Lesetipps der BT-Lokalredaktionen

Baden-Baden (BT) – Zum „Welttag des Buches“ geben die BT-Lokalredakteure Buchtipps. Viel Spaß beim Lesen!

Lesetipps der BT-Lokalredaktionen

Jedes Jahr am 23. April ist „Welttag des Buches“. BT-Lokalredakteure verraten ihre Buchtipps. Symbolfoto: Jan Woitas/picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Der „Welttag des Buches“ wird am Freitag, 23. April, zum 26. Mal begangen: Vor 26 Jahren hat ihn die Unesco per Erklärung ausgerufen. Längst ist er zu einem internationalen Ereignis geworden und steht für das Lesen, für Bücher und für die Rechte der Autoren. Bereits zum zweiten Mal findet der Tag unter Pandemie-Bedingungen statt. Veranstaltungen und Aktionen wurden deshalb auf verschoben oder finden online statt. Das Badische Tagblatt würdigt den „Welttag des Buches“ in seiner Freitags-Ausgabe (Print und E-Paper) mit persönlichen Lesetipps der BT-Volontäre sowie -Redakteure:

Tiefschwarz und entschleunigt

Harald Holzmann, Lokalredaktion Baden-Baden/Bühl:Achtsamkeit und Entschleunigung – diese Worte sind derzeit in aller Munde. Warum also nicht auch „Achtsam Morden“. So lautet der Titel eines unterhaltsamen Krimis, den mir eine liebe Kollegin auf den Schreibtisch gelegt hat. „Musst Du unbedingt lesen“, sagte sie mit schelmischem Lächeln, „Achtsamkeit – das ist doch Dein Thema“. Mit entsprechender Skepsis begann ich die Lektüre – doch ich wurde schnell zum Fan des Buches. Es erzählt die Geschichte eines gestressten Rechtsanwalts, dessen Leben im Spagat zwischen Job und Familie aus der Balance gerät. Er besucht ein Achtsamkeits-Seminar – und das trägt Früchte. Allerdings ganz anders als erwartet. Autor Karsten Dusse, selbst ein in Achtsamkeit geschulter ehemaliger Anwalt, schafft den Spagat: Leichtgängig und humorvoll erzählt er die Geschichte eines Mordes und den daraus resultierenden Folgen – und so ist das Buch eine echte Sommerlektüre für Krimifans und Freunde des tiefschwarzen Humors. Andererseits aber wird das Thema Achtsamkeit nicht durch den Kakao gezogen. Im Gegenteil: Auf seine Weise ist der Roman auch ein genialer Ratgeber für mehr Zufriedenheit und Entschleunigung. Auch wenn man im wahren Leben ja nicht gleich jemanden umbringen muss dafür...Karsten Dusse, „Achtsam Morden“, Heyne.

Über die Magie des Lesens

Anja Groß, Lokalredaktion Rastatt: Das Lesen eines Buches kann ein neues Universum erschließen, lässt einen in fremde Welten und Kulturen eintauchen, vermittelt Wissen, entspannt, trainiert Aufmerksamkeit und Konzentration, erweitert unseren Wortschatz. Wer es liebt zu lesen, so richtig in einer Geschichte versinken kann, der wird dieses Buch mögen, denn es ist eine einzige Liebeserklärung ans Lesen – eingebunden in die Geschichte des Buchhändlers Carl Kollhoff, der besonderen Kunden abends auf seinem Spaziergang ihre bestellten Bücher nach Hause bringt. Über die Jahre ist das allerdings der einzige Kontakt, den er noch zur Außenwelt hat. Ansonsten lebt er mit seinen Büchern und in den Geschichten. Die Protagonisten sind für ihn quasi Freunde geworden. Dass er in seinen Kunden aber auch wahre Freunde hat, zeigt sich, als Carl seine Arbeit verliert und mehr und mehr in Apathie zu versinken droht. Das Leben ohne die geistige Nahrung aus seinen Büchern scheint ihm immer weniger lebenswert. Mit Hilfe eines klugen wie vorlauten neunjährigen Mädchens wendet sich das Blatt. Ein anrührendes Buch über den Wert der Freundschaft, die Magie des Lesens und die verbindende Kraft von Büchern, das lange nachwirkt.Carsten Henn: „Der Buchspazierer“, Pendo Verlag.

