen,“ glaubt der Festspielhaus-Intendant. „Daher sehe ich es als unsere Aufgabe an, die Festspiele Baden-Baden programmatisch weiter zu schärfen, noch bekannter zu machen und mit allen Bürgern in die Zukunft zu führen.“

Materielles verlieren die Verantwortlichen gleichwohl nicht aus den Augen: Der Vorsitzende der Kulturstiftung Festspielhaus, Ernst-Moritz Lipp, will die öffentliche Strukturhilfe in einem großen Zusammenhang verstanden wissen: Das Festspielhaus habe in den 20 Jahren seines Bestehens „über eine Milliarde Euro an Kaufkraftzufluss für Baden-Baden und die Region erzielt, während die privaten Förderer in diesem Zeitraum seit der Gründung rund 60 Millionen für das Programm aufbrachten“, so Lipp. Die Landtagsabgeordneten Tobias Wald (CDU) und Hans-Peter Behrens (Grüne), begrüßten die Entscheidung des Ministerrats in Stuttgart, für die sich beide engagiert hatten.

Ihr Autor

Sabine Rahner

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Erstellt:
22. Juli 2020, 08:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 42sec

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