Leitungsbau nach Gernsbach mit Problemen

Murgtal (tom) – Der Bau einer Leitung zur Versorgung Gernsbachs mit Ersatzwasser ist keine Story, die zum Jubeln Anlass gibt.

Die Ersatzwasserleitung führt zum zentralen Gernsbacher Hochbehälter auf dem Galgenbusch. Foto: Veronika Gareus-Kugel/Archiv

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Die Ersatzwasserleitung führt zum zentralen Gernsbacher Hochbehälter auf dem Galgenbusch. Foto: Veronika Gareus-Kugel/Archiv

Weder der Grund ist erfreulich – die PFC-Belastung des Trinkwassers, die durch die Ersatzwasserleitung minimiert beziehungsweise eliminiert werden soll –, noch die gestiegenen Kosten von 1,33 Millionen auf derzeit knapp zwei Millionen Euro. Auch angesichts der Verzögerungen kommt keine Freude auf. Ging man ursprünglich von einer Inbetriebnahme Ende 2020 aus, so ist man nun bei Frühjahr 2022 gelandet. Der Einsturz einer Stützmauer nach einem Starkregen vor wenigen Wochen beim Kuppelsteinbad in Ottenau sorgte für weiteres Stirnrunzeln in der Öffentlichkeit. Nicht zuletzt geht es bei diesem Problem um die Frage, ob Planungsfehler oder Ausrüstungsmängel eine Rolle spielen – oder der Baugrund: Dann wiederum wäre der Bauherr in der Pflicht – also die Stadtwerke Gaggenau.

Ärger im Zweckverband

In der jüngsten Sitzung des Wasserversorgungsverbands Vorderes Murgtal (WVV) berichtete nun Gaggenaus Stadtwerke-Chef Paul Schreiner von einer weiteren „Katastrophe“ – und meinte damit ausdrücklich die Zusammenarbeit mit dem beauftragten Ingenieurbüro. „Wenn man die nicht brauchte, hätte man schon gekündigt“, schimpfte er über die RBS wave GmbH. So sei es beispielsweise zu Fehlern bei einer Ausschreibung gekommen. Auch die Baustellenbesprechungen und das alltägliche Miteinander gestalteten sich schwierig. So haben die Stadtwerke bereits direkt Kontakt mit beauftragten Firmen aufgenommen. Unterstützung für Schreiners Ausführungen kam vom Gaggenauer Bürgermeister Michael Pfeiffer. „Hier geht es um Schlechtleistungen.“ Deshalb unterstütze er eine Forderung nach Zahlungskürzungen. Ein entsprechendes Schreiben sei bereits in Arbeit, bestätigte Schreiner. Aber: „Wir brauchen RBS für die Schlussabrechnung. Und wenn die nicht rechtzeitig kommt, verlieren wir die Förderung.“

Auf BT-Anfrage nimmt für die Firma RBS wave Gerald Gangl Stellung. Er ist in dem Unternehmen Bereichsleiter Wasserversorgung: Man werde sich mit dem WVV zusammensetzen, bekräftigte er, dass RBS wave an einer Lösung des Konflikts interessiert sei. Schließlich arbeite man schon seit Jahren mit dem WVV gut zusammen.

Gangl räumt Fehler ein: „Das ist sicher sehr ärgerlich und darf nicht passieren, aber ist nicht katastrophal.“ So habe man beispielsweise nur einen Muffentyp ausgeschrieben, obwohl es zwei verschiedene hätten sein müssen. Dies führte zu Mehraufwand bei den Bauarbeiten; deshalb habe es auch eine Nachtragsforderung der Baufirma gegeben: in Höhe von zwei Prozent der Auftragssumme.

PFC-Belastung im Blickpunkt

Mit Blick auf die PFC-Belastung des Trinkwassers ergreift der Wasserversorgungsverband Vorderes Murgtal Maßnahmen zur Verbesserung der Trinkwasserqualität. Bereits fertig hergestellt wurde eine Ersatzwasserversorgung für Kuppenheim. Die Ersatzwasserversorgung des Versorgungsbereichs Gernsbach wird derzeit gebaut: eine 2,2 Kilometer lange Leitung vom Ottenauer Schwimmbad bis zum zentralen Gernsbacher Hochbehälter auf dem Galgenbusch. Durch das Projekt der Stadtwerke Gaggenau sollen die aktuell gültigen PFC-Grenzwerte eingehalten werden. Zum WVV zählen Rastatt, Gaggenau, Kuppenheim und Gernsbach.

Weiterer Bericht zum Thema.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
23. Oktober 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 22sec

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