Landwirte sehen ihre Existenz bedroht

Gaggenau (BT) – Die Betreiber des Bauernhofs in der Hubstraße in Bad Rotenfels warten sehnsüchtig auf eine Lösung für ihren geplanten Bau eines Mutterkuhstalls mit Heulagerhalle.

„Wenn wir nicht bald vorankommen, müssen wir über kurz oder lang unseren Betrieb schließen“: Diese Befürchtung geht um beim Ehepaar Merkel in Bad Rotenfels. Links im Bild ist ihr Verkaufslädele zu sehen, rechts die Fassade des Wohnhauses von Familie Merkel. Foto: BT-Murgtalredaktion

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„Wenn wir nicht bald vorankommen, müssen wir über kurz oder lang unseren Betrieb schließen“: Diese Befürchtung geht um beim Ehepaar Merkel in Bad Rotenfels. Links im Bild ist ihr Verkaufslädele zu sehen, rechts die Fassade des Wohnhauses von Familie Merkel. Foto: BT-Murgtalredaktion

„Alles, was wir uns wünschen, ist eine Lösung für den Mutterkuhstall mit Heulagerhalle, den wir bauen wollen. Wir brauchen jetzt dringend ein Entgegenkommen und einen Lösungsweg, der für die Stadtverwaltung und auch für uns vertretbar ist. Wenn wir da nicht bald vorankommen, müssen wir über kurz oder lang unseren Betrieb schließen.“ Diese eindringlichen Worte sagt Susanne Merkel, die zusammen mit ihrem Mann Thomas den Bauernhof in der Hubstraße in Bad Rotenfels führt.

Eigentlich wollten die Merkels im September dieses Jahr endlich ihren Neubau beziehen. Die Planungen für das Bauvorhaben laufen bereits seit 2019. „Erste Überlegungen für den Stall hatten wir schon vor neun Jahren“, blickt Thomas Merkel im BT-Gespräch zurück. „Wir hatten damals auch schon ein erstes Gespräch mit Oberbürgermeister Christof Florus darüber, welche Standortmöglichkeiten auf unserem eigenen Grund und Boden in Hofnähe möglich wären.“

Umfangreicher Auflagenkatalog

Im November 2019 stellten die Merkels dann eine erste Anfrage bei der Stadtverwaltung für den Neubau. Seither hat das Paar viele Hürden genommen und städtische Forderungen erfüllt. So gab es eine Betriebswirtschaftliche Analyse bei der Landsiedlung Baden-Württemberg in Auftrag. Das Unternehmen attestierte dem landwirtschaftlichen Betrieb eine bedenkenlose, solide Basis – und dies trotz der Gegebenheiten wie vorhandenen Steillagen, hohem Streuobstbestand und verhältnismäßig wenig Ackerland.

Auf Wunsch der Stadtverwaltung haben die Merkels für die geplante Standortfrage und Bauweise zeitgleich einen Stallberater vom Bioland-Beratungsdienst konsultiert, der unter anderem auch die Arbeitswirtschaft und Verfügbarkeit von Weideflächen berücksichtigte.

Mehrfach habe das Bauernpaar um einen Austausch mit der Stadtverwaltung gebeten. „Die Berücksichtigung der Interessen auf beiden Seiten war uns sehr wichtig. Doch zu einem Meinungsaustausch ist es leider nie gekommen“, beklagt Thomas Merkel. „Als dann die Pläne für das Neubaugebiet Schiffersgründel / Froschäcker immer mehr Gestalt annahmen und sich immer näher in Richtung unseres Hofs entwickelten, haben wir schließlich beim Bauamt einen Bauantrag für den Mutterkuhstall mit Heulagerhalle gestellt.“

Die Reaktion sei im Februar 2020 erfolgt, als die Stadt wegen des geplanten Neubaugebiets darum bat, dass sich die Merkels kooperativ zeigen sollten und einen alternativen Standort für den landwirtschaftlichen Neubau in Richtung Eichelbergstraße anregte. Der ursprüngliche Standort lag in Richtung Am Gommersbach, in Richtung des geplanten Neubaugebiets. Mit einer mündlichen Zusage durch Bürgermeister Michael Pfeiffer, dass sie ihr Bauprojekt auf jeden Fall an einem der beiden Standorte im August 2020 realisieren können, stimmten die Merkels dem Vorschlag eines möglichen Alternativstandorts zu.

