Leichtathletiklegende des Murgtals

Forbach (mar) – Franz Spissinger feiert am 17. Mai seinen 90. Geburtstag. Für viele Leichtathleten im Murgtal ist der Forbacher bis heute ein Vorbild.

Franz Spissinger. Foto: Wolfram Asal

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Franz Spissinger. Foto: Wolfram Asal

Franz Spissinger wurde am 17. Mai 1931 in Le Havre geboren, weil sein Vater (auch Franz) nach der Fertigstellung der Schwarzenbach-Talsperre von der Baufirma „Siemens-Bauunion Berlin“ als Dampfbaggerfahrer nach Frankreich geschickt wurde. Dort wurden Franz und sein Bruder Robert geboren. Die Familie zog von einer Baustelle zur anderen. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs flüchtete die Familie zu Fuß zuerst nach Österreich, über Coburg trat sie schließlich den beschwerlichen Weg ins Murgtal an, wo in Weisenbach zunächst Endstation war, denn die Eisenbahnbrücke über die Murg war gesprengt. So wurde im Schrankenwärter-Häuschen übernachtet. Am nächsten Tag nahm sie ein Lkw-Fahrer mit nach Forbach.

Der Jubilar erwähnt im BT-Gespräch, dass der Schulbesuch in dieser Zeit sehr unregelmäßig war. Er trat dann beim „Schlosser-Willi“ in Forbach eine Lehre an, die aufgrund mangelnder Aufträge nicht beendet werden konnte. Inzwischen war sein Vater bei der Firma Holtzmann angestellt, sodass auch der Sohn die Chance bekam, hier seine Lehre zu beenden.

Dies zahlte sich aus, denn im Laufe seines Berufslebens wurde er der Fachmann für spezielle Aufgaben. So reichte er zahlreiche Verbesserungsvorschläge ein, die auch von der Betriebsleitung umgesetzt wurden. Die Familie zog in die Arbeitersiedlung der Firma in Altenbach / Wolfsheck. Hier wurde nach der Arbeit auf dem Hof Fußball gespielt. Alle Kinder und Jugendlichen der Siedlung gingen durch die Fußballschule von Franz Spissinger, dessen Lieblingsclub bis heute der 1 FC Nürnberg ist.

Nach einem kurzen Intermezzo beim SV Forbach sprach ihn der Leichtathletikabteilungsleiter des TV Langenbrand, Erwin Wörner, an. Damit begann eine sehr erfolgreiche Laufbahn. So wurde Spissinger schon 1951 Badischer Juniorenmeister beim Weit- und beim Dreisprung. Bis 1961 gewann er alle Titel im Kreis beim Zehnkampf und beim Internationalen Fünfkampf. Auch auf Turngau-

Ebene war er beim Deutschen Sechskampf nicht zu schlagen. 1956 gewann Spissinger in der Aktivenklasse bei den Badischen Meisterschaften den Internationalen Fünfkampf. 1967 siegte er im Alter von 36 Jahren nochmals, diesmal in der Mannschaftswertung mit Volker Wörner und Helmut Gerstner. Trainiert wurde auf dem kleinen Sportplatz Langenbrand mit 245 Meter Rundbahn. Zu dieser Zeit wurden Kreismeisterschaften, Bahneröffnungen und Vergleichskämpfe in Langenbrand ausgerichtet.

„Mach langsam, du musst noch 800 Meter laufen“

Franz Spissinger erinnert sich an einen Wettkampf gegen das Team aus Kehl. Nach den 100 Metern und dem Weitsprung stand der 400-Meter-Lauf an. Diesen gewann er in einer 52er-Zeit, nachdem Erwin Wörner ihm auf der Zielgerade zugerufen hatte: „Mach langsam, du musst noch 800 Meter laufen.“ Auch diesen gewann er souverän in persönlicher Bestzeit von exakt zwei Minuten. Zwischendurch wurde noch die 4x100 Meter Staffel gelaufen.

Eigentlich müsste die enge Kurve beim Weitsprung in Langenbrand Franz Spissingers Namen bekommen, denn Augenzeugen berichten, dass diese niemand so laufen konnte wie er. Manche wurden sogar hinausgetragen und stürzten.

An das 50-jährige Jubiläum des TV Forbach erinnert sich Spissinger besonders. Vor großer Zuschauerkulisse wurde über das Fußballfeld gesprintet und die Uhren blieben bei 10,9 Sekunden stehen. Beim Weitsprung-Sieg mit 6,83 Meter kannte die Begeisterung der Forbacher keine Grenzen. Weitere Bestleistungen des Jubilars sind 200 Meter in 23,0 Sekunden, 400 Meter in 50,8 Sekunden, Weitsprung 6,87 Meter und die Stabhochsprunghöhe, ohne Glasfiberstab und im Sand gelandet, von 3,10 Meter. Auch als Seniorensportler war Franz Spissinger sehr erfolgreich. Seinen letzten Wettkampf absolvierte er im Jahr 2000 mit einer 4x100 Staffel der LAG Obere Murg.

1960 schloss Franz Spissinger den Bund der Ehe mit einer Turnerin des TV Langenbrand, Erika Heselschwerdt. Aus dieser Ehe gingen Peter (1961) und Heidrun (1967) hervor. Zwei Enkelinnen und zwei Enkel vergrößerten die Familie. Auf den Nachwuchs ist der Opa sehr stolz. Sohn Peter und Enkel Yannick haben die sportlichen Leistungen ihres Vaters und Opas inzwischen übertroffen.

1975 bezog Franz Spissinger mit seiner Familie sein Eigenheim in Forbach. Hier ging er seinem zweiten Hobby mit Leidenschaft nach. Aus allen möglichen Altmaterialien wie Kupfer oder Messing wurden kunstvolle Arbeiten gefertigt. Auch auf seinem Lieblingsort, dem Sportplatz in Langenbrand, war sein handwerkliches Geschick immer gefragt.

Mitbegründer der LAG Obere Murg

Franz Spissinger war auch als Trainer und Funktionär im Einsatz. Generationen von Nachwuchssportlern gingen durch seine Hand. Sein selbst gebauter Kraftraum in Forbach konnte von seinen Schützlingen stets genutzt werden. Lange war Spissinger im Verwaltungsrat des TV Langenbrand sowie dem TV Forbach ehrenamtlich tätig. Weiterhin gehörte er zu der Gründungsgeneration der LAG Obere Murg. Von den Vereinen und vom Badischen sowie dem Deutschen Leichtathletikverband hat er alle Ehrungen erhalten und ist Ehrenmitglied beim TV Langenbrand, beim TV Forbach und beim Musikverein Langenbrand. Von der Gemeinde Forbach wurde Spissinger mit dem Ehrenteller für besondere Verdienste ausgezeichnet.

Franz Spissinger beim Weitsprung auf dem Eulenfelsen in Forbach im Jahr 1960. Foto: Archiv LAG Obere Murg

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Franz Spissinger beim Weitsprung auf dem Eulenfelsen in Forbach im Jahr 1960. Foto: Archiv LAG Obere Murg


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