Landesregierung setzt auf Homeoffice

Stuttgart (bjhw) – Noch in dieser Woche will die baden-württembergische Regierungskoalition auf einem Homeoffice-Gipfel zu neuen Vereinbarungen kommen, um Infektionen am Arbeitsplatz vorzubeugen.

Die Akzeptanz von Homeoffice-Angeboten wächst. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

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Die Akzeptanz von Homeoffice-Angeboten wächst. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Diesen Gipfel hatte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) angeregt. Die Landesverwaltung geht, zum Beispiel in Ministerien, selbst mit gutem Beispiel voran.

Vorbildlich ist die Bilanz in zahlreichen Rathäusern, insbesondere in der Landeshauptstadt Stuttgart: Dort wurde die Zahl der Tele-Arbeitsplätze binnen weniger Monate von 250 auf 4 200 gesteigert. Und eine Umfrage ergab eine hohe Zufriedenheit.

Ist die Sinnhaftigkeit von Homeoffice zur Pandemiebekämpfung belegt?
Diskutiert über die Verlagerung von Arbeit in die eigenen vier Wände wurde bereits im ersten Lockdown, als zahlreiche Verwaltungen für den Publikumsverkehr ganz oder teilgeschlossen waren – mit der Folge eingeschränkter Angebote für Bürgerinnen und Bürger, etwa am Passamt oder der Kfz-Zulassung. Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie, Eva Grill, lobt die Arbeit von daheim als „essenziellen Bestandteil kontaktvermindernder Maßnahmen“. Im Verdacht, Ansteckungen zu befördern, steht vielfach nicht die Situation am Schreibtisch selber, sondern sich kreuzende Wege zu Aktenschränken oder zur Teeküche. Vor allem kann die Situation im ÖPNV entspannt werden.

Wie geht die Landesregierung selber vor?
Im Sozialministerium zum Beispiel bestanden bereits vor der Pandemie und zur besseren Vereinbarung von Familie und Beruf derart umfassende Regelungen, dass sie von rund 30 Prozent der Beschäftigten regelmäßig genutzt wurden. Inzwischen ist einem Sprecher zufolge der weit überwiegende Teil im Homeoffice und dessen Akzeptanz in den vergangenen Monaten „kontinuierlich gestiegen“. Im Wissenschaftsministerium arbeitet sogar die Hausspitze daheim am Computer. Im Ministerium für ländlichen Raum werben die Abteilungsleiter permanent für den Dienst zuhause. Die Teilnahme sei „sehr rege“, sagt Sprecherin Isabel Kling.

Gibt es Ministerien, die ganz dicht sind?
Grundsätzlich können Beschäftigte, die wollen, an ihren Arbeitsplatz, zum Beispiel einmal in der Woche oder um an Präsenzsitzungen teilzunehmen. Im Finanzministerium sind 98 Prozent der Mitarbeiter so ausgestattet, dass sie von zu Hause arbeiten können, Pförtner oder Fahrer ausgenommen. Bis auf einen Notdienst faktisch zu ist das Umweltministerium, das sich ebenfalls eine Umstrukturierung aus Vor-Corona-Zeiten zunutze machen konnte. Die Beschäftigten sind mit Laptops ausgestattet und die Netzkapazitäten für Vorgänge aller Art ausreichend, darunter auch für Videokonferenzen.

Wie bewerten Beschäftigte die Situation?
An der Umfrage in der Landeshauptstadt haben sich immerhin knapp 5 700 Mitarbeiter beteiligt. Überraschend ist, dass es ähnlich wie im Umweltministerium kaum technische Probleme gibt. Nur zehn Prozent haben Schwierigkeiten gemeldet, die Stadt verstärkte daraufhin ihre Unterstützung. Immerhin jeder zweite gibt allerdings an, dass bestimmte Tätigkeiten nur eingeschränkt möglich sind, etwa weil Akten noch nicht digitalisiert wurden. 77 Prozent nennen als größten Nachteil das Fehlen persönlicher Kontakte. Zu ähnlichen Ergebnissen kommen auch mehrere Umfragen, durchgeführt von Gewerkschaften, die dazu belegen, dass Frauen härter als Männer von der Doppelbelastung im Homeoffice betroffen sind, weil sie weiterhin den Großteil der Familienarbeit übernehmen.

Ihr Autor

Brigitte J. Henkel-Waidhofer

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Erstellt:
19. Januar 2021, 09:48 Uhr
Lesedauer:
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