Landkreis Rastatt vor neuen Beschränkungen

Rastatt (fk) – Im Landkreis Rastatt werden voraussichtlich ab Dienstag wieder verschärfte Corona-Beschränkungen und Kontaktverbote gelten. Grund ist die zu hohe Sieben-Tage-Inzidenz.

Friseure und Gartencenter sowie Buchhandlungen dürfen im Landkreis Rastatt offenbleiben. Foto: Nina Ernst/BT

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Friseure und Gartencenter sowie Buchhandlungen dürfen im Landkreis Rastatt offenbleiben. Foto: Nina Ernst/BT

Irgendwie fühlt man sich bei der aktuellen Corona-Situation im Landkreis Rastatt an die Titanic erinnert, genau in jenem Moment, als der Ausguck den Eisberg sichtet. Er misst eine Höhe von 113,2; so hoch war die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis am Donnerstag. Die Kommandobrücke im Rastatter Landratsamt ist deshalb gezwungen, umzusteuern und die Maschinentelegrafen auf Rückwärtsfahrt zu stellen. Heißt konkret: erneute Verschärfung der Beschränkungen und Kontaktverbote. Und zwar ab Dienstag.
Das scheint Stand heute wohl unumgänglich. Schon den zweiten Tag in Folge ist der Landkreis über der als kritisch geltenden Inzidenzmarke von 100. Ist das drei Tage in Folge der Fall, muss laut geltender Corona-Verordnung die „Notbremse“ gezogen werden. „Das haben wir aller Voraussicht nach am Samstag erreicht – denn die aktuellen Inzidenzwerte sind aus unserer Sicht noch nicht die Spitze des Berges“, prognostiziert der zuständige Dezernent im Rastatter Landratsamt, Stefan Biehl, am Donnerstag gegenüber dem BT. Allerdings sieht die Corona-Verordnung vor, dass die Verschärfungen in einem solchen Fall erst am zweiten Werktag nach dem Erreichen dieser „Drei-Tage-in-Folge-Grenze“ gelten sollen – im Fall Landkreis Rastatt dann also am Dienstag.

Kontaktbeschränkungen verschärfen sich

Im Grunde sind die verschärften Maßnahmen, die die Corona-Verordnung vorschreibt, ein Rückschritt hinter die seit dieser Woche geltenden Lockerungen. Heißt konkret: Personen eines Haushaltes dürfen sich wieder nur noch mit einer weiteren Person treffen – „nicht mehr wie jetzt fünf Personen aus zwei Haushalten“, so Biehl. Die Geschäfte müssen wieder komplett schließen – Einkaufen mit Termin ist untersagt. Lediglich die Abholung bei Vorbestellung (Click & Collect) bleibt gestattet. Einrichtungen, die keine medizinisch notwendigen Leistungen vollbringen, etwa Massage und Tattoo-Studios, müssen laut Biehl ebenfalls schließen.

Friseure bleiben offen, keine nächtliche Ausgangssperre

„Das ist ein Automatismus, den die Verordnung vorschreibt, wir haben da keinen Spielraum“, unterstreicht Biehl. Allerdings: Friseure, Gartencenter und Büchereien dürfen weiterhin offenbleiben. Sie durften per Verordnung schon am 1. März öffnen – diese Lockerung sei unabhängig von den Inzidenzwerten, so das Landratsamt. Auch eine nächtliche Ausgangssperre ist Biehl zufolge zunächst nicht angedacht. Sie sei an ein „diffuses Infektionsgeschehen“ gekoppelt – das sei aber momentan im Landkreis rückläufig – die Nachverfolgung gelinge besser als noch vor Wochenfrist, sagt Biehl. Die Hoheit über die Entscheidung einer Ausgangssperre liegt ohnehin beim kreiseigenen Gesundheitsamt – „das ist kein Automatismus.“

Warum die Zahlen im Landkreis Rastatt im Landesvergleich – und besonders mit Blick auf die des Nachbarkreises Baden-Baden – so schlecht sind, sei indes schwer zu erklären. Fest steht: Im Landkreis Rastatt gibt es mehrere Ausbrüche in Kindergärten und Kitas, die zu einer größeren Zahl an Infizierten auf einen Schlag führen, was die Inzidenz nach oben treibt. Außerdem sind Biehl zufolge bei knapp 50 Prozent der Erkrankten Mutationsviren festgestellt worden, die deutlich ansteckender seien. Deshalb sei zeitnah auch keine Abschwächung der Neuinfektionen zu erwarten.

Keine Auswirkungen für Baden-Baden

Auf den Stadtkreis Baden-Baden (Sieben-Tage-Inzidenz von 39,9) hat die Lage im Kreis Rastatt keine unmittelbaren Auswirkungen. „Wir können und wollen nicht prophylaktisch die Geschäfte schließen“, so Oberbürgermeisterin Margret Mergen gegenüber dem BT. Auch ein massiv verstärkter Einkaufstourismus respektive ein Ansturm sei in Baden-Baden nicht zu bemerken. „Aber das haben wir natürlich ganz genau unter Beobachtung“. Im Falle eines Falles könnte beispielsweise in der Fußgängerzone als erste Schutzmaßnahme wieder eine Maskenpflicht verhängt werden.


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