Langes Warten auf Luftfilteranlagen in Schulen an Baden-Baden

Baden-Baden (BNN) – Die Luftfilteranlagen an den Baden-Badener Schulen sind noch nicht in Betrieb: Derzeit warten Fachfirmen auf Bauteile. Eine Mutter kritisiert unterdessen die Strategie der Stadt.

Schluss mit mobilen Filtern: Baden-Baden rüstet mehrere Schulen mit stationären Raumluftfilteranlagen auf. Sie sollen im Laufe des Jahres eingebaut werden. Foto: Sven Hoppe/dpa

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Schluss mit mobilen Filtern: Baden-Baden rüstet mehrere Schulen mit stationären Raumluftfilteranlagen auf. Sie sollen im Laufe des Jahres eingebaut werden. Foto: Sven Hoppe/dpa

Carolin Wetzel ist sauer. Die 39-jährige Mutter ärgert sich über die Baden-Badener Stadtverwaltung. Der Grund: Die versprochenen Raumluftfilteranlagen sind noch nicht in Betrieb. Deren Anschaffung beschloss der Gemeinderat schon im Juli 2021.

Wetzel hat einen siebenjährigen Sohn. Er besucht die Grundschule in Baden-Oos. Mehr als ein Jahr trägt er täglich im Unterricht eine Maske, um sich und seine Mitschüler vor dem Coronavirus zu schützen. Vor einiger Zeit beschafft Wetzel ihm eine Befreiung – aus gesundheitlichen Gründen. „Mein Sohn hat Bronchitis. Mit Maske bekommt er schlechter Luft“, sagt sie. Und es falle ihm schwer, sich im Unterricht zu motivieren. So ginge es auch anderen Kindern.

Anfang der Woche fällt in Baden-Württemberg dann die Maskenpflicht. Schülern ist es seither freigestellt, einen Mund-Nasenschutz zu tragen. Das Kultusministerium setzt auf Eigenverantwortlichkeit. Ohne Masken erhört sich jedoch das Risiko einer Ansteckung. Wetzel hofft deshalb auf die Raumluftfilter. „Die Stadt hat versprochen, dass Klassenzimmer Luftfilter bekommen“, sagt sie. Die stationären Luftfilteranlagen lassen jedoch auf sich warten. Momentan laufen an den städtischen Schulen nur mobile Geräte. Wetzel dauert die Aufrüstung zu lange. Sie wirft der Stadt vor, ihr Versprechen nicht eingehalten zu haben.

Aus ihrer Sicht hat die Stadt die Förderung des Bundes abgewartet. Dieser übernimmt 80 Prozent der Kosten für Anlagen, die in Klassenräume für Schüler bis zwölf Jahren kommen. Den Restbetrag zahlt die Stadt.

Aufrüstung zieht sich in den Spätherbst

Der Gemeinderat entschied sich im Sommer 2021, raumlufttechnische (RLT) Anlagen in einigen Schulräumen zu installieren. Diese Lüftungssysteme werden meist in Decken und Wänden eingebaut. Sie filtern virushaltige Aerosole wie das Coronavirus aus der Raumluft. Der zuständige Sozialbürgermeister Roland Kaiser (Grüne) stellte schon im September in Aussicht, dass mit dem Einbau der Anlagen vor Weihnachten begonnen werden könnte. Das klappte aber nicht. Stattdessen habe die Stadtverwaltung ihr mitgeteilt, dass Fachfirmen die Anlagen bis Ende des Jahres installieren werden, berichtet Wetzel. Das bestätigt auch Björn Käckell, stellvertretender Leiter des städtischen Gebäudemanagements. Bis zum Spätherbst soll die Aufrüstung beendet sein.

Käckell verteidigt die Strategie der Stadt: „Wir waren früh dran.“ Die Planung habe viel Zeit gekostet. Zum Beispiel prüften Elektriker, wie sie die Anlagen anschließen könnten. Hinzu kommt, dass einige Schulgebäude unter Denkmalschutz stehen. Für sie gelten andere Bauvorgaben.

Der Aufwand sei hoch gewesen. „Über 20 Schulen müssen mit vier bis zehn Raumfilteranlagen ausgestattet werden“, sagt Käckell. Bis zum Dezember vergab die Stadt Aufträge an vier Firmen. Diese bestellten Anfang des Jahres die Bauteile bei den Herstellern.

Hohe Nachfrage führt zu Lieferverzögerungen

Insgesamt sollen die Firmen 99 Anlagen in den Schulen einbauen. Sie arbeiten parallel. Die Raumluftanlagen kämen in Klassenzimmer, die Lehrkräfte schlecht lüften könnten. Sie sollen mobile Geräte ersetzen. „Die waren nur eine Übergangslösung“, sagt Käckell. Es gehe um eine dauerhafte Lösung.

In der Grundschule in Baden-Oos begann eine Firma Anfang der Woche mit dem Einbau der RLT-Anlagen. „Es werden zehn Klassenzimmer aufgerüstet“, sagt Hausmeister Patrick Lang. In diesen Räumen lernen Schüler der Klassenstufe eins bis vier.

Bis er die Filteranlagen anschalten kann, dauert es jedoch noch vier bis fünf Wochen. Denn: Es fehlen Luftgitter. Diese seien momentan schwer zu bekommen, sagt Lang. Die Nachfrage sei hoch, darum verzögere sich die Lieferung.

Die Grundschule ist die erste städtische Schule, die die Anlagen bekommt. Der Rest folgt im Laufe des Jahres. Im vergangenen Jahr beschaffte die Stadt bereits 84 mobile Filter für 72 Räume. In einigen Zimmern stehen mehrere Geräte. „Es wurden die Räume an Schulen mit mobilen Luftfiltern ausgestattet, die schwer lüftbar sind“, sagt Annemarie Harrer, Leiterin des Fachgebiets Schule und Sport. Das sind zum Beispiel Klassenzimmer ohne Fenster.

Die 18 Geräte in der Klosterschule Lichtental bleiben unter anderen erhalten. RLT-Anlagen könne man wegen des Denkmalschutzes dort nicht einbauen, sagt Harrer. Außerdem kaufte die Stadt CO2-Ampeln. Sie messen in 480 Schulräumen den Gehalt an Kohlenstoffdioxid. Wird der Grenzwert überschritten, erinnern sie ans Lüften.

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Ihr Autor

BNN-Volontärin Karoline Scharfe

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Erstellt:
7. April 2022, 06:50 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 14sec

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