Landkreis arbeitet an Masterplan Trinkwasserversorgung

Murgtal/Rastatt (stj) – Um die Herausforderungen des Klimawandels für eine sichere Wasserversorgung zu meistern, erarbeitet der Landkreis Rastatt in diesem Jahr einen entsprechenden Masterplan.

Besonders vulnerabel, also verwundbar und störanfällig: Quellwasser, wie hier aus dem Kaffeewasserbrunnen im Schwannweg in Scheuern. Foto: Stephan Juch

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Besonders vulnerabel, also verwundbar und störanfällig: Quellwasser, wie hier aus dem Kaffeewasserbrunnen im Schwannweg in Scheuern. Foto: Stephan Juch

Die Daten aus dem Landkreis Rastatt fließen in einen übergeordneten Plan, an dem das Umweltministerium und das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg aktuell feilen. Das bestätigt Pressesprecher Benjamin Wedewart: „Das Land (Ministerium Ländlicher Raum) arbeitet das regierungsbezirksweise ab. Wir sind dieses Jahr dabei – müssen dann auf Aufforderungen Datenarbeit vorab vorbereiten und mit einem, vom Land eingesetzten Ingenieurbüro, jeden Wasserversorger unter die Lupe nehmen.“

In Rücksprache mit der PFC-Geschäftsstelle im Landratsamt weist Wedewart darauf hin, dass es vielerorts dringend notwendig sei, Ersatzversorgungen aufzubauen, um die Versorgungssicherheit angesichts des zu erwartenden Klimawandels und den damit verbundenen Problemen eines geringeren Wasserdargebots weiter zu gewährleisten: „Besonders vulnerabel sind dabei die Quellfassungen im Schwarzwald.“

Rückgang der Quellschüttungen in Dürresommern

Das zeigt das Beispiel Weisenbach, wo die heißen Sommer 2018, 2019 und 2020 zu einem Rückgang der Quellschüttungen geführt haben. Dies veranlasste die Verwaltung, sich Gedanken über die Möglichkeit eines Anschlusses an eine Ersatzwasserversorgung zu machen. Eine solche könnte murgaufwärts in Richtung Forbach oder murgabwärts in Richtung Gernsbach erfolgen.

Die Papiermacherstadt bezieht ihr Wasser von den Stadtwerken Gaggenau (SWG), die wiederum von Brunnen in Muggensturm und Bietigheim versorgt werden – also aus der Rheinebene, wo die PFC-Problematik am stärksten ist. Das bereitet einigen Weisenbacher Bürgern Sorgen, die einen Anschluss an das durch eigene Quellen versorgte Forbach oder aber eine interne Weisenbacher Lösung favorisieren.

„Hitze und Trockenheit haben sehr deutlich vor Augen geführt, dass der Klimawandel auch unsere Wasserversorgung beeinträchtigen kann“, sagten die damals zuständigen Minister für Umwelt, Franz Untersteller (Grüne), und für Verbraucherschutz, Peter Hauk (CDU), bereits im März 2019, als der auf fünf Jahre angelegte Prozess hin zum „Masterplan Wasserversorgung“ angestoßen wurde.

Bei einigen Kommunen hätten sich 2018 auf dem Höhepunkt der Trockenperiode bereits Schwachstellen bei der Wasserversorgung gezeigt, erklärte Untersteller. Und viele private Eigenwasserversorger hätten wegen versiegender Quellen zeitweise auf eine Ersatzversorgung aus dem öffentlichen Trinkwassernetz umstellen müssen. „Wenn wir in Baden-Württemberg weiterhin so selbstverständlich Wasser flächendeckend bereitstellen und nutzen wollen, müssen wir den künftigen Bedarf und die Entwicklung der Wassermenge vor dem Hintergrund des Klimawandels abgleichen und Konsequenzen daraus ziehen – insbesondere mit Blick auf Erneuerung und Ausbau der Infrastruktur“, ergänzte der frühere Umweltminister.

