Land will sich für Delta-Variante wappnen

Stuttgart (bjhw) – Inzidenzen sollen der entscheidende Faktor bei der neuen, schlankeren Corona-Verordnung sein.

Voraussetzungen: Winfried Kretschmann rechnet damit, dass das Land bei der Pandemie-Bekämpfung von seinen späten Sommerferien profitiert. Foto: Patrick Pleul/dpa

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Voraussetzungen: Winfried Kretschmann rechnet damit, dass das Land bei der Pandemie-Bekämpfung von seinen späten Sommerferien profitiert. Foto: Patrick Pleul/dpa

Dank verschiedener Sonderfaktoren hofft Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) darauf, dass Baden-Württemberg der Umgang mit der neuen hochansteckenden Delta-Variante des Corona-Virus leichter fällt als anderen Bundesländern.

Vor allem könnte der Südwesten wie schon im vergangenen Sommer gemeinsam mit Bayern vom späten Sommerferienbeginn profitieren. Zwar sind ab Ende August Sommerschulen und Lernbrücken geplant. Bis dahin gebe es aber „quasi einen Schullockdown“, so Kretschmann. Das seien günstige Voraussetzungen, um die Zahlen weiter gering zu halten. Außerdem nimmt Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) für die hiesigen Gesundheitsbehörden in Anspruch, Infektionen „sehr engmaschig“ nachzuverfolgen und deshalb immer „nahe am Geschehen zu sein“. In der nächsten Woche wird die Landesregierung eine neue, gegenüber früheren deutlich schlankere Corona-Verordnung vorlegen.

Welche Lockerungen stehen an?

Vor allem in Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz auf 100.000 Einwohner von unter zehn gibt es neue Freiheiten für Veranstaltungen sowie Gastronomie, Kultur, Sport und Handel. Lucha will eine Verordnung erarbeiten, „die die Menschen nicht nur verstehen, sondern auch akzeptieren“. Details werden bis Ende der Woche bekannt gemacht, wenn die Infektionszahlen von Mittwoch und Donnerstag vorliegen und bewertet werden können. Schon fest steht, dass es vier Kategorien geben wird: Stufe vier gilt bei einer Inzidenz von 100 bis 50, Stufe drei von 50 bis 35, Stufe zwei von 35 bis zehn und Stufe eins für alle Kreise unter zehn. Schon jetzt würde diese für eine immerhin größer werdende Minderheit der Stadt- und Landkreise gelten. In Kraft treten die neuen Regeln nach dem vorliegenden Zeitplan am 28. Juni.

Wie will die Landesregierung mit der Delta-Variante umgehen?

„Die entscheidende Frage ist, wie sich die Inzidenzen entwickeln“, erläuterte Kretschmann vor der Landespresse, „denn niedrige Zahlen sind niedrige Zahlen, ob die Variante ansteckender ist oder nicht.“ Nehme die Inzidenz wieder zu und ist „der Abstieg gebrochen“, sei es notwendig, sofort zu handeln: „Da werden wir nicht warten“, betonte Kretschmann, gerade weil die erstmals in Indien entdeckte Delta-Variante deutlich ansteckender sei als die anderen derzeit global aktiven. Der Anteil der Delta-Fälle an allen gemeldeten Fällen im Südwesten liegt gegenwärtig unter vier Prozent. Dazu kommt noch ein Anteil möglicher Delta-Fälle von 1,39 Prozent, bei denen die sogenannte Feintypisierung noch nicht vorliegt.

Was geschieht an Schulen?

Kretschmann sieht in der Maskenpflicht „eine wichtige Stellschraube, die im Kampf gegen die Pandemie sofort wieder angezogen wird, wenn die Infektionszahlen steigen“. Seit vergangenen Montag können Schüler vielerorts auf Masken verzichten. Wenn die Inzidenz in einer Region unter 35 liegt – was momentan überall im Land der Fall ist – und es zwei Wochen lang an der betreffenden Schule keinen Corona-Fall gab, besteht keine Maskenpflicht in Klassenräumen. Außerhalb der Unterrichtsräume, also zum Beispiel auf Fluren, müssen Schüler und Lehrer aber weiterhin Masken tragen. Die Bildungsgewerkschaft GEW und der Philologenverband nennen die Aufhebung der Maskenpflicht in der Klasse jedoch voreilig.

Gibt es Prognosen für den Herbst?

Er habe keine Glaskugel, antwortet der Sozialminister auf die Frage, ob die neue zugleich die ultimative Corona-Verordnung sei. „Wir müssen aber auch keine Warnung für die Zeit nach den Ferien ausstoßen“, so Kretschmann, „das macht überhaupt keinen Sinn.“ Lucha hofft auf die Effekte der engmaschigen Nachverfolgung. Seine Daten zum Thema Quarantäne unterstreichen die positive Entwicklung: In der Vergangenheit gab es Wochen mit rund 53.000 Menschen landesweit in Quarantäne, aktuell seien es lediglich 7.367. Ziel müsse weiterhin sein, „keine Infektionsketten aufkommen zu lassen“.

Ihr Autor

Brigitte J. Henkel-Waidhofer

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Erstellt:
22. Juni 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 46sec

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