Landesmuseum: Merchandising-Artikel zum Selbermachen

Karlsruhe (cl) – Das Badische Landesmuseum erweitert die digitalen Angebote und vergibt Lizenzen an Besucher, um T-Shirts mit Bildern von Exponaten zu bedrucken. 2023 startet die 80er-Jahre-Schau.

Merchandising-Artikel als neues Digitalisierungsprojekt: Fan-Bettwäsche zum Selbstbedrucken, etwa mit dem keltischen Heidelberger Kopf – bald erlaubt mit vielen Exponaten des Badischen Landesmuseums.  Foto: Uli Deck/dpa

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Merchandising-Artikel als neues Digitalisierungsprojekt: Fan-Bettwäsche zum Selbstbedrucken, etwa mit dem keltischen Heidelberger Kopf – bald erlaubt mit vielen Exponaten des Badischen Landesmuseums. Foto: Uli Deck/dpa

Das Badische Landesmuseum in Karlsruhe arbeitet momentan in mehrfacher Hinsicht daran, dass nach Corona die Besucher nicht nur digital, sondern auch persönlich wieder ins Museum kommen. Das Landesmuseum ist nicht nur ein Ort des Bewahrens, Erforschens und der Präsentation. Auch die Digitalisierung gehört dazu: Jetzt führt das Haus eine Lizenz zum Drucken ein. Knapp 10.000 Objekte aus der Sammlung sollen ab Sommer für Gestaltungsideen der Besucher in einem digitalen Katalog frei zur Verfügung stehen.

Mit der neuen Creative-Commons-Zero-Lizenz können sich die Besucher dann ein T-Shirt mit der Krone der badischen Markgrafen bedrucken lassen oder den keltischen Heidelberger Kopf für ihr ganz eigenes Bettwäschendesign auswählen. „Unsere Sammlungen gehören den Bürgerinnen und Bürgern. Demnach sollen sie auch Zugang zu ihrem kulturellen Erbe haben“, betont Museumsdirektor Eckart Köhne.

Deshalb sollen die Museumsstücke im „Creative Commons Zero“ (CC0)-Projekt nicht nur wie bisher im Museumsshop als Repliken, sondern auch als Merchandising-Objekte („kreatives Gemeingut“) erhältlich sein. Mediendateien wie 3D-Scans, Audiodateien, PDFs oder Videos zu den Objekten können dann per Download in jeglicher Hinsicht verwendet werden, versichert das Museum.

Festwoche: „300 Jahre Schloss Bruchsal“ im Mai

Seit 2021 gibt es die bundesweite Museums-App „Ping!“, hier könne man die Museumsobjekte ganz einfach daten, sprich auswählen und mit ihnen Kontakt aufnehmen. Auch mit den Kunstwerken der aktuellen „Jugendstil“-Ausstellung ließe sich jetzt chatten, wie das Landesmuseum mitteilt. Es gebe zudem Podcasts für Kinder wie „Ist ja ‚n Ding“ oder den „Museums-Talk online“. Und mit „Creative Museum“ plant das Landesmuseum noch eine ganz eigene Digitalplattform, auf der sich die Museumsbesucher online auch austauschen können, das partizipative Digitalisierungsprojekt wird vom Bund gefördert im Rahmen von „Neustart Kultur“.

Auch wenn im vergangenen Jahr das Herzstück des Karlsruher Schlosses – der neu eingerichtete Badische Thronsaal – mit 35 wertvollen Originalen noch eröffnet werden konnte: Die Lockdown-Phasen und Zugangsbeschränkungen haben wie bei den anderen Museen auch die Zahl der verkauften Tickets im Karlsruher Schloss erheblich verringert. Die Pandemie hat die Museumsarbeit verändert – digital sei der Kontakt intensiviert worden, aber analog brach er coronabedingt ein. Um knapp 70 Prozent ist der Verkauf der Eintrittskarten zurückgegangen. Von rund 260.000 Besuchern des Badischen Landesmuseums vor Corona im Jahr 2019 auf nur noch rund 93.300 im vergangenen Jahr.

Den persönlichen Kontakt zu den Besuchern will das Museum künftig durch eine neue „Sammlungssprechstunde“ intensivieren. Ähnlich wie bei der TV-Sendung „Bares für Rares“ können die Bürger dann ihre persönlichen Schätze vorbeibringen – und zumindest die Provenienz und den Wert schätzen lassen.

Das zweischneidige Stoßschwert (um 1495) in der Hand von Volontärin Julia Rössler wird für die Ausstellung „Museumshelden“ ab Juni aus dem Depot geholt.  Foto: Uli Deck/dpa

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Das zweischneidige Stoßschwert (um 1495) in der Hand von Volontärin Julia Rössler wird für die Ausstellung „Museumshelden“ ab Juni aus dem Depot geholt. Foto: Uli Deck/dpa

Aber das ist nur ein Vorhaben unter etlichen weiteren digitalen Ideen und analogen Ausstellungsprojekten für 2022 wie „Törööö!“ zur Festwoche 300 Jahre Schloss Bruchsal im Mai, oder der Münz-Schau zum „Rheingold“ – bis hin zur geplanten großen Präsentation über die „80er“ ab März 2023. Derzeit läuft die Landesausstellung „Göttinnen des Jugendstils“ im Karlsruher Schloss und wird im März durch ein ornamentales Werk der iranischen Künstlerin Parastou Forouhar in einer Studioausstellung ergänzt.

Das Musikautomatenmuseum im Schloss Bruchsal, eines von acht Außenstellen des Landesmuseums, beteiligt sich im Frühling an der Festwoche (22.-29. Mai) zum 300-jährigen Jubiläum des einstigen Fürstbischofssitzes. Im Juni startet die Volontärsausstellung „Museumshelden“ über den Weg der Objekte vom Depot bis zur fertigen Ausstellung. Immerhin schlummern rund 370.000 Sammlungsobjekte in den Depots der Landessammlung. Auch ein neues Objekt ist dazu im Wachsen: ein Fahrradhelm aus angelegten Pilzkulturen.

Das Rheingold ist nicht nur Kern von Richard Wagners berühmter Opern-Tetralogie – im Landesmuseum werden die Mythen und Legenden um das Gold des Rheines mit echten Goldmünzen aus der Badischen Münzprägung erzählt. In der Studioschau sind im September auch die Gerätschaften der einstigen Goldschürfer am Oberrhein zu sehen.

Das Landesmuseum im Schloss bereitet fürs Frühjahr 2023 die 80er-Jahre-Ausstellung „Zurück in die Zukunft“ vor – vom Zauberwürfel über Original-Cowboy-Stiefel bis zu schrillen Design-Objekten. Für diese wurde erstmals ein Gastkurator engagiert: der in Karlsruhe bekannte Schauspieler, Kabarettist, Stadionsprecher und Geschäftsführer der Karlsruhe Marketing und Event GmbH Martin Wacker.

Noch größer gefeiert werden soll im Jahr darauf, das Jubiläum „1.300 Jahre Kloster Reichenau“ unter der Regie des Badischen Landesmuseums. Kloster, Kirche und Dokumentenerbe der Bodensee-Insel sind gekrönt mit dem Unesco-Welterbestatus. Für die große Landesausstellung 2024 werden viele Leihgaben geholt.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

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Erstellt:
11. Februar 2022, 10:00 Uhr
Lesedauer:
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