Lichtentaler Allee wird zum Konzertsaal

Baden-Baden (co) – Am Sonntag lud der Philharmonische Chor zu einem kulturellen Spaziergang in der Allee ein. Auch am Bénazet-Pavillon am Dahliengarten wurde Halt gemacht.

Lichtentaler Allee wird zum Konzertsaal

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Als die ursprünglichen Konzertpläne des Philharmonischen Chores Baden-Baden wegen der Corona-Pandemie begraben werden mussten, ließ sich die hoch motivierte Dirigentin Anja Schlenker-Rapke davon nicht entmutigen. Die Idee eines in der Allee mitsamt seinem Publikum lustwandelnden Chores wurde von ihr bereits im März geboren und gewann rasch an Konturen.

Der Dirigentin selbst und ihren ebenso engagierten Sängerinnen und Sängern wurde während der Probenzeit viel abverlangt. Lange Zeit war der Kontakt nur online möglich, dann in kleiner Quartettbesetzung, etliche Treffen fanden später in heimischen Gärten statt bis hin zu ersten Stellproben an den verschiedenen Standorten in der Allee – immer mit Abstand, aber voller Vorfreude.

Sechs Monate später, auf den Tag genau am 201. Geburtstag von Clara Schumann, erlebte das Publikum dieses in Kooperation mit der Brahmsgesellschaft veranstalteten, kulturellen Spaziergangs eine beeindruckende und für Mitwirkende wie Besucher wohl unvergessliche Darbietung. Vierstimmig erklang im schönsten Konzertsaal der Lichtentaler Allee unter strahlend blauem Himmel inbrünstiger A-cappella-Gesang, wobei die ausgewählten Lieder allesamt einen Bezug zu Baden-Baden aufwiesen.

Max Ruhbaum als Moderator

Max Ruhbaum schuf als schelmischer Moderator die Verbindung, wie gewohnt nicht auf direktem Weg, sondern auf verbal eher verschlungen Pfaden. In der Gönneranlage begann die kulturelle Flaniermeile sehr passend mit Felix Mendelssohn-Bartholdys „Im Grünen“. Von der einst in der Kurstadt lebenden Komponistin Louise Adolpha Le Beau hatte Anja Schlenker-Rapke aus deren fünf Liedern für gemischten Chor „Neuer Frühling“ ausgewählt, beinah schon eine Hymne an die Schönheit der Natur.

Der Dahliengarten mit seiner momentanen Blütenpracht bot den opulenten weiteren Rahmen, „Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde“ erklang hier an dessen Büste eine Hommage an Robert Stolz. Einige Besucher begleiteten den Philharmonischen Chor auf dessen Streifzug gleich mit dem Fahrrad, so mancher ließ sich direkt auf der Wiese nieder, um den Liedern zu lauschen. Der lebenslangen innigen Verbindung von Clara Schumann und Johannes Brahms war das weitere Programm gewidmet. Aus Brahms Zyklus deutscher Volkslieder erklang „Erlaube mir fein’s Mädchen“ und „Die Wollust in den Maien“ an dessen Büste. Hingebungsvoll intonierte der Chor, der sich in zwei abwechselnd auftretende Gruppen geteilt hatte, die romantische „Gondoliera“ an Schumanns Skulptur und entführte die Zuhörer damit nach Venedig.

Lesung im Klostercafé Lumen

Inzwischen an der Klosterwiese angekommen war nun Platz genug für die große Chorformation, die mit überzeugender stimmlicher Präsenz Brahms‘ Hymne auf das holde Lichtenthal anstimmte „Da unten im Tale“. Robert Schumann kam im besonderen Ambiente des Klosterhofes zu Gehör mit dem innigen „Der Traum“ aus seinen Romanzen und Balladen, seiner Gattin war der Ausklang des Konzertes gewidmet mit der klangvollen „Abendfeier in Venedig“. Was die Zuhörer nicht einfach hinnehmen wollten, ihrem begeisterten Applaus war die Pavane „Belle qui tiens ma vie“ geschuldet, mit Trommelbegleitung von Alexander Neuwirth.

Als Abrundung dieses musikalischen Parts erwartete die Besucher im Klostercafé Lumen eine szenische Lesung mit den beiden Schauspielern Berth Wesselmann und Cornelia Bitsch. Aus ihrer Feder stammen heitere Episoden rund um die Beziehung von Clara Schumann und Johannes Brahms, die sich unter anderem um seine Schwäche für kulinarische Abenteuer und ihre miserablen Kochkünste rankten.


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