Lautenbach verliert auch letzte Gaststätte

Gernsbach (vgk) – Mit Steimers Saunahaus schließt auch die letzte dauerhafte Einkehrmöglichkeit im kleinsten Gernsbacher Stadtteil Lautenbach.

„Nach dem Tod meines Mannes Joachim Steimer an Ostern sehe ich für mich keine Möglichkeit, das Lokal weiter zu führen“, erklärt Witwe Ulrike Steimer die Schließung. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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„Nach dem Tod meines Mannes Joachim Steimer an Ostern sehe ich für mich keine Möglichkeit, das Lokal weiter zu führen“, erklärt Witwe Ulrike Steimer die Schließung. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Die Lichter in der „Guten Stube & Steimers Saunahaus“ in der Steintalstraße in Lautenbach werden für immer ausbleiben. „Nach dem Tod meines Mannes Joachim Steimer an Ostern sehe ich für mich keine Möglichkeit, das Lokal weiter zu führen“, sagt Witwe Ulrike Steimer traurig. Ausgehwillige haben nun im kleinsten Gernsbacher Stadtteil keine Chance mehr auf ein gutes Essen in geselliger Runde.

Als einziger Treffpunkt bleibt zumindest über die Sommermonate hinweg der Schwellwoog-Treff im Lautenbacher Schwimmbad übrig. Dies ist aktuell noch wegen Umbauarbeiten geschlossen. Die gemeinsame Zeit begann für das Ehepaar in einer Sauna in Bad Herrenalb. Nach der Heirat 1986 wurde Lautenbach für die aus dem hessischen Limburg stammende Ulrike Steimer endgültig zur Heimat. Noch im gleichen Jahr begannen die begeisterten Saunierer mit dem Bau eines Blockhauses, um darin eine rein mit Holz beheizte finnische Sauna zu installieren. Ein Saunatyp, der dieses Prinzip aufgreift, war damals in der Gegend schon etwas Besonderes, erinnert sich die Witwe. Der Erfolg ließ auch nicht lange auf sich warten.

Um das dafür benötigte Holz aus dem Lautenbacher Wald kümmerte sich der Saunabesitzer gemeinsam mit seinem Vater höchst persönlich. Jährlich waren an die 50 Festmeter Holz nötig, um die Sauna täglich auf Betriebstemperatur zu bringen. Zudem trug Letzterer dafür Sorge, dass zwei Stunden vor dem ersten Saunagang der Ofen angefeuert wurde.

Hüttencharme weckt Urlaubsgefühle

Joachim Steimer – oder Jogi, genauso wie Fußballbundestrainer Joachim Löw gerufen – wurde auch als Wirt im weißen Bademantel bekannt, blickt Ulrike Steimer zurück. Denn zuweilen kam es vor, dass der mit 65 Jahren Verstorbene nach einem persönlichen Saunagang und wenn es der Gast wünschte, das Bier im Bademantel-Outfit servierte.

Nach der Geburt der Töchter Yvonne und Martina begann das Ehepaar Erweiterungspläne für das Wohnhaus und den Saunabereich zu schmieden. Die Bar im Untergeschoss, in dem Saunagäste gerne nach dem Besuch der Sauna verweilten, erwies sich seit Langem schon als zu klein. Platz fand der heimelige Holzanbau auf den Garagen. 1998 konnte die Einweihung der gemütlichen holzvertäfelten Vesperstube – offen für alle Gäste – gefeiert werden. „Die Gute Stube war immer meine Sache“, erzählt die Hauswirtschaftsmeisterin im BT-Gespräch: „Mein Mann hatte seinen Beruf als Versuchsfahrer bei Daimler in Gaggenau.“

Der Hüttencharme, der Urlaubsgefühle aufkommen lässt, begeisterte von Anfang die nicht nur aus dem Murgtal kommenden Gäste und Stammgäste. „Viele davon sind zu Freunden geworden. Wir haben viel in den vergangenen 35 Jahren gemacht“, sagt die 57-Jährige. Ebenso führt sie aus, dass man gerne noch so vier bis fünf Jahre weiter gemacht hätte, „doch der Tod meines Mannes lässt mich die Schließung jetzt vorziehen“, so Steimer. Sie erinnert auch daran, dass die noch ausstehenden Gutscheine und Zehner-Karten noch bis zum 30. Juni von ihr in bar ausgezahlt werden.

Nicht von der Geschäftsaufgabe betroffen sind die Ferienapartments, um die sich Tochter Yvonne kümmert.

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Erstellt:
17. Juni 2021, 13:37 Uhr
Lesedauer:
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