„Lasst den Leuten ihre Holzheizung“

Gaggenau (tom) – Das Umweltbundesamt sieht Gesundheitsgefahren durch das Heizen mit Holz. Fachleute hingegen wenden sich gegen Pauschalurteile.

Auf alle Fälle mollig warm: Trockenes Holz aus dem heimischen Wald ist für viele Menschen ein beliebter und preiswerter Brennstoff. Foto: Thomas Senger

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Auf alle Fälle mollig warm: Trockenes Holz aus dem heimischen Wald ist für viele Menschen ein beliebter und preiswerter Brennstoff. Foto: Thomas Senger

Auf Holzheizungen künftig verzichten, fordert der Präsident des Umweltbundesamtes Dirk Messner. Denn Feinstaubbelastung gerade in Städten müsse weiter verringert werden. Eine weitere Senkung der Grenzwerte sei notwendig. Dies hätte auch Auswirkungen auf den ländlichen Raum Murgtal.

Markus Krebs ist Leiter des Forstbezirks Gaggenau. Dieser reicht von Muggensturm bis zur Talsperre. Seine persönliche Meinung zum Vorstoß des Umweltbundesamts: Die Behörde habe das Thema Feinstaub sicher zurecht auf dem Schirm. „Aber man muss die Kirche im Dorf lassen“, hebt Krebs zwei wesentliche positive Aspekte einer thermischen Verwertung von Holz hervor:

Klima: Holzheizung sei langfristig kohlendioxidneutral im Gegensatz zu Kohle, Öl oder Gas.

Regionale Herkunft: Holz sei ein einheimischer Energiestoff der kurzen Wege.

Holzverbrennung erzeuge zwar mehr Feinstaub als eine moderne Öl- oder Gasheizung. Aber gerade das Umweltzertifikat „Blauer Engel“ verweise auf die Effizienz moderner Holzheizungen und insbesondere von Pellets-Heizungen.

Krebs‘ Fazit: „Lasst den Leuten vor allem im ländlichen Raum ihre Holzheizung. Viel wichtiger ist, Holz gut getrocknet zu verbrennen, das ist der wichtigste Beitrag zur Schadstoffreduktion.“

Aktuelle Marktsituation: Im Winter 2021/22 registrierten die Revierleiter eine deutliche Zunahme der Nachfrage nach Brennholz. Dies liege vermutlich an steigenden Preisen für Öl und Gas. Auch Preise für Holz-Pellets stiegen deutlich. Bislang könne die örtliche Nachfrage (rund 950 Bürger im Jahr) befriedigt werden, „einzelne Forstreviere stoßen jedoch an die Kapazitätsgrenze. Künftige Mengenbegrenzungen pro Kunde sind denkbar“.

Wirtschaftliche Bedeutung: Rund 10.000 Fest/Kubikmeter Brennholz verkaufen die neun Reviere pro Jahr. Im Murgtal gibt es überwiegend kommunale Waldbesitzer; rund 15 Prozent des Einschlags ist Brennholz. Im vorderen Teil des Bezirks (viel Laubwald), sind es bis zu 35 Prozent, im Bergland weniger, weil Fichte und Tanne nicht so beliebt sind (geringerer Brennwert). Bei den Einnahmen für die Waldbesitzer macht Brennholz weniger als zehn Prozent aus. Krebs: „Da ist Stammholz viel wichtiger.“ Aus betriebswirtschaftlicher Sicht müsste der Forst den Brennholzverkauf einstellen, „weil er den Revierleitern viel Arbeit macht.“

Moderne Technik statt alter Öfen

Was wird nachgefragt: Fast alle Kunden wollen Buche, verweist Krebs auf deren Brennwert und Brenneigenschaften. Bei einheimischer Rotbuche fällt auch das meiste Brennholz an. Dieses wird meist als Polterholz gemacht, also „Brennholz lang“: Stämme und größere Kronenanteile, die für die Kunden an den Wegrand gelegt werden. Buchen-Polterholz kostet derzeit 57 Euro/Festmeter.

Es gebe aber immer noch Nachfrage nach Schlagraum: Also Kronenholz, das auf der Fläche selbst zersägt und zum Fahrweg gebracht werden muss. Es ist preiswerter, bedeutet aber mehr Arbeit.

Bäume selber fällen ist nicht im Angebot. Krebs: „Stehenden Schlagraum findet man eigentlich nicht mehr. Auch aus Gründen der Arbeitssicherheit, denn private Brennholzmacher sind zumeist keine professionellen Holzhauer.“

Sterholz – fertig gesägt, gespalten und bereits zum Trocknen aufgesetzt –, spiele für die Forstverwaltung keine Rolle mehr. Der Arbeitsaufwand sei einfach zu hoch.

Ein wichtiges Segment ist die Erzeugung von Hackschnitzeln für Heizkraftwerke. Dies machen Unternehmen zum Beispiel entlang von Überlandstraßen – wenn das Holz also schnell entfernt werden muss.

Schnelles Häckseln ist auch bei Sturm- und Dürreholz und entsprechender Borkenkäfervermehrung gefordert. „Werden die käferbefallenen Gipfel gleich gehäckselt, hilft das, Pflanzenschutzmittel zu vermeiden“, weiß der Förster.

