Landkreis will Kindern besseren Schutz bieten

Rastatt (kos) – Im Landkreis Rastatt bleibt das Thema sexuelle Gewalt an Kindern weiter präsent: Der Jugendhilfeausschuss hat für eine höhere finanzielle Förderung des Kinderschutzkonzepts votiert.

Rund zwölf Prozent der Kinder in Deutschland werden Opfer sexueller Gewalt, wobei die Dunkelziffer deutlich höher liegen dürfte. Dieser Zahl will der Landkreis Rastatt nun gegensteuern. Foto: Uwe Zucchi/dpa

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Rund zwölf Prozent der Kinder in Deutschland werden Opfer sexueller Gewalt, wobei die Dunkelziffer deutlich höher liegen dürfte. Dieser Zahl will der Landkreis Rastatt nun gegensteuern. Foto: Uwe Zucchi/dpa

Das Thema sexuelle Gewalt gewinnt auch im Landkreis Rastatt zunehmend an Bedeutung. Um Kindern und Jugendlichen ein möglichst breites Angebot an Beratung und Prävention zu ermöglichen, hat der Jugendhilfeausschuss am Montag für eine deutlich höhere finanzielle Förderung des Kinderschutzkonzepts gestimmt.

„Es ist ein emotional und moralisch sehr aufwühlendes Thema“, betonte Johannes Baumann, Sachbereichsleiter der Psychologischen Beratungsstelle des Landratsamts Rastatt, vor den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses in der Sitzung am Montag. Der Anteil der Kinder, die in Deutschland Opfer von sexueller Gewalt werden, liege bei rund zwölf Prozent – die Dunkelziffer dürfte aber deutlich höher sein, erklärte Gerald Maisberger, Jugendamtsleiter im Landratsamt Rastatt. Die gravierenden Spätfolgen für Betroffene und die Gesellschaft dürften nicht unterschätzt werden, unterstrich Baumann.

Es fehlt vor allem an personellen Kapazitäten

Bereits seit Januar dieses Jahres wurde ein ausführliches Beratungs- und Präventionskonzept ausgearbeitet, in dem Entwicklungsbedarfe und Verbesserungsmöglichkeiten zu dem Thema im Landkreis untersucht werden. Nach aktuellem Stand fehlt laut Maisberger neben einer breiten Öffentlichkeitsarbeit auch ein genauer Überblick darüber, wie Präventionsangebote im Landkreis flächendeckend verbreitet sind.

Maisberger betonte, dass es für die praktische Umsetzung der Schutzangebote vor allem mehr personeller und finanzieller Ressourcen bedürfe. Es gebe zwar bereits zahlreiche Anlaufstellen, an die sich Familien und Jugendliche wenden könnten. Wegen des begrenzten Personals könnten die gestiegenen Fallzahlen aber kaum mehr aufgefangen werden, fügte der Jugendamtsleiter hinzu. „Das Haus ist noch ausbaufähig“, betonte er. Um gegenzusteuern, brauche es mindestens eine halbe Fachkraftstelle jeweils zur Beratung und zur Prävention, um die Aufgaben und die Weiterentwicklung des Schutzkonzepts gewährleisten zu können.

Angebote gebündelt koordinieren

Eine besondere Rolle soll dabei der Rastatter Fachberatungsstelle Feuervogel zukommen. Dort sollen künftig die fachlichen Kompetenzen wie auch die finanziellen Ressourcen, die vom Landkreis bereitgestellt werden, gebündelt werden, um präventive Angebote besser koordinieren zu können, so Maisberger. In einer Vereinbarung wird festgelegt, welche Ziele die Präventionsarbeit hat und wie die Schutzkonzepte entwickelt werden. Dies soll vom Landkreis gemeinsam mit der Fachberatungsstelle ausgearbeitet werden. Um diese Herausforderung zu stemmen, müsse aber die finanzielle Förderung des Vereins Feuervogel von derzeit 20.000 auf insgesamt 65.000 Euro jährlich erhöht werden.

Im Jugendhilfeausschuss herrschte fraktionsübergreifend Einigkeit über die Notwendigkeit, in den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt mehr Zeit und Geld zu investieren. Sitzungsleiter Andreas Merkel (CDU) betonte, „es ist wichtig, dass wir uns des Themas jetzt annehmen“. Auch Maisberger warb dafür, „den nächsten Schritt zum Thema Kinderschutz gemeinsam zu gehen“. Beate Benning-Gross (Grüne) unterstrich zudem wiederholt das Ziel, den Landkreis zu einem dauerhaft sicheren Ort für Kinder zu machen.

Die Ausschussmitglieder votierten einstimmig dafür, die auf drei Jahre befristete, finanzielle Förderung des Vereins Feuervogel auf jährlich 65.000 Euro zu erhöhen. Ein Zwischenbericht über die Entwicklung der Fallzahlen und der Konzeptentwicklungen ist für den Herbst 2023 geplant.

Ihr Autor

BT-Volontär Konstantin Stoll

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Erstellt:
24. November 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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