Lange Mängelliste: Tabakschopf in Sinzheim geschlossen

Sinzheim (nie) – Der Sinzheimer Tabakschopf ist aufgrund einer langen Mängelliste vorsorglich geschlossen worden. Gespräche mit der Denkmalschutzbehörde über künftige Möglichkeiten laufen.

Der Tabakschopf „Im Grün“ in der Litzlung steht unter Denkmalschutz, er gilt als „Zeuge der Zeit“ – nun hat der Zahn der Zeit an dem Gebäude genagt. Foto: Huck

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Der Tabakschopf „Im Grün“ in der Litzlung steht unter Denkmalschutz, er gilt als „Zeuge der Zeit“ – nun hat der Zahn der Zeit an dem Gebäude genagt. Foto: Huck

Riegel vor, kein Zutritt: Der Tabakschopf „Im Grün“ in Sinzheim ist vorsorglich geschlossen worden. Momentan können die Vereine, die dort Lagerräume benutzen, nur gemeinsam mit den Verantwortlichen der Gemeinde das Gebäude betreten. Gründe sind Sicherheitsbedenken.

In der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses waren die Ratsmitglieder darüber informiert worden.

Bei einer internen Begehung, bei der es um die Optimierung der Lagermöglichkeiten der dort vom Bauhof genutzten Fläche gehen sollte, sei schon den Verantwortlichen vom Bauamt einiges aufgefallen. Ein hinzugezogener Sicherheitsingenieur hat dann „das bestätigt, was wir befürchtet haben“, fasst Johannes Lorenz vom Sinzheimer Bauamt auf BT-Nachfrage zusammen: Eine lange Mängelliste war die Folge – und dann wiederum die Schließung des alten Gebäudes.

Kran entspricht nicht den Vorschriften

Wie aus dem Protokoll der Begehung herauszulesen ist, gilt der Tabakschopf als nicht mehr verkehrstüchtig. Das liegt unter anderem daran, dass die Lagerbühnen und Treppenaufgänge in den Obergeschossen nicht ausreichend gesichert sind, dass Gefahr besteht durch unkontrolliert bewegliche Teile an der Außenhaut und an den eingelagerten Objekten und dass die Krananlage nicht den Vorschriften entspricht – geschweige denn aktuell geprüft ist. Weiter heißt es, dass die Zufahrt unzureichend beleuchtet ist, die Belastbarkeit der Böden in den Obergeschossen nicht überprüft sowie kein Blitzschutz installiert ist. Zudem sind Fluchtwege teilweise zugestellt, und der unebene Boden erhöht die Sturzgefahr. Aufgrund dieser Mängel, habe sich die Verwaltung nicht nur für die vorsorgliche Schließung entschieden, auch der Kran ist laut Lorenz außer Betrieb genommen worden.

Wie geht es jetzt weiter? Zwischen 1935 und 1941 wurden in Sinzheim, Halberstung, Leiberstung und Schiftung Tabakschuppen errichtet; schon um die Jahrhundertwende wurde rund um Sinzheim auf den Feldern Hanf angebaut, später ging man zum Tabakanbau über. Nachdem der Schuppen in Leiberstung dem Baugebiet „Jägerstraße“ weichen musste, wurde das Gebäude im Hauptort als „Zeuge der Zeit“ unter Denkmalschutz gestellt und von der Gemeinde übernommen, erläutert Lorenz. Acht Vereine und die Gemeinde nutzen den Schuppen seither als Lagerfläche.

Fakt ist, dass der Schuppen geräumt werden muss

Jedoch würden nur zwei Vereine dort Dinge lagern, die sie auch immer mal wieder brauchen. Andere Räume seien seit Langem nicht geöffnet worden. Die Mitglieder des Technischen Ausschusses hätten die durchgängige Meinung vertreten, dass eine Komplettsanierung in der derzeitigen Lage keine Möglichkeit darstelle. Es sei auch die Anregung gekommen, den Schuppen abzureißen.

Lorenz erklärt das weitere Vorgehen: Die betroffenen Vereine seien angeschrieben worden, dass sie ihre Lager irgendwann räumen müssen. Das sei Fakt. Ein Zeitpunkt dafür hänge von den weiteren Gesprächen mit der Denkmalbehörde ab. Mit den Denkmalschützern müsse besprochen werden, was möglich sei – ob beispielsweise der Denkmalschutz aberkannt werden könne.

Lorenz vermutet aber, dass es zu keinem Abriss kommen wird, eher zu einer Nutzungsänderung, die Lagermöglichkeiten ausschließe. Die Vereine sollen nicht auf sich alleine gestellt sein, die Gemeinde unterstütze bei der Räumung.

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Erstellt:
14. Oktober 2020, 10:04 Uhr
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