Liebfrauenkirche: Sanierung nach Plan

Gernsbach (vgk) – Die umfassende Sanierung der katholischen Liebfrauenkirche schreitet ihrem Ende entgegen. Dekan Josef Rösch zeigt sich mit dem bisherigen Verlauf zufrieden.

Das einfallende Licht bringt die weißen Wände, Malereien und gereinigten Sandsteinsäulen der Liebfrauenkirche zum Leuchten. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Das einfallende Licht bringt die weißen Wände, Malereien und gereinigten Sandsteinsäulen der Liebfrauenkirche zum Leuchten. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Ein Großprojekt, die umfassende Sanierung der katholischen Liebfrauenkirche, geht langsam seinem Ende entgegen. Fast ein Jahr wurde gehämmert, gebohrt, gestrichen, wurden Elektrokabel verlegt und den Kreuzrippen neuer Halt gegeben. Statt Gottesdienstbesucher gaben sich die Handwerker die Türklinke in die Hand. „Bisher lief alles nach Plan“, stellt der Pfarrer der Seelsorgeeinheit und Dekan Josef Rösch zufrieden fest.

Die ersten Neugierigen, die sich in der jüngsten Vergangenheit in den Sakralbau verirrten, staunten nicht schlecht über das Ergebnis der Malerarbeiten. Zwar sind Kreuz, Tabernakel und Altar noch verhüllt, doch das einfallende Sonnenlicht verleiht dem strahlenden Weiß der Wände, den Deckenmalereien und den gereinigten Sandsteinsäulen etwas Leuchtendes. Das Gerüst monumentalen Ausmaßes ist weitgehend (bis auf einen kleinen Rest) verschwunden. Die noch vorhandenen Gerüstreste werden vom Orgelbauer benötigt. Ihm fällt die Aufgabe zu, die bislang verpackte Orgel zu reinigen und später zu stimmen, erzählt Rösch im BT-Gespräch.

Am 12. Januar dieses Jahres wurde die letzte Messe in der Kirche gefeiert. Die erste ist für den ersten Advent, 29. November, geplant. Mit Volldampf startete die Kirchengemeinde Mitte Januar in die Renovierungsarbeiten. Zunächst waren unter anderem Kirchenbänke, Orgel, Altar und die drei Heiligendarstellungen zu verpacken oder abzubauen. Mit der Pieta aus dem 15. Jahrhundert sowie den Heiligenfiguren Sebastian und Georg, möglicherweise aus dem 14. Jahrhundert, beschäftigen sich aktuell noch die Restauratoren. Nach ihrer Wiederaufstellung in der Kirche werden diese alarmgesichert sein. Die Restaurierung der Kirchenfenster, darunter mehr als 500 Jahre alte Darstellungen, werden später in Angriff genommen. Sie sind kunstgeschichtlich von großem Interesse. Schützenswert sind laut Landesdenkmalamt aber auch die Fenster aus dem 19. Jahrhundert. „Da dürfen nur Spezialisten dran“, erläutert der Pfarrer.

Ökumene gestärkt

Kirchenrenovierungen stellen per se schon eine Herausforderung dar. Zur Mammutaufgabe wird eine solche, wenn es sich um unterschiedlich alte Gebäudeteile handelt – wie bei der Liebfrauenkirche. Der hintere gotische Teil wird um 1388 datiert. Die Erweiterung erfolgte 1833. Die letzte groß angelegte Sanierung des stadtbildprägenden Gotteshauses erfolgte zwischen 1970 und 1971.

Die meisten Arbeiten sind abgeschlossen. Viele Stunden hatten die Kirchenmaler zu investieren, die Deckenmalereien zwischen den Kreuzrippen fachgerecht zu reinigen und auszubessern. Zu den großen Brocken zählte die Reparatur des Dachstuhls, ebenso wie die komplette Erneuerung der Elektroinstallationen. Die Elektriker hatten Hunderte Meter Kabel zu verlegen. In den Kirchen-Seitenschiffen wurden Leuchtkörper verbaut. Im Mittelschiff sorgen jetzt LED-Lampen für das richtige Licht. Die Neuerung an sich ist die Steuerbarkeit der Beleuchtung. Jetzt können auch per Tablet einzelne Lampengruppen ganz individuell angesteuert werden.

Als unangenehme Überraschung bezeichnete Pfarrer Rösch die zwingend notwendige Instandsetzung der an der Kuppeldecke befestigten Sandsteinkreuzrippen (wir berichteten). Ihre Schadhaftigkeit durch herausbröselnden Mörtel offenbarte sich erst, nachdem das Gerüst stand, wie vom Vorsitzenden des Pfarrgemeinderats Günther Schermer zu hören war. Zudem waren 1940 Quadratmeter Wandfläche zu reinigen und mit reversiblen Farben zu streichen.

Die neu installierte Akustikanlage beinhaltet jetzt an noch zu kennzeichnenden Kirchenbänken Induktionsschleifen für ältere Hörgeräte-Träger sowie W-LAN gestützte Übertragungseinheiten für diejenigen, deren Hörgeräte über das Smartphone gesteuert werden.

Ebenfalls noch nicht erledigt ist das Lackieren der aus der Renovierungsphase anfangs der 1970er-Jahre stammenden Bänke in dem 450 Personen fassenden Gotteshaus.

„Trotz der zusätzlichen Ausgaben für das Kreuzrippengewölbe in Höhe von rund 40 000 Euro bewegen wir uns im veranschlagten Budget von 910 000 Euro“, betont Rösch: „Dafür wurde bei anderen Gewerken Geld eingespart.“ Außerdem freut sich der Priester, bald wieder im eigenen Haus Messen zelebrieren zu können. In den zurückliegenden Monaten erfolgten im 14-tägigen Wechsel Gottesdienste in der evangelischen St. Jakobs-Kirche, was die Ökumene in Gernsbach gestärkt habe, hob Rösch hervor.


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