Lieferdienste in der Region mit finanziellen Einbußen

Baden-Baden (ans) – Weil aufgrund der coronabedingten Zwangsschließung immer mehr Gastronomen neuerdings auf einen Abhol- oder Lieferservice setzen, wird die Konkurrenz für reine Lieferdienste größer.

Restaurantbetreiber können mit Bringdiensten den Umsatzrückgang nur teilweise ausgleichen. Foto: Angelika Warmuth/dpa

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Restaurantbetreiber können mit Bringdiensten den Umsatzrückgang nur teilweise ausgleichen. Foto: Angelika Warmuth/dpa

Bundesweit sind Restaurants, Kneipen und Cafés geschlossen. Der Gastronomiebetrieb liegt teilweise lahm. Der Teil-Lockdown im November bedeutet enorme wirtschaftliche Verluste für das Gaststättengewerbe. Lieferanten gelten in der Branche als vermeintliche Gewinner der Krise, doch nicht alle profitieren vom Lieferboom der vergangenen Monate.

Bestellungen in der zweiten Welle rückläufig

Giuliano Mimmo, Inhaber der Toni’s-Pizza-Filiale in Rastatt, berichtet beispielsweise, dass sich die Pandemie negativ auf seinen Lieferservice auswirke. Die Einnahmen seien im Vergleich zum Vorjahr nicht gestiegen, sondern stattdessen um ungefähr 20 Prozent gesunken. Der Betreiber von Toni’s Pizza erhöhte daraufhin nach eigenen Angaben nach März die Preise leicht.

Die eingehenden Bestellungen seien in der zweiten Welle eher rückläufig, da auch viele andere Restaurants inzwischen auf Liefern setzen und die Auswahl für die Kunden somit um einiges größer geworden sei. Da sein Hauptgeschäft von Anfang an der Liefer-und Abholservice war, habe sich bei seiner Arbeit seit März wenig verändert. „Die Option kontaktlos zu bestellen gab es bei uns schon während des ersten Lockdowns“, so Giuliano Mimmo. Bisher werde dieses Angebot aber weniger genutzt als im Frühjahr. Auch sein Bruder, Agostino Mimmo, der Eigentümer von Toni’s Pizza in Gaggenau, verzeichnet einen Einbruch der Einnahmen. Zwar sei seine Filiale spezialisiert auf das Liefern von Pizza und Pasta, doch durch den Teil-Lockdown „brechen die Einkünfte aus dem Restaurant vollständig ein“. „Alle 30 Mitarbeiter sind momentan in Kurzarbeit“, schildert Agostino Mimmo die Situation.

„Auf jede Bestellung angewiesen“

Die Tennistaverne „La Pfeffermühle“ in Gaggenau gehört zu den Gaststätten, die seit diesem Jahr verstärkt auf Essen zum Liefern setzen. Dieses Geschäft bringe jedoch bei Weitem nicht den Umsatz, den die Gastronomie benötige, legt Bernd Lämmel, Vorsitzender des Förderkreises Tennishalle Gaggenau, seine Sicht der aktuellen Lage dar. Er zeigt sich dennoch zuversichtlich, dass die „Pfeffermühle“ auch nach der Krise weiterhin existieren wird, da das Restaurant „mit dem Tennisclub und der Tennishalle einen verlässlichen Partner“ habe.

Die Pizzeria Mamma Lina in Baden-Baden bietet seit dem 17. März einen Lieferservice an. „Momentan sind wir auf jede Bestellung angewiesen“, sagt Inhaber Angelo Tortora. An die Umsätze wie sie in einem „normalen Jahr“ gewesen wären, komme man nicht heran. Der Restaurantbesitzer führt das auf die fehlenden Einnahmen durch den Getränkeverkauf zurück.

Pandemie ändert Denkweise

Dennoch lohne es sich für ihn, einen Lieferservice anzubieten. Durch die Pandemie habe sich die Denkweise geändert, so Tortora. Um sich einen neuen Kundenkreis zu erschließen, habe er die Preise gesenkt und die Speisekarte auf Nachfrage unter anderem durch Gerichte wie Pizza Hawaii und Spaghetti Bolognese erweitert.

Der Umsatz der Restaurants, Cafés, Caterer und Bars lag bundesweit von März bis August um 40,5 Prozent unter dem des Vorjahreszeitraums, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden im Oktober mitteilte. Die Zahl der Beschäftigten in der Branche schrumpfte um fast ein Fünftel (17,6 Prozent). Dabei gelten Kurzarbeiter weiterhin als Beschäftigte, wie die Statistiker betonten.

Lieferservice kompensiert Gästeschwund nur teilweise

Restaurants, Gaststätten und Imbisslokale konnten mit Lieferdiensten einen Teil des Gästeschwunds kompensieren: Hier lagen die Umsätze von März bis August 2020 um 29,3 Prozent unter denen des Vorjahreszeitraums. Damit decken sich die Erfahrungen, die regionale Lieferdienste im BT-Gespräch schildern, weitgehend mit den Erkenntnissen des Statistischen Bundesamts.

Am stärksten war laut Statistik der Einbruch im April mit 68,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Seitdem haben sich die Geschäfte kontinuierlich erholt: Im August fiel der Umsatzrückgang der Branche demnach um 22,3 Prozent im Vorjahresvergleich deutlich geringer aus.

Die Gastronomiebranche mit 186.000 Betrieben in Deutschland erwirtschaftete 2018 einen Umsatz von 65,1 Milliarden Euro. Insgesamt waren laut Statistischem Bundesamt zuletzt 1,8 Millionen Menschen im Gaststättengewerbe beschäftigt. Um lokale Geschäfte zu stärken, verlinken viele Städte, beispielsweise Baden-Baden, Bühl und Rastatt, auf ihren Webseiten Listen mit Betrieben, die einen Bring- und Abholdienst nach Hause anbieten.


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