Durch Verzögerung kaum noch finanzierbar

Für die Fläche des neuen Standorts wollte die Stadtverwaltung auch Gespräche mit den angrenzenden Grundstücksbesitzern führen, die jedoch erst im Juli 2020 stattfanden. Wieder folgte eine Beurteilung durch den Stallberater, neue Pläne und Gutachten wurden erstellt. Eine weitere Anfrage der Antragssteller führte nur zu einer weiteren zeitlichen Verzögerung.

Durch die mündliche Zusage durch den Bürgermeister, dass sie mit dem Neubau bald beginnen können, beantragten die Merkels die Finanzierung. Seit Oktober 2020 liegt nun die Baugenehmigung seitens der Stadt vor, jedoch mit einem umfangreichen Auflagenkatalog als Bedingung für die finale Baufreigabe.

„Die meisten Auflagen haben wir erfüllt, doch es sind auch Punkte dabei, die wir nicht abarbeiten können, weil wir die dafür notwendigen Daten von den betreffenden städtischen Abteilungen nicht erhalten. Auf Anfrage teilte man uns mit, dass die fordernde Abteilung diese Informationen selbst einsehen könnte“, sagt Susanne Merkel.

Dass die Preise für Baumaterial im vergangenen Jahr um etwa 30 Prozent, in diesem Jahr um 80 bis 100 Prozent gestiegen sind, macht die Gesamtsituation noch brisanter. „Durch die zeitliche Verzögerung um ein ganzes Jahr ist das Bauvorhaben für uns fast nicht mehr finanzierbar“, erklärt Susanne Merkel. „Der Stall könnte schon seit letztem Winter stehen. In anderen Kommunen wie zum Beispiel in Gernsbach geht man auf die Landwirte zu und unterstützt sie.“

Bauchschmerzen bereitet den Merkels auch das geplante Neubaugebiet Schiffersgründel / Froschäcker. „Wenn das Neubaugebiet kommt, ist der tägliche Ärger mit Anwohnern wegen Lärm- und Geruchsbelästigung vorprogrammiert, denn das Neubaugebiet soll in unmittelbarer Nähe zu den bestehenden Weideflächen entstehen“, sind sich Thomas und Susanne Merkel einig. Entsprechende Erfahrungen konnte die Bauernfamilie bereits beim Neubaugebiet in der Florenz-Maisch-Straße sammeln, wo sie einen Mutterkuhstall haben.

„Unsere Existenz als Landwirte wird täglich angegriffen. Jeder möchte eine Bilderbuchlandschaft als Ausgleich zur Stadt, doch diese wird nicht mit dem Pinsel gemalt. Jeder wünscht sich ländliche Idylle, aber was es bedeutet, Landschaft zu pflegen und offen zu halten, darüber sollte man mal nachdenken.“

Großer Beitrag zur Landschaftspflege

Susanne und Thomas Merkel sind mit ihrem landwirtschaftlichen Betrieb 2007 von ihrem früheren Standort mitten in Bad Rotenfels auf den Aussiedlerhof hinter der Festhalle umgezogen, mit dem Wunsch, sich mittelfristig zu vergrößern. Seit 2007 hat sich die Vermarktung an Fleisch, Wurst, Kartoffeln, Eiern und Brot verzehnfacht. Mittlerweile gehören Interessenten aus dem gesamten Murgtal sowie aus Bühl, Pforzheim, Karlsruhe und Rheinstetten zu ihrem Kundenstamm. Mit der Beweidung von 13 Hektar Fläche tragen sie ihren Beitrag zur Landschaftspflege bei. In Kooperation mit dem Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord unterstützen die Merkels Projekte für Kindergärten und Grundschulen. Aktuell sind sie auch in ein Pilotprojekt des Naturparks über Urgetreide wie Dinkel, Emmer, Einkorn und Lichtkornroggen involviert.


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