Lebenshilfe: Einblicke auf Instagram und Facebook

Gaggenau (BNN) – Die Lebenshilfe Rastatt/Murgtal gibt noch bis Freitag auf Instagram und Facebook einen Einblick in die Murgtal-Werkstätten und ihre Wohngemeinschaften.

Gespannter Blick auf Handy: Lena Necker (links) und Lara Hürst (zweite von rechts) zeigen Christina, Larissa und Kiara die ersten Posts über die BAP-Gruppe auf Instagram. Foto: Swantje Huse

Gespannter Blick auf Handy: Lena Necker (links) und Lara Hürst (zweite von rechts) zeigen Christina, Larissa und Kiara die ersten Posts über die BAP-Gruppe auf Instagram. Foto: Swantje Huse

Kiara und Christina freuen sich. Sie schauen gespannt auf die Handys, die ihnen Lena Necker und Lara Hürst hinhalten. Darauf sind sie in einer Instagram-Story zu sehen. Was für viele junge Erwachsene zum Alltag gehört, ist für die beiden Frauen Anfang 20 etwas Besonderes – denn Kiara und Christina arbeiten in den Murgtalwerkstätten in Gaggenau. Doch so, wie die beiden nicht so viel von der großen weiten Welt des Internets kennen, so kennt die große weite Welt nur wenig vom Alltag von Kiara, Christina und ihren Kollegen der BAP-Gruppe. Und genau daran wollen Lena Necker und Lara Hürst etwas ändern.

„Wir präsentieren einfach mal, was wir so machen“

Necker ist Heilerziehungspflegerin in Ausbildung und arbeitet seit einem Jahr in der BAP-Gruppe. Ihre Erfahrung: „Während die meisten eine Vorstellung davon haben, was in den Werkstätten passiert, hat niemand eine Ahnung gehabt, was die BAP-Gruppe ist.“ Einen ähnlichen Eindruck hat auch Lara Hürst gemacht, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Gruppe verbracht hat. Also überlegten sich die beiden jungen Frauen: „Wir präsentieren einfach mal, was wir so machen.“

Auszubildende Lena Necker mit BAP-Gruppenmitglied Christina. Foto: Swantje Huse

Auszubildende Lena Necker mit BAP-Gruppenmitglied Christina. Foto: Swantje Huse

Vor allem junge Leute, die potenzielle FSJler oder Auszubildende werden könnten, haben Necker und Hürst dabei im Visier. Ihnen wollen sie über die Plattformen Facebook und Instagram einen Einblick in die BAP-Gruppe und ihren Alltag geben. Am vergangenen Donnerstag ging es mit der zentralen Frage los. „Was ist eigentlich BAP?“, fragten die beiden in die Runde. Erst mit einer offenen Antwortmöglichkeit, dann mit den Antwortmöglichkeiten „basteln - arbeiten - plaudern“, „bilden - arbeiten - pflegen“ oder „Begleitetes Arbeiten Plus“. Letzteres stimmt, und tatsächlich gaben die meisten Nutzer sogar die richtige Antwort. Knapp 100 Leute haben zum Auftakt mitgemacht – eine Resonanz, die die beiden Projektleiterinnen hochzufrieden macht. „Selbst wenn es am Ende nur diese 100 Klicks wären, sind dann schon mal 100 Menschen schlauer“, sagt Lara Hürst.

Eigentlich hoffen Hürst und Necker aber auf viele Klicks im Laufe der Woche – so lange läuft das Social Media Projekt noch. Bis zu vier sogenannte Stories laden die beiden täglich hoch und zeigen in betexteten Bildern oder Videos, wie der Alltag der Gruppe aussieht. Der ist nämlich durchaus vielfältig: Gemeinsames Kochen oder Backen steht genauso auf dem Programm wie Sortierarbeiten in der Werkstatt oder Malen und Kerzengießen in der Kreativwerkstatt. „Wir arbeiten in unserer Geschwindigkeit und mit so viel Begleitung, wie nötig“, heißt es in einem der Posts. Wie genau das aussieht, verrät die BAP-Gruppe im Lauf der Woche.

