Lautenbach: Kelter ältestes Haus

Gernsbach (czo) – „Dann wäre die Kelter ja das älteste Haus in Lautenbach!“ Eine Untersuchung ergab: Teile des Gebäudes stammen aus dem 16. Jahrhundert.

Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Lautenbach mit Architekt Bernd Säuber. Foto: Cornelia Renger-Zorn

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Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Lautenbach mit Architekt Bernd Säuber. Foto: Cornelia Renger-Zorn

Mit großer Überraschung reagierten Karl-Heinz Geiges, Alex Schillinger, Hubert Jehnes und Armin Knörr vom Obst- und Gartenbauverein Lautenbach, nachdem Architekt Bernd Säubert aus Gernsbach sie am Samstag bei einem Ortstermin an der Kelter in Lautenbach über die neuesten Erkenntnisse informiert hattet.
Bislang ließ sich kein Gebäude im Ort vor das Jahr 1800 zurückdatieren. Nun wurde der aus einer Eichenstütze im Inneren des Gebäudes am 3. September von einem Mitarbeiter Säuberts entnommene Bohrkern in einem Labor untersucht.

Dies erfolgte nach der wissenschaftlichen Methode der Dendrochronologie (von griechisch dendros „Baum“ und chronos „Zeit“).

Die Jahresringe eines Baumes sind unterschiedlich breit und spiegeln die Witterungs- und Standortverhältnisse in den einzelnen Jahren wider. Bekannte Ereignisse wie Naturkatastrophen oder Dürreperioden in einer bestimmten Region lassen sich allen dort befindlichen Bäumen zeitlich zuordnen, wodurch eine jahrgenaue Datierung von Holz sogar bis in die letzte Eiszeit vor rund 14.000 Jahren möglich wird.

Probe aus Eichenstamm

Anhand der Probe aus der Lautenbacher Kelter konnte bestimmt werden, dass die Eiche, aus der die Stütze gefertigt wurde, zwischen 1534 und 1545 gefällt wurde. Das Holz wurde dann spätestens 1546 verbaut.

Offensichtlich weisen auch noch andere Bauteile aus Eichenholz im Inneren der Kelter ein ähnlich hohes Alter auf. So zum Beispiel einige Deckenbalken und die Hölzer eines Wandrests, der das Gebäude einmal nach der Seite zum Berg hin abschloss.

Aus diesen Überbleibseln kann trotz der zahlreichen späteren Umbauten ein Stück weit auf das Aussehen des ursprünglichen Bauwerks geschlossen werden. Es dürfte ein rechteckiger Sechs-Stützen-Bau gewesen sein und hauptsächlich landwirtschaftlichen Zwecken gedient haben.

Die Bautätigkeit fügt sich gut in die historische Entwicklung ein. 1505 war die seit 1387 geltende strikte Aufteilung der Grafschaft Eberstein zwischen den Markgrafen von Baden und den Grafen von Eberstein im sogenannten Einwurfvertrag aufgehoben worden. Der „eiserne Vorhang“ zwischen badischen und ebersteinischen Einwohnern war gefallen.

Alle waren nun einheitlich badisch-ebersteinische Untertanen, denen Geschäfte, Handel und Heiraten untereinander wieder ohne Einschränkungen erlaubt war. Diese Änderung dürfte sich auch für Lautenbach wirtschaftlich positiv ausgewirkt haben.

Neu markierte Grenze im „Breitbusch“

Laut dem Historiker Rainer Hennl lebten 1497 hier etwa 80 Menschen. 1579 umfasste der Ort 26 Hofstätten mit rund 120 Einwohnern, die sowohl von Ackerbau also auch von Weide- und Waldwirtschaft lebten. Im Jahr 1578 wurden zum Beispiel 102 Schweine gehalten.

1545 wurde die Grenze zwischen der Gernsbacher und der Lautenbacher Gemarkung im „Breitbusch“ neu mit Steinen markiert. Das deutet auf ein verstärktes Interesse der Lautenbacher an der Nutzung ihrer Gemarkung hin, beispielsweise zur Holzgewinnung oder zur Eichelmast.

Der ursprüngliche Zweck der Kelter lässt sich nicht mehr ermitteln. Die Gemeinde könnte Getreide und andere Früchte dort gelagert haben, zum Beispiel Zehntabgaben an das Domstift Speyer und die Pfarrei Rotenfels.

Die Nähe zum Dorfbach könnte auch auf den Betrieb einer Mühle hindeuten. 1579 existierten am Ort drei Stampfmühlen. Spätestens seit dem letzten Viertel des 16. Jahrhunderts wurde auch Wein angebaut. Eine Nutzung des Gebäudes schon 1546 als Weinkelter ist also vorstellbar.

Auf die von Bernd Säubert enthüllte sensationelle Neuigkeit musste natürlich angestoßen werden. Dazu gab es für die Teilnehmer des denkwürdigen Ortstermins eine Köstlichkeit, nämlich den auch bei Kennern hochgeschätzten Lautenbacher Cidre. Im Anschluss schritt der Obst- und Gartenbauverein dann zum „Abkeltern“, also der Beendigung der erfolgreichen Keltersaison 2021.

Die Eichenstütze ist fast 500 Jahre alt. Dies hat die Analyse einer Probe ergeben. Foto Cornelia Renger-Zorn

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Die Eichenstütze ist fast 500 Jahre alt. Dies hat die Analyse einer Probe ergeben. Foto Cornelia Renger-Zorn

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Cornelia Renger-Zorn

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Erstellt:
14. November 2021, 17:08 Uhr
Lesedauer:
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