Landkreis Rastatt rüstet sich für zweite Corona-Welle

Rastatt (ema) – Bilanz und Ausblick: Im Kreistag berichtete die Verwaltung über die Bewältigung der Pandemie. Man rechnet mit einer zweiten Welle.

25. Mai 2020: die vorerst letzte Sitzung des Verwaltungsstabs im Kreistagssaal des Landratsamts.  Archivfoto: Frank Vetter

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25. Mai 2020: die vorerst letzte Sitzung des Verwaltungsstabs im Kreistagssaal des Landratsamts. Archivfoto: Frank Vetter

Im Landratsamt bereitet man sich auf eine zweite Corona-Welle vor. „Das ist nur eine Frage der Zeit“, sagte Sebastien Oser, Leiter des Amts für Baurecht, Naturschutz und öffentliche Ordnung, am Dienstag im Kreistag. Gemeinsam mit Sozialdezernent Stefan Biehl blickte der Chef des Ordnungsamts auf das Krisenmanagement der vergangenen Monate zurück, das „bislang erfolgreich“ verlaufen sei.
Oser zufolge hat die Kreisverwaltung ein Konzeptpapier erarbeitet, wie mit der Pandemie auf regionaler Ebene künftig umgegangen wird. Hintergrund ist die neue Maßgabe, dass jetzt auf Landkreis-Ebene Verschärfungen vorgenommen werden, wenn innerhalb einer Woche 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner auftreten. Im Gesundheitsamt stelle man sich auf eine zweite Welle ein. Dort hofft man nun auf die vom Bund versprochene Personalverstärkung und ist dabei, den Datenaustausch mit dem Landesgesundheitsamt voranzutreiben. Die Verwaltung hat außerdem vorsorglich 300.000 Mund-Nasen-Schutzmasken eingelagert.

Infektionszahlen auf Gemeinden zugeschnitten

Bestandteil des Konzeptpapiers sind Festlegungen, wie man ab welchen Warn- und Vorwarnstufen agiert. Ferner habe man Handlungsszenarien entworfen für kritische Bereiche wie Schulen, Pflegeheime und Gemeinschaftsunterkünfte.

Mit der Delegierung der Verantwortung auf den Landkreis ändert die Verwaltung auch ihre Haltung, was die Veröffentlichung der Infektionszahlen angeht. Bislang gab man lediglich Daten auf Landkreis-Ebene heraus. Jetzt bricht man die Zahl der Neuinfektionen auf die Ebene der Städte und Gemeinden herunter. Aktuell (Stand 21. Juli) sind 730 Covid-19-Fälle im Landkreis und in Baden-Baden registriert; 691 Menschen sind wieder genesen. 36 Menschen starben an der Infektion. Die Höchstzahl an Neuinfektionen weist Baden-Baden (190) auf, gefolgt von Rastatt (122), Bühl (108), Gaggenau (50) und Muggensturm (36). In Elchesheim-Illingen ist bislang kein einziger Fall aufgetreten; in Au am Rhein und Loffenau zählte man jeweils zwei Fälle.

Biehl und Oser umrissen vor den Kreisräten noch mal die wichtigsten Etappen im Kampf gegen die Pandemie – angefangen vom ersten dezernatsübergreifenden Austausch am 6. Februar und den ersten nachgewiesenen Fällen in Mittelbaden am 7. März. Die umstrittene Grenzschließung bezeichnete Oser als „richtig“, auch wenn der Schritt für erheblichen Unmut bei Berufspendlern und Unternehmern gesorgt habe. Mit Hilfe der Bundespolizei habe man zumindest mehreren hundert Berufstätigen aus den Bereichen Medizin und Pflege bei Wintersdorf den Grenzübertritt ermöglicht – ein Modell, das so in Baden-Württemberg einzigartig gewesen sei, sagte der Ordnungsamtsleiter.

Im Landratsamt selbst, das vom 16. März bis 15. Juni fast komplett geschlossen war, hätten in Spitzenzeiten 750 Mitarbeiter von zu Hause aus gearbeitet. Auf der Corona-Hotline gingen täglich rund 500 Anrufe ein; für die 92 Schulen habe man eine eigene Notfallnummer geschaltet. Das Gesundheitsamt, sonst mit 30 Mitarbeitern besetzt, wurde auf über 90 Mitarbeiter verstärkt, unter anderem mit reaktivierten Ärzten. Dort habe man in zwei Schichten an sieben Tagen die Woche gearbeitet, um das Konzept des Containments umzusetzen. Dahinter verbirgt sich das Ziel, Infektionsketten zu unterbrechen, indem Kontaktpersonen von bestätigten Covid-19-Fällen ermittelt und nachverfolgt werden. Mehr als 3.000 Kontaktpersonen habe man ermittelt. Die Strategie habe man durchhalten können, auch wenn man Mitte März kurz davor gestanden habe, das Konzept aufzugeben, wie Oser einräumte.

Für diverse Einrichtungen organisierte der Landkreis rund 900.000 Schutzmasken und 200.000 Handschuhe. Die beiden eingerichteten Isolierstationen musste der Landkreis nur für wenige Einzelfälle nutzen.

Eine Sonderbelastung kam auf die Verwaltung in der Erntezeit hinzu. Allein auf dem Baden-Airpark waren 14.000 Erntehelfer eingereist; noch mal 4.000 mussten mithilfe des DRK und des THW auf dem Transitweg kontrolliert werden.

Oser sagte, der im Landratsamt eingerichtete Verwaltungsstab mit streckenweise über 100 Personen habe sich im Ernstfall bewährt. Das Infektionsgeschehen sei rasch eingedämmt worden. Oser: „Das Landratsamt ist für die zweite Welle gerüstet.“


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