Ein Angebot, das man lesen sollte

Stephan Juch, stellvertretender Leiter der Lokalredaktion Gaggenau: „Ich mache ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann.“ An diesen legendären Satz aus dem Mafia-Epos „Der Pate“ fühlte ich mich erinnert, als mir ein Kumpel das Buch von Mario Puzo als kleines Dankeschön dafür überlassen wollte, weil ich ihm beim Ausmisten seiner alten Wohnung geholfen habe. Man hört ja oft, das Buch sei viel besser als der Film. Aber ist das auch so, wenn die Verfilmung eines Stoffs zweifelsohne zu den besten aller Zeiten gehört? „Der Pate“ hat seit seiner Uraufführung 1972 prägenden Eindruck hinterlassen – auch bei mir, als ich ihn als Jugendlicher zum ersten Mal im Fernsehen sah. Den Roman aber verschlang ich erst jetzt – über 30 Jahre später, als mir ein altes Exemplar des Meisterwerks (Marke Bücherflohmarkt) geschenkt wurde. Mario Puzo formuliert darin eine pervertierte Version des amerikanischen Traums: Jeder kann in den USA sein Glück machen, unabhängig von seiner Herkunft – doch muss er dabei, wenn er Erfolg haben will, buchstäblich über Leichen gehen. Diesen Klassiker, der den Leser noch mehr in die Welt der Corleones eindringen lässt, sollte man gelesen haben, selbst wenn man (so wie ich) ein Fan der Filmtrilogie ist.Mario Puzo, „Der Pate“, Rowohlt.

Eine düstere Prophezeiung

Nora Strupp, Volontärin: „Am 11. Februar wirst du am Prater einen Mann namens Arthur Grimm töten. Mit gutem Grund. Und aus freien Stücken.“ Die junge Journalistin Norah Richter ist verstört, als eine alte Bettlerin sie auf der Straße anspricht und ihr diese Prophezeiung macht. Zunächst versucht sie, die Aussage der Bettlerin abzutun, glaubt, es mit einer psychisch Kranken zu tun zu haben. Denn einen Mann mit diesem Namen kennt sie nicht. Doch das Datum weckt in Norah schreckliche Erinnerungen: Ausgerechnet am 11. Februar hat ihre beste Freundin Valerie vor vielen Jahren Selbstmord begangen. Kann das alles Zufall sein? Ist dieser Mann womöglich schuld an Valeries Tod? Wird Norah ihn tatsächlich töten – aus Rache? Sie beginnt, Recherchen über Arthur Grimm anzustellen. Alles scheint darauf hinzudeuten, dass es eine Verbindung zwischen Valerie und Arthur Grimm gibt. Am Ende glaubt Norah, der Wahrheit auf der Spur zu sein, doch beim großen Showdown am Prater am 11. Februar kommt alles ganz anders als erwartet. Wird sich die Prophezeiung erfüllen? Und welche Rolle spielt der Performance-Künstler Wolfgang Balder bei dem Ganzen? Mit „Der Schatten“ ist Melanie Raabe ein Psychothriller voll überraschender Wendungen gelungen, der eindrucksvoll zeigt, was subtile Beeinflussung für Folgen haben kann.Melanie Raabe: „Der Schatten“. btb Verlag.

Reise ins Mutterland

Sebastian Linkenheil, Lokalredaktion Rastatt: 1995 hat Christian Kracht den Ich-Erzähler seines Debütromans „Faserland“ auf eine Deutschlandreise geschickt und anekdotenreich und voller Anspielungen von der Wohlstandsverwahrlosung seiner Generation erzählt. Es endet auf einem Boot im Zürichsee, wo der Protagonist vielleicht Suizid begeht. 25 Jahre später ist Kracht selbst der Ich-Erzähler in „Eurotrash“, seinem im März erschienen sechsten Roman. Die Figur trägt denselben Namen und ist der Autor von „Faserland“. Trotzdem heißt es am Anfang, Personen und Ereignisse seien fiktiv. Ein Spiel mit der Identität: Man kann sich nie sicher sein, was Wirklichkeit ist und was Fiktion. Vom Verlag als Fortsetzung von „Faserland“ beworben, ist „Eurotrash“ ein anspielungsreicher Reiseroman. Die Tour beginnt diesmal in Zürich, wo der Erzähler seine halbdemente Mutter besucht. Nach einer gedankenschweren Nacht im Hotelbett, in der ihm die SS-Vergangenheit seines Großvaters und die Aufsteigergeschichte seines neureichen, skrupellosen Vaters den Schlaf rauben, begibt sich die Romanfigur Kracht mit der 80-jährigen Mama (Betonung auf dem zweiten a) und einer Plastiktüte voll Geld auf eine Schweizreise im Taxi. Sie führt zu den Stätten seiner Kindheit. Dabei kommt viel Verdrängtes hoch. Die Bürde einer vielfach verstrickten Familiengeschichte im 20. Jahrhundert und der Kindesmissbrauch, den Mutter und Sohn jeweils als Elfjährige erlitten.Christian Kracht: „Eurotrash“. Kiepenheuer und Witsch

