„Leuchtturmprojekt“ in Ötigheim

Ötigheim (saa) – Die Gemeinde Ötigheim will aus dem Feuerwehrareal ein CO2-freies sowie autofreies Wohnquartier machen. Das Projekt wurde jetzt vorgestellt. Bürger sehen es teils kritisch.

Auf dem 1,9 Hektar großen Gelände der Feuerwehr, des DRK und des Bauhofs soll ein Wohnquartier entstehen. Foto: Saskia Burkart

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Auf dem 1,9 Hektar großen Gelände der Feuerwehr, des DRK und des Bauhofs soll ein Wohnquartier entstehen. Foto: Saskia Burkart

Es sei ein Leuchtturmprojekt, das für die Region neue Standards setzen werde. Dieser Satz fiel während der Informationsveranstaltung über das mögliche Projekt „Wohnen am Federbach“ in der Mehrzweckhalle mehrfach. Zusammen mit möglichen Investoren und Partnern stellte die Gemeinde Ötigheim am Mittwoch die Planung vor.

1,9 Hektar große Fläche ist vorbelastet

Auf dem derzeitigen Gelände der Feuerwehr, des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und des Bauhofs in der Mühlstraße soll das Quartier entstehen – und sich durch eine CO2-freie Energieversorgung sowie autofreie Zonen auszeichnen. Mit dem geplanten Neubau für Feuerwehr, DRK und Bauhof auf dem Areal des ehemaligen „Penny-Markts“ im Ötigheimer Industriegebiet steht der Gemeinde eine Fläche zur Verfügung, die sich für naturnahes Wohnen anbiete. „Durch die direkte Nähe zum Federbach und dem angrenzenden Erholungswald wird sich das Viertel durch hohe Wohnqualität auszeichnen“, so Bürgermeister Frank Kiefer.

Die 1,9 Hektar große Fläche weist jedoch auch Vorbelastungen auf: In früheren Zeiten gab es auf dem Areal eine Deponie, deren Müllkörper noch immer unterhalb des Geländes liegt. Somit muss zunächst die Beschaffenheit des Bodens untersucht werden.

Firma Evohaus als Investor

Das Projekt wird vom Regionalverband Mittlerer Oberrhein sowie dem Aktionsbündnis „Technologie Region Karlsruhe“ unterstützt. Mit der Firma Evohaus habe man einen weiteren möglichen Partner sowie Investor gefunden, der über die nötige Kompetenz für die Erschließung von CO2-freiem Wohnen verfüge. Zusammen mit der BHM Planungsgesellschaft wurde ein geeignetes Konzept ausgearbeitet: Es werden insgesamt 108 Wohnparteien gebaut. Die meisten davon kommen in dreistöckigen Mehrfamilienhäusern unter. Des Weiteren entstehen zwölf Einfamilienhäuser.

Tiefgarage mit 112 Plätzen geplant

Die Straßen des Viertels werden so weit wie möglich autofrei gestaltet. Lieferverkehr sei in manchen Zonen zwar möglich, die Autos der Anwohner werden jedoch in die Tiefe verlegt. Der Hohlraum, der durch die Entfernung der Deponie entsteht, wird für den Bau einer zentralen Tiefgarage mit 112 Stellplätzen genutzt. Jeder der Stellplätze soll mit einer Ladestation für Elektrofahrzeuge ausgestattet werden. Über Fahrstühle und Treppen können die Bewohner von der Tiefgarage direkt in die Mehrfamilienhäuser gelangen. Auf dem angrenzenden Federbachweg sind zusätzlich 15 Stellplätze für Besucher geplant.

Das Energiekonzept des Quartiers zeichnet sich durch eine CO2-freie Strom- und Wärmeversorgung aus. Dafür kommt ein Energie-Managementsystem zum Einsatz, das das Zusammenspiel von Photovoltaikanlagen, Wärmespeicher, Batteriespeicher, E-Ladestationen sowie oberflächennaher Geothermie in Verbindung mit Wärmepumpen koordiniert. „Innovativ, nachhaltig, autofrei und architektonisch hochwertig“, umschreibt Jochen Ehlgötz, Geschäftsführer des Aktionsbündnisses „Technologie Region Karlsruhe“, das Projekt. Auch Gerd Hager, Verbandsdirektor des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein, lobt den geplanten Beitrag für die Energiewende.

Aus den Reihen der Bürger kamen kritische Nachfragen. Vor allem Anwohner befürchten mit der Entstehung des Wohnviertels eine schwierige Verkehrslage. Zudem seien die geplanten Fahrzeugstellplätze in ihren Augen nicht ausreichend. Es bestehe die Gefahr, dass die Autos auf den umliegenden Straßen des Quartiers abgestellt werden. Der Bürgermeister versichert, dass die Erschließung eines geeigneten Verkehrskonzepts obligatorisch für die Realisierung des Projekts sei.

Grundsatzentscheidung noch dieses Jahr

Eine Bürgerin sieht mit dem Viertel einen optischen Bruch in der Gemeinde. Das Quartier erscheine mit den dreistöckigen Mehrfamilienhäusern wie ein eigenständiges Stadtviertel. Sigurd Karl Henne von der BHM Planungsgesellschaft weist in diesem Zusammenhang auf die benötigte Wohndichte hin, die es heutzutage in Neubaugebieten zu berücksichtigen gilt. Mehrfamilienhäuser seien unerlässlich, um eine geeignete Menge an Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Noch in diesem Jahr soll es im Gemeinderat zu einer Grundsatzentscheidung kommen. Die Bebauung könne ab dem Jahr 2023 mit der Fertigstellung des Neubaus im Industriegebiet beginnen, hieß es. Für das Wohnquartier am Federbach wird dann mit einer Bauzeit von 18 bis 20 Monaten gerechnet.


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