Auch der Datenschutz spielt eine Rolle

Damit es aber überhaupt so weit kommen konnte, war einiges an Vorarbeit nötig. Denn mal eben schnell Losfilmen und Posten – so einfach war das Projekt dann doch nicht. Einerseits Dinge wie Block-Unterricht von Azubi Necker, andererseits Urlaubszeit bei den BAP-Gruppenmitgliedern. Aber dann auch Organisatorisches und Rechtliches. „Wir mussten ja erst mal abklären, ob das gewünscht ist und wer alles mitmachen darf“, so Lara Hürst. Gerade in diesem sensiblen Bereich spiele zudem der Datenschutz eine große Rolle.

„Einen dicken Stapel Zettel“, hat BAP-Teamleiterin Beate Friedrich auf den Schreibtisch gelegt bekommen, als die beiden Frauen ihr Konzept präsentiert haben. Und sie sei begeistert gewesen, erinnert sie sich. „Das ist genau das, was wir wollen. Dass jemand FSJ macht und sich danach auch noch einbringt“, freut sie sich über Lara Hürsts Anteil, die inzwischen an der Steinbeis-Hochschule ein Social Management-Studium absolviert. Und auch Michaela Bartenschlager und Matthias Heck, beide BAP-Gruppenleiter, sind Fans des Projekts. „Die beiden sind sehr feinfühlig und wissen, wann was mit unseren Mitarbeitern möglich ist“, sagt Bartenschlager. Und Heck meint: „Das ist eine gute Art, Einblicke zu geben.“

Das findet auch Christina. „Nur wir kennen, was hier gemacht wird“, sagt die auf den Rollstuhl angewiesene junge Frau. Sie habe daher gerne mitgemacht und gezeigt, was die BAP-Gruppe ausmacht. Kiara hatte vor allem Spaß am Malen mit Fingerfarben. Ein kunterbuntes Riesenbild sei entstanden, spoilert Hürst eine der nächsten Stories. Und mit Lachfältchen in den Augenwinkeln sag Christina: „Es war alles schön.“

Einblicke in den Alltag der BAP-Gruppe gibt es auf Facebook unter www.facebook.com/pg/lebenshilferastatt und auf Instagram unter www.instagram.com/lebenshilferastatt jeweils bei den Stories.

Einblicke in die Welt der BAP-Gruppe mal eben schnell auf dem Handy. Foto: Swantje Huse

Einblicke in die Welt der BAP-Gruppe mal eben schnell auf dem Handy. Foto: Swantje Huse

Zum Thema

Die Lebenshilfe Rastatt/Murgtal betreut Menschen mit Behinderung. Für sie standen klassisch zwei Bereiche zur Verfügung: die Förderung mit großem Assistenzbedarf und die Murgtalwerkstätten für jene Menschen mit Behinderung, die arbeiten können. Immer wieder gab es aber auch Menschen, die zu fit waren, um nur gefördert zu werden, aber zu viel Unterstützung brauchten, um in den Werkstätten zu arbeiten. Für sie wurde 2014 BAP gegründet – Begleitetes Arbeiten Plus.

Das BAP-Projekt war ursprünglich auf fünf Jahre befristet. Da die Nachfrage anhaltend hoch war, gibt es die Gruppe nach wie vor. Anfangs wurden in der Gruppe zwölf Menschen mit Behinderung betreut, inzwischen sind es 14 Personen. Sie arbeiten ohne Produktionsdruck und auf einem einfacheren Niveau. Zudem erhalten sie zusätzliche Förderangebote, beispielsweise im Lesen, Schreiben, Rechnen, aber auch im Sozialverhalten oder Kulturangebote.

Die Gruppenstruktur ist durchlässig. Jemand, der in der BAP-Gruppe war, kann also auch in den Förderbereich oder in die Werkstatt wechseln. Demnächst soll auch eine BAP-Gruppe in Rastatt eröffnet werden.

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Ihr Autor

BNN-Redakteurin Swantje Huse

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Erstellt:
23. November 2021, 13:25 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 56sec

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