Könnte der Forstbezirk nicht mehr Brennholz verkaufen? „Wir wollen keinen ,geputzten Wald‘“, sagt Krebs. Nennenswerte Anteile, also überwiegend Kronen und Reisig, sollten im Ökosystem bleiben, damit der Nährstoffkreislauf funktioniert. Deshalb ist es in den allermeisten Gemeindewäldern verboten, Holz mit weniger als sieben Zentimeter Durchmesser zu entnehmen.

Volker Jobst ist Pressesprecher des Landesinnungsverbands für das Schornsteinfegerhandwerk. Er gibt zu bedenken: Die Palette zwischen „Billigheimer-Baumarktöfen bis zu teuren Designeröfen“ müsse differenziert betrachtet werden: Technisch hochwertigere Feuerstätten sollten bei Verboten oder Feinstaubalarmen anders beurteilt werden als alte, minderwertigere Feuerstätten. Nötig sei „differenzierte und faktenbasierte“ Bewertung. Für den „Blauen Engel“ könne zum Beispiel eine Abbrandregelung vorgeschrieben werden. Diese reguliert die Luftzufuhr automatisch und hält so Emissionen geringer.

Das könnte das Aus für alte Öfen bedeuten. Aber, so gibt Jobst zu bedenken: „Die stehen natürlich auch da, wo Leute nicht nur aus Komfortgründen mit dem Gläschen Wein vor dem Luxusofen sitzen.“ Viele Betreiber versuchten, mit einem Kaminofen die immer weiter steigenden Kosten für Strom, Gas oder Öl in den Griff zu bekommen.

In Innenstädten werde eher weniger mit Holz geheizt als auf dem Land. Zum einen wegen geringerer Verfügbarkeit von bezahlbarem Holz, aber auch deshalb: „In den vierten Stock schleppt man nicht viermal am Tag Holz hoch.“ Dort werde eher mit Kohle- oder Holzbriketts geheizt.

Kaum Feinstaub im Murgtal

Die Landesanstalt für Umwelt hat 2019 den Einfluss von Holzfeuerung auf die Feinstaubbelastung der Luft in Schwarzwaldtälern gemessen: in den Gemeinden Forbach, Kleines Wiesental und Schuttertal. In Forbach wurde an 116 Tagen, im Kleinen Wiesental an 141 Tagen und in Schuttertal an 154 Tagen ein signifikanter Holzfeuerungsanteil festgestellt.

Gemessen wurden vom 1. Januar bis 31. Dezember Feinstaub (Partikel PM 10 und PM 2,5) sowie das krebserregende Benzo[a]pyrens. Wie in ganz Baden-Württemberg wurden in den drei Tälern die Jahresgrenzwerte eingehalten.

Der mittlere Feinstaubanteil durch Holzfeuerung lag in den drei Tälern damit zwischen 24 und 27 Prozent. Beim gemessenen Jahresmittelwert von PM 10 mit 11 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft und PM 2,5 mit 8 Mikrogramm pro Kubikmeter war Forbach weit unter dem Grenzwert von 40 beziehungsweise 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Auch der Grenzwert von Benzo[a]pyrens wurde an allen drei Standorten um mehr als die Hälfte unterschritten.

Im Rahmen eines anderen Forschungsvorhabens wurden hingegen in Stutensee-Büchig deutliche Belastungen gemessen. „Prinzipiell ist es wie Passivrauchen“, sagte Professor Achim Dittler Anfang Februar den BNN. Er leitet am Institut für Mechanische Verfahrenstechnik und Mechanik des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) die Arbeitsgruppe Gas-Partikel-Systeme.

Dittler warnt vor gesundheitsschädlichen Feinstaub-Partikeln, die zehnmal kleiner sind als der Durchmesser eines menschlichen Haares. Vor allem sogenannte „Komfort-Öfen“ würden neben Feinstaub weitere gesundheitsschädliche Schadstoffe ausstoßen. Die Feinstaubklasse PM 2,5 umfasst dabei Teilchen mit einer Größe bis zu 3,5 Mikrometern. „Diese Partikel sind lungengängig“, sagt Dittler.

„Komfort-Kamine“ belasteten die Atemluft im Stundenmittel bis zu dreimal höher mit Feinstaub als an einer verkehrsnahen Messstation – zum Beispiel dem Neckartor in Stuttgart – so am 22. Januar 2022.

Nur trockenes Holz darf in den Ofen

Fürs richtige Heizen mit Holz sind einige wenige Grundregeln zu beachten.

Nur naturbelassenes, gut getrocknetes Holz verwenden: Frisch gefällt hat Holz einen Wasseranteil von 50 bis 60 Prozent Wasser. „Deshalb frisches Brennholz geschützt und gut gelüftet für zwei bis drei Jahre aufsetzen“, rät Förster Markus Krebs. Dann liege der Feuchtigkeitsgehalt unter 20 Prozent (wie vom Gesetzgeber gefordert). Lagerort: möglichst windexponierte, überdachte Fläche mit trockenem Untergrund. Holz vor dem Lagern in ofenfertige Scheite spalten. Es trocknet so schneller.

Richtig Anzünden mit großflächigem Anfeuerholz (Spächtele), am besten gut entflammbares Nadelholz, Brennkammer nicht überfüllen.

Scheite möglichst als Kreuzstapel schichten. Kleine Mengen für den baldigen Verbrauch im Aufstellraum der Feuerstätte „vorwärmen“.

Richtige Dosierung der Verbrennungszuluft.

Regelmäßiges Warten und Reinigen des Ofens und der Kamins.

Quelle: www.kachelofenwelt.de

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
3. März 2022, 19:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 34sec

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