Landkreis Rastatt muss mehr Geld in Straßen stecken

Rastatt (dm) – Löchrige Straßen machen dem Landkreis mehr denn je zu schaffen. Es muss mehr investiert werden.

Löchrig: 110 Kilometer Kreisstraßen – fast die Hälfte des Netzes – sind sanierungsbedürftig (Symbolbild). Dis bisherigen Mittel reichen nicht aus, heißt es. Foto: Franziska Kraufmann/dpa

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Löchrig: 110 Kilometer Kreisstraßen – fast die Hälfte des Netzes – sind sanierungsbedürftig (Symbolbild). Dis bisherigen Mittel reichen nicht aus, heißt es. Foto: Franziska Kraufmann/dpa

Der Landkreis muss mehr Geld als zuletzt in seine Straßen stecken, um deren Substanz zu erhalten. Mit dieser Botschaft ging die Kreisverwaltung am Dienstag in den Ausschuss für Umwelt, Bau und Planung. Sie legte ein Paket vor, das in den kommenden fünf Jahren für rund zehn Millionen Euro Deckenerneuerungsmaßnahmen für 47 Abschnitte vorsieht, die in die Prioritätsstufe eins eingeordnet wurden.
Für alle sanierungsbedürftigen Straßen – insgesamt 107 Abschnitte, mit rund 110 Kilometern fast die Hälfte des gesamten Kreisstraßennetzes – ergebe sich ein Kostenvolumen von rund 32 Millionen Euro.

Bei gleichbleibenden Investitionen, so die Verwaltung, sei mit einer signifikanten Verschlechterung des Kreisstraßennetzes zu rechnen. „Die Mittel, die wir bisher zur Verfügung hatten“ – jährlich rund 750.000 Euro – „reichen auf Dauer einfach nicht aus“, wie Dezernent Mario Mohr betonte. In den vergangenen fünf Jahren hatte man zwar rund 9,3 Millionen in die Straßen gesteckt, einiges davon allerdings in Ausbaumaßnahmen. Erster Landesbeamter Dr. Jörg Peter, der in Vertretung des erkrankten Landrats die Sitzung leitete, sieht den Ball nun angesichts kommender Haushaltsberatungen im Feld des Kreistags. Der Ausschuss hatte entsprechend viel Gesprächs- und Diskussionsbedarf zum Thema. „Geschockt“ zeigte sich gar Manuel Hummel (Grüne), der stets darauf vertraut habe, dass man genug in die Straße einspeise, nun aber über Substanzverlust spreche.

Priorisierung ist Richtschnur

Während Andreas Merkel für die CDU erklärte, dass man das vorgelegte Konzept nachvollziehen könne, kam von Kuppenheims Bürgermeister Karsten Mußler (FW) viel Kritik. Er sah nicht genügend erläutert, warum in den zurückliegenden Jahren tatsächlich nur wenige der einst als Priorität 1a und 1b eingestuften Straßenabschnitte auch saniert wurden, dafür aber viele in 1c. Zwar ist die Priorisierung nur als „Richtschnur“ zu sehen, weil es auch „externe“ Gründe gibt, warum eine Maßnahme nicht umgesetzt werden kann (wenn sie etwa mit Bauplänen einer Kommune zusammenhängen) und weil andererseits Maßnahmen vorgezogen werden, wenn man sie mit anderen anstehenden Arbeiten verbinden und damit letztlich Geld einsparen kann. Gleichwohl forderte Mußler bessere Koordinierung, damit man sich nicht verzettele.

Dennoch beauftragte der Ausschuss ohne Gegenstimmen die Verwaltung damit, die Deckenmaßnahmen angelehnt an die vorgelegte neue Prioritätenliste auszuschreiben (vorbehaltlich der Bereitstellung entsprechender Haushaltsmittel) und die Vergabe herbeizuführen. Mußler, der sich enthielt, ging eine solche Freigabe zu weit. Künftig soll, damit kein Informationsstau über die Lage auf den Straßen entsteht, dem Ausschuss jährlich über den Stand der Deckensanierungen berichtet werden.

Zwischen April und Juni hatte die Verwaltung zuletzt das 225 Kilometer messende Kreisstraßennetz erfassen und anschließend analysieren lassen. Um dies frei von subjektiven Einflüssen zu tun, komme dabei stets ein einheitliches, objektives und standardisiertes messtechnisches Verfahren mit Lasertechnik und Kameras zum Einsatz. Messfahrzeuge erfassen dabei unter anderem Unebenheiten längs und quer, Spurrinnen und deren Tiefe, Risse, Flickstellen, Griffigkeit und Ausbrüche sowie die Längs- und Querneigung der einzelnen Abschnitte. Zusammen mit Kriterien wie Verkehrsstärke und Lage werden dann die am dringendsten zu sanierenden Abschnitte ermittelt. Das Gesamtergebnis 2020 habe sich im Vergleich zu 2015 verschlechtert.

Unter den 14 Straßenabschnitten, die aktuell in der Kategorie 1a eingestuft wurden, sind die Ortsausfahrt Hörden Richtung Ottenau (K3767), 660 Meter der Speyerer Straße Durmersheim (K3721) sowie die K3760 bei Iffezheim ab der L75 in Richtung Kreisgrenze zu Baden-Baden diejenigen mit der höchsten Verkehrsdichte. Deutlich längster Abschnitt mit Top-Priorität ist mit 1,6 Kilometern jener der K3737 zwischen Bietigheim und Elchesheim-Illingen.


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