Lidl investiert 90 Millionen Euro in Logistikzentrum

Bietigheim (mak) – Der Lidl-Konzern investiert insgesamt rund 90 Millionen Euro, um seine Regionalgesellschaft mit angegliedertem Logistikzentrum in Bietigheim auf das ehemalige Bundeswehrgerätelager zwischen der Autobahn und der Bundesstraße 3 zu verlagern. Der Gemeinderat votierte in seiner jüngsten Sitzung dafür, das knapp 16 Hektar große Areal an Lidl zu verkaufen.

So soll sich künftig das Logistikzentrum von der A 5 aus betrachtet darstellen. Grafik: Lidl

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So soll sich künftig das Logistikzentrum von der A 5 aus betrachtet darstellen. Grafik: Lidl

Zudem beschloss das Gremium die Aufstellung des Bebauungsplans „Gewerbegebiet ehemaliges Bundeswehrgerätelager“ und beauftragte die Verwaltung, die Öffentlichkeit, Behörden und Träger öffentlicher Belange zu beteiligen. Fragen und Antworten zum Thema:
Warum möchte Lidl seine Regionalgesellschaft umsiedeln?

„Wir sind an unserem aktuellen Standort am Anschlag“, verdeutlichte Matthias Stiegler, Bereichsleiter Immobilien der Bietigheimer Regionalgesellschaft, den Grund für den Umzug an einen größeren Standort. Am 1. Oktober 2000 wurde auf dem neun Hektar großen Areal die Regionalgesellschaft eröffnet, derzeit investiert der Konzern rund fünf Millionen Euro in Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen.

In die Entwicklung des Grundstücks werden etwa 15 Millionen Euro investiert. Wie gliedert sich die Summe auf?

Der Abbruch der bestehenden Gebäude, der Rückbau von Straßen und Wegen, die Entsorgung und Beseitigung von Altlasten schlagen mit rund 6,5 Millionen Euro zu Buche. Der zweitgrößte Ausgabenposten ist die Bepflanzung auf dem Areal und die Begrünung der Dächer von Halle und Parkdeck für 2,8 Millionen Euro. Für die Entwässerung des Grundstücks werden 1,7 Millionen Euro ausgegeben, für artenschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen 1,5 Millionen. Der marktgerechte Kaufpreis für das Grundstück, über den sich beide Seiten ausschweigen, ist in den 15 Millionen Euro nicht enthalten.

Wann wird das neue Gebäude in Betrieb genommen?

In den vergangenen Monaten wurde im Hintergrund auf mehreren Ebenen intensiv Vorarbeit geleistet. Lidl strebt an, den Kaufvertrag und den städtebaulichen Vertrag im Herbst zu unterzeichnen. Im Jahr 2024 ist der Umzug geplant, spätestens jedoch 2025.

Wie stellen sich das neue Gebäude und das Gelände künftig dar?

Die 44.000 Quadratmeter große Halle des Logistikzentrums mit Verwaltungsflächen ist 350 Meter lang, 125 Meter breit und knapp 25 Meter hoch. Die Fassade wird in Blautönen gestaltet, die von dunkelblau bis weiß abgestuft sind. Die Halle ist abgestuft, die untere Dachfläche zur Autobahn hin wird begrünt. Für die Lidl-Mitarbeiter wird ein Parkdeck gebaut, das bis zu 300 Autos Platz bietet und das begrünt wird.

Was wird bezüglich Nachhaltigkeit unternommen?

Oliver Meier, bei Lidl für die Projektentwicklung von Logistikimmobilien betraut, führte aus, dass das gesamte Gebäude mit einer Betonkerntemperierung ausgestattet wird. Die Industrieflächenheizung wird mittels Wärmepumpen mit Abwärme aus der Kälteanlage beheizt. Als Kältemittel wird natürliches Ammoniak eingesetzt. Somit wird die direkte Emission von treibhauswirksamen Gasen durch Leckagen, Wartungen und Entsorgung um 208 Tonnen pro Jahr reduziert. Die Fotovoltaikanlage erzeugt rund 475.000 Kilowattstunden pro Jahr und deckt den Eigenbedarf ab. Dadurch werden jährlich etwa 266 Tonnen Kohlendioxid eingespart. LED-Beleuchtung reduziert den Strombedarf.

Wie sieht es mit den Arbeitsplätzen aus?

Aktuell sind rund 290 Mitarbeiter vorwiegend in Vollzeit in der Regionalgesellschaft beschäftigt, am Ende könnten es bis zu 400 sein. 220 Mitarbeiter sind im Betrieb als Kommissionierer, Staplerfahrer, Haustechniker, Lagerarbeiter und Azubis aktiv. 40 Mitarbeiter sind in der Verwaltung, hinzu kommen 30 Führungskräfte. In den zugeordneten Filialen werden etwa 2.000 Mitarbeiter betreut.

Wie sieht es mit der Verkehrssituation aus?

Das Karlsruher Ingenieurbüro Koehler & Leutwein hat eine verkehrstechnische Untersuchung vorgenommen und ein Verkehrsfluss-Diagramm erstellt sowie den Knotenpunkt B 3/K 3737 bewertet. Es entsteht eine zusätzliche Belastung von 420 Schwerverkehrsfahrten innerhalb von 24 Stunden. Es wird im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet, im Mittel fahren 140 Mitarbeiter beim Schichtwechsel um 6 Uhr, 14 Uhr und 22 Uhr an und ab. Die Ingenieure gehen davon aus, dass etwa 70 Prozent der Lkw über die B 3 in Richtung Rastatt fahren, 30 Prozent über die B 3 in Richtung Karlsruhe. Bei den Berechnungen sei man nicht vom Mittelwert ausgegangen, sondern von der Spitzenbelastung von 1.220 Kfz pro Stunde, verdeutlichte ein Vertreter des Ingenieurbüros. Ein eigener Anschluss ans Areal sei vom Regierungspräsidium abgelehnt worden. Um zu vermeiden, dass es an der Ampelkreuzung bei Rot zu einem Rückstau kommt, der ein Abbiegen auf das Gelände verhindert, wird auf der K 3737 von Muggensturm kommend eine zweite Abbiegespur nach Rastatt gebaut.

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Erstellt:
18. Juni 2020, 17:13 Uhr
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