Lange Durststrecke für Flüsse und Bäche in Bühl

Bühl (efi) – Die Bühlot ist im Bereich Johannesplatzes in Bühl nur noch 18 Zentimeter hoch – der Mittelwert liegt normalerweise bei 51 Zentimetern.

Ziemliche Ebbe herrscht in der Bühlot in der Nähe des Johannesplatzes in Bühl. Fische sind bislang nicht zu Schaden gekommen.  Foto: Bernhard Margull

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Ziemliche Ebbe herrscht in der Bühlot in der Nähe des Johannesplatzes in Bühl. Fische sind bislang nicht zu Schaden gekommen. Foto: Bernhard Margull

Als Geschäftsführerin des Zweckverbands Hochwasserschutz Baden-Baden/Bühl hat Viviane Walzok die Pegelstände der Gewässer immer genau im Blick, wobei der Schwerpunkt sich augenblicklich auf das untere Level konzentriert. Wo im Februar anhaltende Regenfälle Alarmbereitschaft auslösten, herrscht seit Monaten tiefste Ebbe. In der Bühlot im Bereich des Hessenstegs in Altschweier werden aktuell 25 Zentimeter gemessen, am Johannesplatz in Bühl steht das Wasser wegen des dort breiteren Bachprofils gerade noch 18 Zentimeter hoch. Der Mittelwert, so die Verbandsgeschäftsführerin, liegt normalerweise bei 51 Zentimetern.

Nach Hitze und Niederschlagsdefizit in den Vorjahren ist das für Tiere und Pflanzen kritische Level in Gewässern auch in diesem Sommer wieder erreicht. Mit einem weiteren auf die Bühlot bezogenen Wert untermauert Walzok das Problem der anhaltenden Trockenheit: Als Mittelwert der niedrigsten jährlichen Wasserstände von 1981 bis 2010 wurde 30 Zentimeter errechnet. „Im Moment liegen wir deutlich darunter“, stellt sie fest. Im März schwankte der Pegel am Johannesplatz noch zwischen 57 und 60 Zentimetern, im Mai lag er bei 30. Die Kurve weist seitdem steil nach unten, nicht nur in Bühl.

Dramatische Folgen der langen Durststrecke wie kürzlich in Steinbach (wir berichteten) sind bislang in Bühl nicht aufgetreten, berichtet Walzok. Die Fische in der Bühlot, darunter Bachforellen, Döbel und Schmerle, nutzen die unterschiedlichen Wassertiefen und sammeln sich in den Vertiefungen. Während im ausgetrockneten Steinbach im Baden-Badener Rebland viele Tiere ihr Leben lassen mussten, sind dem Zweckverband bislang keine Meldungen über verendete Fische in Bühl bekannt geworden. Das Niedrigwasser bereitet dennoch Sorgen, umso mehr, als sich das Regendefizit im dritten Jahr in Folge bemerkbar macht. „Von April bis Juni sind lediglich 57 Prozent des üblichen Gebietsniederschlags gefallen“, verdeutlicht Walzok die Situation.

Aufmerksame Spaziergänger helfen bei der Beobachtung

40 Gewässer betreut der Zweckverband im Raum Bühl, Baden-Baden und Sinzheim; in der Zwetschgenstadt und Ortsteilen neben der Bühlot unter anderem den Dorfbach in Eisental, den Engertgraben, das Kleine Sulzbächle und den Sandbach. Nur noch wenig Wasser führt augenblicklich der Rittersbach, davon hat sich die Geschäftsführerin vor wenigen Tagen selbst überzeugt. Der Rungsbach in der Nähe des Bühler Krankenhauses sei gar gänzlich ausgetrocknet.

Oftmals melden sich aufmerksame Spaziergänger direkt beim Zweckverband und teilen ihre Beobachtungen über Auffälligkeiten in Bächen und Wassergräben mit. In die natürlichen Anlandungen mischen sich mitunter auch Laub, Gras, Äste sowie immer wieder auch Müll und wirken wie eine Barriere. Derzeit sind die Mitarbeiter des Zweckverbands verstärkt mit Mäharbeiten an den Gewässern beschäftigt und machen sich ein Bild über deren Zustand.

Direkte Maßnahmen gegen die anhaltende Flaute in den Fließgewässern leitet der Zweckverband nicht ein. Wasser zuzuführen „ist nicht machbar“ und auch nicht praktikabel, sagt Walzok. Vielmehr bauliche Lösungen, die den Hochwasserschutz optimieren und gleichzeitig die ökologische Durchgängigkeit verbessern, sollen helfen, der „Aqua-Fauna“ auch in längeren Trockenperioden das Überleben zu sichern. Verfolgt wird diese Strategie im Rahmen des Gewässerausbaus sowie bei Unterhaltungsmaßnahmen. Eine „Raue Rampe“ auf Höhe des Oberen Mühlenwegs in Altschweier etwa erleichtert Fischen und Kleinstlebewesen die Durchgängigkeit, erläutert Walzok. Beim Bühlot-Ausbau im Bereich des Altschweierer Dorfplatzes entsteht derzeit eine Sohlgleite mit integrierter Niedrigwasserrinne, die eine ausreichende Fließtiefe garantiert.

Längst gehört nicht allein der Hochwasserschutz zu den Aufgaben des 1983 gegründeten interkommunalen Zweckverbands, der Klimawandel und seine Folgen stehen seit Jahren schon auf der Agenda. „Wir stellen uns darauf ein und versuchen, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen“, formuliert Walzok.

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Erstellt:
27. August 2020, 23:00 Uhr
Lesedauer:
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