Wechselvolle Geschichte

Nico Fricke, Lokalredaktion Baden-Baden/Bühl: Südtirol kennen die meisten wohl nur vom Wander- oder Skiurlaub. Dass dieses Land eine äußerst wechselvolle Geschichte hinter sich hat, gerät beim Betrachten der wundervollen Berglandschaft in Vergessenheit. „Eva schläft“, eine episch angelegte Mutter-Tochter-Geschichte, spürt der spannungsgeladenen Entwicklung der Alpenregion vom Ersten Weltkrieg bis in die 1990er Jahre nach. Erzählt wird die Familien- und Landesgeschichte von Eva, die mit dem Zug nach Sizilien reist, um Abschied von ihrem früheren Ziehvater Vito zu nehmen, der einst als Soldat in „Alto Adige“ stationiert war. Dabei erinnert sie an die Zeit, als der österreichische Landstrich Italien zugesprochen wurde, die Versuche Roms, die Bevölkerung mit Gewalt zu assimilieren und die deutsche Sprache zu verbieten. Gegen die Unterdrückung nach dem Zweiten Weltkrieg wehrten sich die Freiheitskämpfer („Bumser“ genannt) mit Terroranschlägen. Rom reagierte mit einem Großaufgebot von Polizei und Militär. Entspannung gab es erst mit dem Erreichen einer weitreichenden Autonomie. Eingebettet ist dieses spannende Stück norditalienischer Geschichte in die packende Biografie von Gerda Huber, der Mutter Evas, die als Ausgestoßene schnell lernen muss, auf eigenen Beinen zu stehen.Francesca Melandri: „Eva schläft“, Wagenbach.

Über die Frage nach der Herkunft

Sarah Gallenberger, Lokalredaktion Baden-Baden/Bühl: Wenn mich jemand fragt, woher ich komme, fällt mir die Antwort leicht: Es ist der Ort, an dem ich aufgewachsen bin und der alles, was vergangen ist und noch kommen wird, verbindet. Ich muss nicht lange darüber nachdenken, um den Begriff für mich zu definieren. Bei Sasa Stanisic allerdings ist die Sache eine andere. 1978 in Jugoslawien geboren muss er mit den Eltern aus dem Bosnienkrieg fliehen. 2013 wird er zum deutschen Staatsbürger – und scheint sich auch dann noch die Frage nach seiner Herkunft zu stellen, als er acht Jahre später das gleichnamige Buch veröffentlicht. Stets mit einem Augenzwinkern, dennoch mit der nötigen Ernsthaftigkeit pendelt er auf den Seiten zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Fantasie hin und er. Geprägt von dem Schicksalsschlag eines durch den Krieg zerfetzten Landes sind es die Erinnerungen an seine demente Großmutter oder die Begegnung mit anderen Migranten, die seine Worte weich werden lassen. Es ist nicht immer sofort schlüssig, was Stanisic zu sagen versucht – er kann sich schlecht konzentrieren, wie er es selbst schreibt. Manche Passagen wirken wie ein Eintrag im Tagebuch, oft schreibt er etwas wirr. Aber komplexe Themen sind nun mal oft etwas wirr. Was würden Sie denn antworten, wenn ich Sie nach Ihrer Herkunft frage?Sasa Stanisic: „Herkunft“, btb-Verlag.

Applaus alleine reicht nicht

Konstantin Stoll, Volontär: Gute Pflege betrifft jeden – egal wie alt man ist oder für wie gesund man sich hält. Wie sehr jedoch unser Gesundheitssystem ächzt und zusammengespart wird, belegen Zahlen nur zu gut. Franziska Böhler ist selbst Intensiv-Krankenschwester und kennt die Nöte nur zu gut. In ihrem Buch liefert sie für trockene Zahlen teilweise erschütternde, aber auch herzerwärmende Alltagsgeschichten, die sonst meist überhört werden. Personalmangel und die wahnwitzige Idee, dass Krankenhäuser Profit machen müssen, verwandeln die Arbeit für Pfleger zur täglichen Belastungsprobe und sorgt auch für teils traumatische Erlebnisse bei Patienten. Warum sie ihren Beruf dennoch liebt – „trotz allem“ –, macht Böhler durch persönliche Erfahrungen und Geschichten eindrücklich spürbar. Veröffentlicht hat sie das Buch brandaktuell in der Corona-Pandemie, die die Wunden unseres Gesundheitssystems schmerzlich vor Augen führt. Mit ihrem Buch gelingt ihr jetztein emotionales Plädoyer für eine bessere Pflege und mehr Bewusstsein dafür, dass jeder eines Tages auf sie angewiesen ist – und dann nicht nur als gewinnbringende Rechnung abgefertigt werden will. Franziska Böhler: „I´m a Nurse. Warum ich meinen Beruf als Krankenschwester liebe – trotz allem.“ Heyne.