Klimamodelle für Prognose bis 2050

Dafür würden unter anderem die mittleren und minimalen Grundwasserstände erhoben und mithilfe von Klimamodellen eine Prognose bis 2050 erstellt. Zudem würden die Bevölkerungsentwicklung und der zukünftige Trinkwasserbedarf abgeschätzt – um den Kommunen entsprechende Handlungen zu empfehlen.

Ganze 16 Empfehlungen gibt es bereits für die Gemeinde Weisenbach. Sie ist selbst aktiv geworden und hat das Büro RBS wave GmbH (Ettlingen) mit einem Strukturgutachten beauftragt, das unter anderem zu einer Ersatzwasserversorgung rät. Solche Ersatzwasserleitungen müssten aufgrund hygienischer Gründe regelmäßig gespült werden, erläutert das Landratsamt Rastatt auf BT-Anfrage: „Die Spülungen machen jedoch nur eine äußerst geringe Wassermenge aus, sodass sie keine Relevanz haben.“ Allerdings: „Das Spülwasser der Ersatzleitung des Verbandes würde in den Hochbehälter gelangen und damit ins Trinkwassernetz.“

Das Landratsamt Rastatt versichert jedoch, dass es nicht die Strategie der Trinkwasserversorgungsunternehmen sei, durch Ersatzwasserleitungen zu anderen Gemeinden die PFC-Konzentrationen zu reduzieren. Vielmehr arbeite man gemeinschaftlich daran, das Rohwasser in den Wasserwerken entsprechend aufzubereiten (mit Aktivkohle oder Membranfiltration), um die Werte in den jeweiligen Versorgungsgebieten einzuhalten.

PFC: Neue Werte werden schon jetzt eingehalten

Die Europäische Union (EU) hat vor einem Jahr (12. Januar 2021) eine neue PFC-Richtlinie verabschiedet, die spätestens zum 12. Januar 2023 in deutsches Recht umgesetzt werden muss. Diese sieht unter anderem einen neuen Schwellenwert für die wichtigsten per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) vor. „Die Trinkwasserwerte der EU werden, mit einer Ausnahme, bereits von allen Trinkwasserversorgern eingehalten“, erläutert das Landratsamt Rastatt dazu auf BT-Anfrage: „Im Laufe des Jahres wird die EU-Trinkwasserrichtlinie in die nationale Trinkwasserverordnung übernommen. Die nationalen Gremien (Trinkwasserkommission des Umweltbundesamts) können abweichend von der EU-Richtlinie auch schärfere Grenzwerte verabschieden. Nach unseren derzeitigen Kenntnissen könnte dies für einzelne Substanzen der Fall werden.“ Die Trinkwasserversorger im Landkreis seien über die aktuellen Entwicklungen informiert und haben entsprechende Maßnahmen bereits umgesetzt oder seien dabei, dies zu tun.

Strukturgutachten auch für Loffenau

Auch die Gemeinde Loffenau möchte 2022 ein Wasserstrukturgutachten in Auftrag geben. Das kündigt Bürgermeister Markus Burger an und ergänzt: „Weisenbach ist uns da etwas voraus.“ Deshalb plant der Schultes, entsprechende Haushaltsmittel in den Finanzplan für dieses Jahr einzustellen. Gerade im Hinblick auf die klimatischen Veränderungen sei dies sinnvoll, zumal es in Loffenau keine Redundanz gibt, also keine Ersatzwasserleitung. Das könnte bei einem etwaigen Ausfall der Hauptquelle zum Problem werden. Wie man einem solchen vorbeugen kann, das soll das Gutachten herausfiltern. Probleme habe es mit der Quellwasserversorgung in Loffenau bisher noch nicht gegeben, auch in den Dürresommern der zurückliegenden Jahre nicht. Das heiße aber nicht, dass das so bleiben muss, unterstreicht Burger die Notwendigkeit eines entsprechenden Gutachtens.


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