„Lauter Affen“: Erst Beifall, dann Geldstrafe

Gernsbach (ham) – Den Kommentar „Lauter Affen“ will der Angeklagte eher beifällig beim Weglaufen und aus Gewohnheit, weil im Bekanntenkreis „üblich“, gemacht haben – die Polizisten nahmen die Beleidigung jedoch persönlich und stellten fünf Strafanzeigen.

Arne Dedert

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Der Applaus einer jungen Clique für die Äußerung und deren Versuch, aus Reifen eines Polizeiautos Luft abzulassen, sorgte sicher auch dafür, dass eher Dampf in die Geschichte kam. Immerhin zeigte sich der Beschuldigte am Dienstag am Amtsgericht auch reumütig.

So reduzierte Richter Ekkhart Koch die bisherige Strafe. Statt der 40 Tagessätze zu 60 Euro, auf die die Staatsanwältin weiter pochte, muss der 52-Jährige „nur“ noch 30 Tagessätze zu je 45 Euro berappen. Sein Anwalt Mathias Albrecht hielt 600 Euro für einen ausreichenden Obolus für die Beamtenbeleidigung. Weil der Arbeitnehmer seit acht Wochen Kurzarbeitergeld bezieht, erlaubt Koch die Bezahlung in zehn Raten zu 135 Euro.

Clique kreuzt unerwartet auf

Dass der 19. Januar so teuer würde, hatte der Angeklagte am Abend zuvor sicher nicht erwartet. An dem Samstag wollte der Murgtäler mit seiner Gattin ihren „Kennenlerntag“ romantisch und gemütlich mit Grillen zu zweit feiern. Dass sich später Nachbarn dazugesellten, war auch noch kein Problem. Als sich jedoch die Tochter seiner Gefährtin meldete und ankündigte, dass sie mit ihrer Clique zwei Platzverweise in Gernsbach erhalten hatte und nun nach Hause komme, begann das Unheil – sie hatte ihre „zehn- bis 15-köpfige“ Truppe im Schlepptau, obwohl das Ehepaar nach Mitternacht „müde war“.

Als die Polizei aufkreuzte, mutmaßte der Angeklagte eine Verfolgung der Clique. Doch ein Anwohner hatte die Ordnungshüter wegen der lauten Schlagermusik angerufen. Alkoholisiert wollte der Angeklagte nach Ansicht von Koch offensichtlich nicht als „Schlappschwanz“ dastehen und den beschützenden „Herdenführer“ mimen. So gebot er den angeblich aggressiv auftretenden Beamten Einhalt, sie sollten den „Fuß“ von seinem Grundstück nehmen und ihre „Dienstmützen“ aufsetzen. Die Polizisten traten zurück, wünschten jedoch auch die Personalien des Party-Gastgebers.

Beim Weggehen und der Suche nach dem Personalausweis fiel dann der Spruch von „Ihr Affen“ oder „Lauter Affen“, der auf Gejohle in der Clique stieß. Deswegen schien der Staatsanwältin die Aussage kaum glaubhaft, dass der 52-Jährige die Clique mit „Ihr Affen“ meinte und bezog die Beleidigung auf die Beamten. Damit sei der Mann seiner Vorbildfunktion gegenüber den üblicherweise „renitenten jungen Leuten“ nicht nachgekommen.

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Erstellt:
13. Mai 2020, 11:50 Uhr
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