Leise Hoffnung für Baden-Badener Yburg

Baden-Baden (hol/cn) – In Sachen Yburg, dem Wahrzeichen des Baden-Badener Reblands, gibt es eine leise Hoffnung: 2023 könnte sie neu starten. Wenn sich die Verantwortlichen einigen können.

Wohin führt der Weg? Bei der Sanierung der Yburg gibt es noch viele Fragezeichen – dennoch gibt es erste Bewegungen. Foto: Christina Nickweiler

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Wohin führt der Weg? Bei der Sanierung der Yburg gibt es noch viele Fragezeichen – dennoch gibt es erste Bewegungen. Foto: Christina Nickweiler

Für die Yburg gibt es eine zeitliche Perspektive: Das Wahrzeichen des Reblands könnte mit runderneuerter Gastronomie, nach denkmalgerechtem Umbau 2023 wieder an den Start gehen. Ende November ist ein Treffen angesetzt, bei dem Vertreter verschiedener Behörden einen Zeitplan erarbeiten und klären sollen, wer für die Finanzierung aufkommt. Am Montag diskutierte der Rebland-Ortschaftsrat über die Burg.

„2022 wird geplant, und auch der Umbau soll beginnen“, sagt CDU-Landtagsabgeordneter Tobias Wald im Gespräch mit dem BT. „Eine Öffnung 2023 wäre eine mögliche Perspektive.“ Auch sein Kollege Hans-Peter Behrens (Grüne) ist guter Dinge: „Allen ist mittlerweile klar, dass sie ihren Beitrag für das Projekt leisten müssen“, sagt er. „Ich sehe uns beide als die Mittler, die das Thema pushen und zwischen den Beteiligten vermitteln.“

Und Beteiligte gibt es eine ganze Menge: „Denkmalschutzbehörde, städtisches Bauamt, Landesbetrieb Vermögen und Bau, der Forst“, zählt Wald auf, wer beim Treffen Ende November alles dabei sein wird. Dann werde man einen „sauberen Plan“ erarbeiten. „Es ist uns beiden wichtig, dass das dann Zahn in Zahn läuft und kein Sand im Getriebe ist.“ Wie berichtet, ist auch die To-do-Liste beachtlich: Toilette, Dach, Heizung, Ver- und Entsorgung müssen saniert werden – unter Beachtung des Denkmalschutzes. Zudem geht es um eine mögliche Erweiterung der Gastronomie, Sicherungsarbeiten und die Ertüchtigung der Zufahrt.

„Wobei die Zufahrt vielleicht gar nicht das große Problem ist“, wie Wald erklärt. Eventuell reichten erst einmal auch kleinere Ausbesserungsarbeiten. Die Frage einer grundlegenden Sanierung, für die zuletzt weder die Stadt noch der Landesforst zahlen wollten, stelle sich zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht, deuten die Abgeordneten an, dass es auch bei diesem höchst umstrittenen Thema einen Kompromiss geben könnte. Zudem gibt es die Idee, 2022 während der Bauzeit einige Events auf der Burg zu veranstalten, „damit die Yburg nicht in Vergessenheit gerät“, so Wald. Er denkt an kleine Feste, Weinproben oder Führungen des Heimatvereins. „Die Region steht hinter der Burg. Sie ist uns wichtig.“ Dieses Zeichen sei in Stuttgart mittlerweile angekommen.

„Kafkaeskes Zuständigkeitsgerangel“

Das wurde auch am Montagabend im Rebland-Ortschaftsrat deutlich. Zwei Mitarbeiter des Landesbetriebs versuchten, dem Gremium den Stand der Dinge zu erläutern. Die Begeisterung bei den Ratsmitgliedern hielt sich in Grenzen. Von einem „K.O.-Punkte-Programm“ und „kafkaeskem Zuständigkeitsgerangel“ war die Rede. Mehr als eine Stunde wurde diskutiert. Viele Zuhörer waren gekommen, unter ihnen auch Behrens. Sein Parteikollege, der Stadt- und Ortschaftsrat Michael Velten, war es denn auch gewesen, der die Aussprache beantragt hatte.

Christiane Ihle, Architektin für den Zuständigkeitsbereich Baden-Baden, sprach davon, dass der Charme der Yburg über dringend nötige Sanierungsarbeiten hinwegtäusche. Ihr Kollege Raffael Sänger bezog sich auf ein mehr als zehn Jahre altes Gutachten. „Es gibt 41 Stellen, an denen wir nachrüsten müssen“, sagte er.

