Landwirte aus der Region helfen Kollegen im Flutgebiet

Rheinmünster/Sinzheim (iru) – Stroh, Heu und Futtermittel als Soforthilfe: Landwirte aus Sinzheim und Rheinmünster machen sich mit Spenden auf zu Kollegen, die von der Flutkatasprophe betroffen sind.

Abfertigung auf dem Hof von Norbert und Daniel Boos in Halberstung: Die erste Ladung mit Quaderballen Stroh und Heu macht sich auf den Weg nach Euskirchen-Wisskirchen in Rheinland-Pfalz.  Foto: Ingbert Ruschmann

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Abfertigung auf dem Hof von Norbert und Daniel Boos in Halberstung: Die erste Ladung mit Quaderballen Stroh und Heu macht sich auf den Weg nach Euskirchen-Wisskirchen in Rheinland-Pfalz. Foto: Ingbert Ruschmann

„Für uns ist diese Aktion ein Akt der Solidarität mit den betroffenen Landwirten in den Flutgebieten“, betont Florian Huck aus Stollhofen. Der Inhaber eines landwirtschaftlichen Lohnunternehmers spendet und organisiert zusammen mit Kollegen aus Sinzheim und Söllingen mehrere Hilfslieferungen mit Stroh, Heu und Futtermittel für die von der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz betroffenen Betriebe.
Ziel des ersten von mehreren Transporten mit insgesamt 36 großen Quaderballen Heu und Stroh ist ein Reiterhof im 40 Kilometer nordwestlich von Bad Neuenahr-Ahrweiler gelegenen Euskirchen-Wisskirchen. In der dort eingerichteten Sammelstelle werden die angelieferten Produkte an die betroffenen Landwirte verteilt. „Wir haben aber noch mehr Stroh eingelagert, zudem haben mehrere Kollegen weitere Spenden zugesagt“, rechnet Huck bereits für das Wochenende mit einer weiteren Hilfslieferung in das Überschwemmungsgebiet. Besondere Dringlichkeit herrscht bei der Versorgung von Futtermitteln. Zerstörte Lagerbestände, komplett unter Wasser gesetzte Anwesen, massiv beschädigte Infrastrukturen und viele bei Privatpersonen in deren Gärten provisorisch untergebrachten Tiere hätten vielfach eine existenzbedrohende Not ausgelöst, berichtet Huck von Schilderungen aus den Krisengebieten.

Stolz auf gemeinsames Handeln

Der Aufruf des Vereins „Land schafft Verbindung“ (LSV), ein deutschlandweit agierender Zusammenschluss von Landwirten, waren für Daniel und Norbert Boos aus Sinzheim Anlass zum Start einer Spendenaktion zugunsten der Flutopfer. Der LSV organisiert überörtlich das Spendengeschehen und knüpft Verbindungen zu den Hilfeempfängern. Wegen der vor Ort begrenzten Lagerkapazitäten ist eine zeitliche Streckung der ebenfalls vom Verein koordinierten Lieferungen erforderlich. Dringend auf den Höfen gebraucht werden außer Futtermitteln insbesondere Gerätschaften wie Dieselaggregate, Schubkarren oder auch ganz einfache Schaufeln.

Neben Florian Huck, Manfred Schickinger aus Sinzheim und Franz Leonhard aus Söllingen haben inzwischen weitere Landwirte aus Mittelbaden Spendenbereitschaft signalisiert. Unterstützung kommt auch von Logistik-Unternehmen der Region. Ein auf dem Baden-Airpark ansässiges Landmaschinenunternehmen sowie befreundete Spediteure der heimischen Landwirte aus Heidelberg stellen beispielsweise ihre Lkw samt Fahrer kostenlos zur Verfügung. Zudem spendete ein Hersteller aus Rastatt Abdeckplanen für die Sicherung des transportierten Materials.

„Wir helfen hier trotz Erntezeit schnell und uneigennützig“

Für Florian Huck ist die Spendenbereitschaft unter den mittelbadischen Landwirten ein starkes Zeichen der Solidarität mit den Opfern der Flutkatastrophe und Ausdruck eines ausgeprägten Zusammengehörigkeitsgefühls. „Die meisten von uns gehen nicht nur einem Beruf nach, für sie ist es eine generationenübergreifende Berufung“, erklärt der Unternehmer. Jeder habe schon Schicksalsschläge wie Missernten, Dürren oder Unfälle erlebt, das schweiße zusammen, ergänzt er. Vor diesem Hintergrund entwickle sich unter den Kollegen eine unglaubliche Dynamik, die gerade jetzt, in einer Zeit, in der die Ernte auf Hochtouren laufe, in einer großen Spendenaktion münde. Ohne die unbürokratischen und schnellen Hilfslieferungen, da ist sich Florian Huck sicher, werden die von der Flut besonders betroffenen Betriebe wegen den erforderlichen Zukauf von Futtermittel nicht nur hohe finanzielle Verluste erleiden, sondern um ihre ganze Existenz fürchten. „Einige kleinere Betriebe mussten schon aufgeben“, beschreibt Huck die Situation vor Ort.

In seinen Worten schwingt ein wenig Stolz über das entschlossene Handeln seiner Kollegen von der Landwirtschaft mit. „Wir Bauern sind oft die Sündenböcke, wenn es um Klimawandel, Insektensterben oder Nitrate und Phosphate im Grundwasser geht“, macht der Lohnunternehmer seinem Unmut über die seiner Meinung nach ungerechtfertigte Pauschalkritik an Landwirten Luft. „Wir helfen hier trotz Erntezeit schnell und uneigennützig“, ergänzt er.

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Erstellt:
1. August 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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