Trauerarbeit in Turnschuhen

Franz Vollmer, Lokalredaktion Baden-Baden/Bühl: Es könnte einer jener unsäglichen Ratgeber sein, die (selbst zum Davonlaufen) trägen Sofahockern wie unsereins Beine machen sollen. Weit gefehlt. Auch die angedeutete Tartanbahn auf dem Buchdeckel verrät wenig darüber, dass die Joggingschuhe, in denen die Titelheldin steckt, und ihre Schnappatmung noch die kleinsten Probleme sind. Profibratschistin verliert den Mann und fängt, so weit der Plot in Turbotime, zu laufen an. Nicht ihr Elixier. Aber was will man tun, so jäh aus der Tartanbahn des Lebens geworfen? Das Schöne dabei: Die ganzen Details, all die Warums sie vor was davonläuft, erfährt man eher en passant, guckt der Protagonistin quasi beim Denken zu, als ging es um Kopfsalat entblättern. Und wenn der Partner Selbstmord macht, muss der Kopf ja ein einziger Salat sein. So gesehen ein Versuch, um’s mit Kleist zu sagen, über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Rennen. Wie der laufende Trauerkloß dennoch aufräumt im Inneren, Schritt für Schritt, begeistert. Ebenso die Rasanz und Atemlosigkeit des Buches, eine Prosa ohne Punkt und Komma, der man sich schwer entziehen kann. Erfrischend vor allem der Humor, mit der sich die Protagonistin ihre Wut auf alle Welt (Fitnessnerds und Schwiegereltern inklusive) aus den Rippen schwitzt. Und dass am Ende gar Hoffnung aufkeimt, vielleicht, ist beachtlich nach dem Beginn, der so bleischwer im Magen liegt wie die ersten Meter beim Halbmarathon. Fazit: Keine leichte Kost irgendwo und schon gar kein Selbstläufer, aber das war Joggen ja eh noch nie.Isabel Bogdan: „Laufen“. Kiepenheuer/Witsch

„Open“ schillernd wie Andre Agassi

Hartmut Metz, Lokalredaktion Gaggenau: Andre Agassi verzückte die Fans auf dem Tennisplatz einst mit seiner knallharten beidhändigen Rückhand. Seinem Ruf als Paradiesvogel wurde er auch äußerlich gerecht. Dass aber nicht alles in seinem Profi-Leben in leuchtenden Farben wie seine Outfits strahlte, offenbart sein grandioses Selbstporträt „Open“. Mit höllischen Rückenschmerzen quälte sich der ehemalige Weltranglistenerste zu seinen Erfolgen. Agassi hasste deshalb seinen Sport. Im Mittelpunkt des Buchs stehen aber nicht allein der Sport und sein Leiden, das ihn zum Schlafen meist auf den Boden zwang. Vielmehr begeistert der Amerikaner mit seinen köstlichen Erzählungen über sein Verhältnis zu den deutschen Top-Assen: Den Pseudo-Intellektuellen Boris Becker verspottet er als Möchtegern-Philosophen und verpasste seienem Feind den trefflichen Spitznamen „B. B. Sokrates“. Ähnlich unterhaltend sind Agassis Berichte darüber, wie er verzweifelt Steffi Graf nachstellte. Seine so gegensätzlich wirkende Traumfrau ließ den schillernden Star zunächst immer wieder abblitzen. Doch Agassi hechelte der „Gräfin“ weiter hinterher wie jedem Filzball auf dem Platz – ehe es auch privat bis heute glücklich endete und hieß: Satz und Sieg Agassi.Andre Agassi, „Open“, Droemer Knaur Verlag.