Dann begann Ihle einige Punkte aufzuzählen. „Am Tor, wo der Müll steht, kämpfen wir seit Jahren mit dem Denkmalamt. Es ist ein schwieriges Unterfangen“, schilderte sie. Weiterhin nannte sie die Verkehrssicherungspflicht. „Die Gesteinsgebilde laden zum Klettern ein, aber eine Absturzsicherung ist nicht da. Das müssen wir untersuchen, denkmalgerecht“, führte sie aus. Ihle nannte diese Beispiele erst auf mehrmaliges Insistieren von Elke Herzog (CDU). Auch die kleine Küche sei ein großes Thema, meinte Ihle. Der bisherige Betrieb sei seitens des Veterinäramtes nur geduldet gewesen. „Ein ganz großer Punkt sind die Toiletten.“ Die Abwasserleitungen führen von der Burg herunter quer durch den Wald. Geheizt werde mit Gas aus einem Tank und elektrisch: „Energetisch eine Vollkatastrophe. Als Land sind wir verpflichtet, ein umweltverträgliches Konzept zu erarbeiten.“ Dieses mit dem Denkmalschutz zu klären sei anstrengend. Alle Maßnahmen müssten zudem sorgfältig geplant werden, „um keine Kosten zu verschwenden“.

Ich bin erschrocken und enttäuscht

Unverständnis gab es unter den Räten, weil sich die Forstgesellschaft des Landes aus der Verantwortung für den Zufahrtsweg zurückziehen will. Nach deren Planung soll die Asphaltstraße zurückgebaut werden. „Wir haben Interesse, dass die Burg zugänglich ist, aber klar ist, wir übernehmen keine Lasten“, lautete denn auch die Ansage von Sänger. Ortsvorsteher Ulrich Hildner widersprach: Wie die Yburg erreicht werden kann, müsse sehr wohl das Land interessieren. Die Zufahrt sei gerade für einen Betreiber der Gaststätte von elementarer Bedeutung.

„Ich bin erschrocken und sehr enttäuscht. Es wurden nur K.O.-Punkte genannt“, meldete sich Harry Hasel (Freie Wähler) zu Wort. „Ich möchte darauf hinweisen, dass die Bevölkerung absolut kein Verständnis für die Streitigkeiten über Zuständigkeiten hat. Bei gutem Wille muss ein Provisorium möglich sein“, zeigte sich Stadt- und Ortschaftsrat Klaus Bloedt-Werner (CDU) verärgert. Irritiert zeigte sich auch Stadtrat Markus Fricke (FBB). „Man muss die Kirche im Dorf lassen. Jeder ist für seine Sicherheit selbst verantwortlich, wenn er auf die Yburg geht. Außerdem hat viele Jahrzehnte der Forst die Straße unterhalten. Jetzt kann dieser nicht mehr sagen, das interessiert mich nicht mehr“, so Fricke.

Es geht ums Vertrauen

BT-Redakteur Harald Holzmann kommentiert: „Es gärt – nicht nur im Rebland. Kommt endlich Bewegung in die Causa Yburg? Zeigen Behörden, Verwaltungschefs und Politiker, dass sie gemeinsam Probleme lösen können? Oder knirscht es weiter und die Beschäftigung mit dem Projekt erschöpft sich in einer Aufzählung der Dinge, die gegen eine Lösung sprechen? Da passt ein Spruch: Wer etwas will, der findet Wege – wer etwas nicht will, der findet Gründe. Gründe, die gegen eine schnelle Sanierung der Burg sprechen, haben die Ratsmitglieder im Rebland am Montagabend mehr als genug gehört. Nun wäre es dringend an der Zeit, auch Wege zu finden. Wege, die zumindest die beiden Landtagsabgeordneten gemeinsam fein vorgezeichnet haben. Diese Wege müssen bei dem großen Treffen vor Ort Ende November dann auch von allen Beteiligten nachvollzogen und auch begangen werden. Wenn das nicht klappt, wenn sich das Ergebnis dieses Treffens darin erschöpfen sollte, dass sich Denkmalschutz, Stadt, Liegenschaftsbehörde und Landesforst erneut gegenseitig Steine in den Weg legen und den Schwarzen Peter zuschieben, dann wäre das ein Offenbarungseid und würde Vertrauen zerstören. Denn beim Thema Yburg geht es längst nicht nur um die Zukunft eines Wahrzeichens oder so profane Dinge wie Verkehrssicherheit und die Betriebserlaubnis für eine Gaststätte. Es geht um nicht weniger, als die Glaubwürdigkeit von Politik und Verwaltung. Das sollte doch für alle Beteiligten Motivation genug sein, sich zusammenzureißen.“

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Erstellt:
9. November 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 15sec

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