Licht-Festival in Karlsruhe: Medienkunst an 17 Plätzen

Karlsruhe (red) – Die Stadt als Lichtspiel-Parcours: Auf die Schlosslichtspiele folgt in Karlsruhe nun das Festival „Seasons of Media Art“ mit Medienkunst an 17 Plätzen, vom ZKM bis zum Schlosspark.

Ulf Langheinrichs audiovisuelle Lichtskulptur „OSC-K“ erscheint bis nächstes Jahr abends am See der Günther-Klotz-Anlage.  Foto: Elias Siebert/ZKM

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Ulf Langheinrichs audiovisuelle Lichtskulptur „OSC-K“ erscheint bis nächstes Jahr abends am See der Günther-Klotz-Anlage. Foto: Elias Siebert/ZKM

Riesig ist die Hand, die im See hinter dem Karlsruher Schloss aus dem Wasser ragt. Und wie die Herrin vom See das mythische Schwert Excalibur hochhält, um es König Artus zu überreichen, ist in dieser Hand der für viele Menschen wichtigste Gegenstand zu sehen: ein Smartphone. Das Display aber zeigt keine Sammlung von Apps, sondern spiegelt das Wasser wider. Und den Betrachter: Ein Selfie ganz besonderer Art.
Kunst muss in die Stadt. Braucht die Begegnung mit dem Betrachter, manchmal auch eine Konfrontation, auf jeden Fall die Auseinandersetzung. Gerade die ganz moderne Kunst, die vielen so unverständlich ist. Aber man kann ja draußen kein Gemälde aufhängen – die Kunsthalle würde sich schön bedanken. Medienkunst aber kann überall präsent sein, die technischen Möglichkeiten sind da. Und so sieht man in Karlsruhe seit gestern an mindestens 17 Plätzen Medienkunst unterschiedlichster Art, wie das Smartphone von Aram Bartholl.
Im See der Günther-Klotz-Anlage installierte Ulf Langheinrich einen großformatigen Bildschirm, auf dem sich grelle Farben und flimmernde, im Rhythmus von Atmung und Pulsschlag vibrierende Effekte abwechseln, ein Lichtspiel, das sich im Wasser des Sees spiegelt und der wiederum auf der Oberfläche. Zusammen mit einer Klanginstallation ergibt sich ein aufregendes, akustisch-optisches Kunstwerk. Auf Bahnsteig 3 des Hauptbahnhofs stellte Betty Rieckmann ein atmosphärisch leuchtendes Schild auf, dessen Farben sich stetig verändern, aber anders als die grellen Leuchtreklamen beruhigen oder sanft anregen. Ungewöhnlich ist Jonas Denzels wunderbare Idee, ein „beambike“ zu konstruieren, ein umgebautes Fahrrad mit allen technischen Möglichkeiten, das er überall hinfahren und aufstellen und bei dem er als Projektionsfläche eine Stele, einen Baum oder eine Hecke benutzen kann, es ist, wie er selbst sagte, „flexibel, spontan und mobil“.

Weibel: Für die Stadt, die Bürger, die Welt

Als erste und bisher einzige Stadt Deutschlands ist Karlsruhe von der Unesco mit dem Titel „City of Media Arts“ (Stadt der Medienkunst) ausgezeichnet worden und gehört damit zu einem weltumspannenden Netzwerk von nur 17 Städten. Teil der erfolgreichen Bewerbung war die Einbeziehung der Bevölkerung. Gestern wurde die erste Ausstellung in diesem Rahmen eröffnet, es ist die zweite unter dem Titel „Seasons of Media Art“. Kulturamtsleiterin Susanne Asche nennt es lieber Festival, während dem bis Anfang 2021 eine Fülle von Medienkunstwerken an vielen Orten gezeigt wird: am Werderplatz in der Südstadt, Šam ZKM, in verschiedenen Geschäften in der Innenstadt, auf dem Alten Schlachthofgelände oder im Zoo, in Mühlburg und Durlach.
ZKM-Vorstand Peter Weibel wies bei der Eröffnung auf die vielfältigen Möglichkeiten der Medienkunst hin, für Oberbürgermeister Frank Mentrup ist „Karlsruhe ein Anziehungspunkt für die internationale Medienkunst-Szene.“ Und so ist das Festival, das die Stadt in Zusammenarbeit mit dem ZKM organisiert hat, auch eine gelungene Förderung der regionalen Kunstszene, die zusammen mit den vom ZKM ausgewählten, international renommierten Künstlern wie Michael Bielicky ausstellen, ohne dass ein Qualitätsabfall zu bemerken wäre.
Viele dieser Künstler beschäftigen sich mit der drängenden Frage nach der Nachhaltigkeit: Bielicky hat zusammen mit Kamila Richter und Alex Wender einen computerbasierten Wasserstrudel geschaffen, in dem Statements von Wissenschaftlern herumgewirbelt werden. Pong.Li Studios haben eine App entwickelt, mit der Besucher des Stephansplatzes gemeinsam ein Crowd-Game spielen können, das auf die Fassade einer Bank projiziert wird: Wie kann man eine Wasserleitung konstruieren und so steuern, dass möglichst wenig Wasser verloren geht?
So ist das Festival der Medienkunst nicht nur eine künstlerische Intervention, die in die ganze Stadt hineinstrahlt, Denkanstöße vermittelt, vielleicht auch provoziert und sicherlich für Diskussionen sorgen wird, sondern auch, wie Weibel postuliert, tatsächlich „pro urbi, das heißt in der Stadt, für die Stadt, für die Bürgerinnen und Bürger, also pro civis. Und, da wir international vernetzt sind, auch pro orbi, für den ganzen Weltkreis.“

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Erstellt:
11. September 2020, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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