Spannendes aus Fredenbüll

Markus Mack, Lokalredaktion Gaggenau: Krimis aus Nordfriesland, mit echten „Typen“, spannend und heiter – Autor Krischan Koch versteht es, seine Leser mit den Geschichten aus Fredenbüll glänzend zu unterhalten. Polizeiobermeister Thies Detlefsen und seine junge Kollegin Nicole Stappenbek stehen auch in „Pannfisch für den Paten“, dem sechsten Band seiner Küstenkrimireihe, im Mittelpunkt. Drei Deiche hat Fredenbüll, 176 Einwohner, den Friseursalon Alexandra sowie „De Hidde Kist“ – die Kneipe von Wirtin Antje mit den Stammgästen Bounty, Piet und Klaas. Und dort ist die Geschichte um einen neuen Windpark natürlich Gesprächsthema. Die Naturschützer sind dagegen, sie wollen die Rotbauchfrösche retten. Ein Ingenieur wird ermordet und in einem Betonfundament versenkt, die Dame vom Bauamt verschwindet. Oma Ahlbeck und ihr Kurschatten Kurt haben angeblich etwas mitbekommen. Und die Mafia ist auch noch im Ort, das zumindest glauben die Fredenbüller. Koch liefert eine lesenswerte Geschichte mit Lokalkolorit, zum innerlich schmunzeln und mitunter auch herzhaft lachen. Eine Lektüre für Freunde des Nordens und solche, die sich am Charme der Küste erfreuen. Krischan Koch, „Pannfisch für den Paten“, dtv.

Keine Erinnerung, aber Gefühle

Nina Ernst, Lokalredaktion Baden-Baden/Bühl: „Ich fühle Liebe. Es geht um Liebe.“ Spätestens auf der letzten Seite von „Still Alice“ habe ich mit den Tränen gekämpft. Denn die Botschaft ist so traurig wie schön: Selbst wenn man alles vergessen hat, seine Vergangenheit, die Namen der Menschen um sich herum, wer man selbst war und ist – Gefühle werden einem nicht genommen. So sagt Hauptakteurin Alice den oben zitierten Satz zu ihrer Tochter, wobei Alice aber nicht mehr weiß, dass es ihre Tochter ist – für sie ist es nur eine Schauspielerin, die bei ihr einen Monolog für eine nächste Aufführung übt. Die Tochter, Lydia, ist unglaublich glücklich über den Satz ihrer Mutter. Gibt er doch Halt und zeigt, dass nicht alles verloren ist – trotz dass Alice an Alzheimer leidet, und nach und nach ihr Gedächtnis verliert. Alice ist erst 50, als sie die Diagnose erhält, die sie innerhalb von nur zwei Jahren zu einem anderen Menschen werden lässt. Der Leser wird mitgenommen, Schritt für Schritt. Autorin Lisa Genova schafft es, so zu schreiben, als sei der Leser Teil der Familie, als wäre man live dabei: Am Anfang, als der anerkannten Linguistikprofessorin Alice erst nur Worte fehlen, dann bei der Teilnahme an einer Medikamenten-Studie, die nicht den erhofften Erfolg bringt, bis zu Entscheidungen, die die ganze Familie aufwühlen. Aber eben auch dabei, wie Alice, ihr Mann und die drei erwachsenen Kinder, die Herausforderungen annehmen und lernen im Moment zu leben – und ihn umso mehr zu schätzen.Lisa Genova: „Still Alice. Mein Leben ohne gestern“. Bastei Lübbe Verlag.

Vom Okapi, dem Tod und der Liebe

Sarah Reith, Lokalredaktion Baden-Baden/Bühl: „Man kann sich die Abenteuer, für die man gemacht ist, nicht immer aussuchen.“ Das ist einer von vielen weisen Sätzen in Mariana Lekys Roman „Was man von hier aus sehen kann“. Aber weil dieses Buch etwas Besonderes ist, kommt der Satz nicht einfach als Weisheit daher, sondern als Lesetafel eines Optikers. Und Luise, für die er gedacht ist, folgert nur: „Ich brauche eine Brille.“ Leky erzählt auf kluge, feinsinnige Art von dieser jungen Frau, die mit ihrer „Verstockung“ kämpft, schließlich die Welt hereinlässt und sich in einen Mönch verliebt. Sie erzählt auch von ihrer Großmutter Selma, die stets von einem Okapi träumt, bevor jemand stirbt, und von dem klugen Optiker, der Selma ein Leben lang heimlich verehrt. Sie schreibt vom Okapi, dem Tod und der Liebe, löst die großen Fragen im Kleinen, während sie ein ganzes Dorf im Westerwald zum Leben erweckt – ungewöhnlich und unbedingt lesenswert.Mariana Leky: „Was man von hier aus sehen kann“, Dumont Buchverlag.