Lieber Tränen als Hotspot

Rastatt/Au am Rhein (as/ema) – Die ersten Corona-Schnelltestzentren in Rastatt und Au am Rhein nehmen den Betrieb auf. In der Barockstadt will man das Angebot rasch ausbauen.

„Endlich etwas tun“: Bürgermeisterin Veronika Laukart ist in der Rheinauhalle erste Test-Probandin. Foto: Anja Groß

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„Endlich etwas tun“: Bürgermeisterin Veronika Laukart ist in der Rheinauhalle erste Test-Probandin. Foto: Anja Groß

Das kommunale Engagement im Kampf gegen Corona hat im nördlichen Landkreis zwei neue Facetten. In Rastatt und Au am Rhein wurden am Freitag zwei kommunale Schnelltestzentren eröffnet. Gerade in der Barockstadt scheint eine solche Maßnahme nötiger denn je zu sein. Das Ordnungsamt hat allein für Rastatt eine aktuelle Sieben-Tages-Inzidenz von 266 errechnet.
„Es gibt nichts zu beschönigen“, sagte OB Hans Jürgen Pütsch am Freitagnachmittag beim Start des Testzentrums in der Reithalle. Man sei in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt, um sowohl Ursachen herauszufinden als auch Maßnahmen zu erörtern. Das Problem: Zwei Drittel der Infektionsfälle in Rastatt seien diffus, erklärt Ordnungsamtsleiter Achim Schick.

Auch vor diesem Hintergrund drückt die Stadt beim Testzentrum aufs Tempo. Ursprünglich wollte man nur zweimal die Woche in der Reithalle testen; ab Dienstag wird man nun an jedem Werktag von 16 bis 20 Uhr Rastatter Bürger testen. Möglich wird das durch das ehrenamtliche Engagement der Ortsvereine von DRK und THW, die mit insgesamt acht Einsatzkräften auf den zwei Teststraßen im Theatersaal aktiv sind. Zehn bis 15 Minuten muss man einplanen, um gleich vor Ort sein Ergebnis zu erhalten. Bei der Premiere kamen rund 100 Rastatter Bürger vorbei; keiner davon war infiziert. Für positiv Getestete haben die Helfer ein Hinweisblatt mit Informationen, was die Infektion bedeutet.

Apotheke leistet Unterstützung

Bereits eine Stunde vor dem Start standen die ersten Bürger vor der Reithalle. Die Schlange hielt sich in Grenzen. Ab nächster Woche will die Verwaltung die Unterstützung der Rossi-Apotheke in Anspruch nehmen, um online eine Terminkoordination aufzubauen. Wer kein Internet hat, soll über das Bürgertelefon einen Termin ausmachen können.

In Au am Rhein mussten für die freiwilligen kostenlosen Tests vorab Termine vereinbart werden. 50 waren es für gestern, 60 stehen heute an, sagt Bürgermeisterin Veronika Laukart – wer einfach kommt, wird trotzdem getestet, verspricht sie. Das örtliche DRK arbeitet ebenfalls mit zwei Teststraßen in der Rheinauhalle. Zugleich wurden vier freiwillige Helfer geschult, die künftig montags und donnerstags von 16 bis 18 Uhr dort Abstriche nehmen. Man wolle endlich etwas tun zur Eindämmung der Pandemie, sagt Laukart, die sich über die „Überbürokratisierung“ ärgert, „die uns nicht voranbringt“. 1.500 Tests hat die Gemeinde vom Land bekommen. Positive Ergebnisse (bis 20 Uhr gab es keine) werden ans Gesundheitsamt gemeldet.

Die Verwaltungschefin lässt sich als erste den Nasenabstrich nehmen. Nach 15 Minuten zu wissen, woran man ist, sei das unangenehme Kitzeln in der Nase wert, findet sie. Denn: Lieber tränende Augen, wie sie manche bekommen, als ein Corona-Hotspot werden.


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