Letzte Chance fürs Baden-Badener Luxushotel?

Baden-Baden (nof) – Der Gemeinderat könnte einen Schlussstrich unter die Hotelpläne fürs Neue Schloss ziehen. Doch am Mittwoch trifft sich die Rathausspitze zu einem Gespräch mit der Eigentümerin.

Zukunft offen: Die Stadträte befassen sich mit dem mittlerweile 20 Jahre alten Bebauungsplan „Neues Schloss“. Foto: Nico Fricke/Archiv

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Zukunft offen: Die Stadträte befassen sich mit dem mittlerweile 20 Jahre alten Bebauungsplan „Neues Schloss“. Foto: Nico Fricke/Archiv

An ein Luxushotel auf dem Florentinerberg glaubt in der Kurstadt wohl keiner mehr. Zu lange darbt das Neue Schloss schon vor sich hin, zu lange hat Besitzerin Fawzia Al-Hassawi die Öffentlichkeit vertröstet. Nun könnte der Gemeinderat einen Schlussstrich ziehen und den Bebauungsplan aufheben. Doch zuvor gibt es noch ein Treffen der Rathausspitze mit der Hotelbesitzerin. Die letzte Chance?

Am Donnerstag befasst sich der Bauausschuss mit der Thematik. Seine Empfehlung wird dem Gemeinderat in der Sitzung am kommenden Montag zum Beschluss vorgelegt. Dabei ist das Bestreben, den Druck auf die Eigentümerin des historischen Gebäudeensembles zu erhöhen, nicht neu. Schon Ende 2019 war ein interfraktioneller Antrag von FBB, FDP und Grünen auf Aufhebung des mittlerweile 20 Jahre alten Bebauungsplans dem Ausschuss vorgelegt worden. Die Sache wurde jedoch kurzfristig vertagt, weil es so aussah, als ob noch einmal Bewegung in das seit Jahren brachliegende Vorhaben gekommen sei. Baubürgermeister Alexander Uhlig berichtete damals von guten Gesprächen und einem neuen Gesprächspartner. Architekt Professor Bernd Kogel, der bei der Stadtverwaltung die ursprüngliche Planung für das Projekt eingereicht hatte und 2014 von Al-Hassawi von seinem Posten als Chefplaner entbunden worden war, war wieder mit von der Partie und warb später auch selbst um Vertrauen in das Projekt. Doch das liegt nun auch schon wieder zwei Jahre zurück – ohne dass die Hotelpläne weiter gediehen sind.

Überraschung kurz vor Toresschluss denkbar

Ob es am Donnerstag – kurz vor Toresschluss – erneut zu einer Überraschung kommen wird? Möglich wäre es zumindest: Für den heutigen Mittwoch steht ein Treffen mit der Hotelbesitzerin im Kalender der Rathausspitze. Weil das Gespräch nicht-öffentlich ist, wollte Bürgermeister Uhlig vorab keine Informationen zu Inhalten und damit verbundenen Hoffnungen kundtun. Offen sei auch, ob es im Anschluss eine gemeinsame Pressemitteilung geben wird, sagte Stadtpressesprecher Roland Seiter auf Nachfrage.

Grüne: „Nun muss gehandelt werden“

Nur soviel: Am Gespräch werden Bürgermeister Uhlig und Oberbürgermeisterin Margret Mergen teilnehmen. Diese hatte schon Ende Dezember im Interview mit dieser Zeitung deutlich gemacht, dass sie an der Realisierung der Hotelpläne von Al-Hassawi zweifelt. „Ich habe nicht den Eindruck, dass sie in der Lage ist, das Bauvorhaben wirklich voranzutreiben“, sagte Mergen. Die Situation mit dem Neuen Schloss sei mehr als mühsam. „Ein Hotel wäre sicher wünschenswert. Ich wäre aber auch schon zufrieden, wenn in Teilen des Schlosses wieder Leben einziehen würde: Die Orangerie könnte für Gastronomie geöffnet werden und Teile des Schlosses für Wohnnutzung. Eine öffentliche Nutzung durch die Stadt Baden-Baden halte ich für nicht finanzierbar“, äußerte sich die OB vor wenigen Wochen.

Wenn es keine verbindlichen Zusagen gibt, über die Uhlig im Ausschuss am Donnerstag berichten kann, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Kommunalpolitiker dieses Mal Nägel mit Köpfen machen und den Bebauungsplan beerdigen, der neben dem Erhalt des Schlosses zum Ziel hatte, eine Hotelnutzung zu ermöglichen. „Um Eingriffe in die Denkmalsubstanz zu reduzieren und einen wirtschaftlichen Betrieb eines Hotels mit einer Mindestanzahl an Zimmern zu gewährleisten“, lässt der Bebauungsplan einen „stützenden Neubau zu“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Dieser umstrittene Neubau war im Schlosspark für eine Wohnnutzung mit rund 4.000 Quadratmetern Geschossfläche vorgesehen und an die Bedingung geknüpft, die Bauarbeiten für die Hotelnutzung im Bestand und den Neubau zeitgleich anzugehen. „Durch diese Verknüpfung wird sichergestellt, dass die Wohnnutzung der Sanierung des Schlosses und der Aufnahme des Hotelbetriebes dient.“ Sollte der Bebauungsplan aufgehoben werden, ginge der Schlossherrin eine Grundlage ihrer bisherigen Finanzierungskonzeption verloren.

Die Grünen-Fraktion im Gemeinderat hat im November erneut beantragt, die Aufhebung des Bebauungsplans in Gang zu setzen: „Trotz allen Wartens hat sich in der Angelegenheit nichts getan. Die Eigentümerin ist weder auf ein Gesprächsangebot noch andere Angebote bezüglich des Stützbaus eingegangen. Sie hat hinreichend Zeit verstreichen lassen, sodass nun gehandelt werden muss“, heißt es zur Begründung.

Ihr Autor

BT-Redakteur Nico Fricke

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Erstellt:
18. Januar 2022, 18:00 Uhr
Lesedauer:
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