Lions-Konzert der Baden-Badener Philharmonie

Baden-Baden (hjb) – Zauberhafte Romantik mit feurigem Finale: Zur Eröffnung der Internationalen Carl-Flesch-Akademie in der Kurstadt hat es einen langen vermissten Konzertgenuss gegeben.

Sorgt für eine Mozart-Sternstunde: Pianistin Lusine Khachatryan, umringt von der Philharmonie, beim Lions-Konzert anlässlich der Flesch-Akademie im Weinbrennersaal des Kurhauses. Foto: Thomas Viering

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Sorgt für eine Mozart-Sternstunde: Pianistin Lusine Khachatryan, umringt von der Philharmonie, beim Lions-Konzert anlässlich der Flesch-Akademie im Weinbrennersaal des Kurhauses. Foto: Thomas Viering

Glücklicherweise durfte die Carl-Flesch-Akademie, die Internationalen Meisterkurse für jungen, hochbegabten Streichernachwuchs in Baden-Baden, heuer wieder stattfinden. Die große Eröffnungsveranstaltung hat es am Sonntagabend im Weinbrennersaal des Kurhauses gegeben. Die Philharmonie Baden-Baden unter Leitung von Pavel Baleff lud zum Lions-Konzert. Dank der Lions-Clubs der Region und des Fördervereins für Kunst, Wissenschaft und Medien wurde es möglich.

Der Bogen war weit gespannt zwischen Wiener Klassik und Spätromantik. Eingangs stand Albert Lortzings kaum gespielte Ouvertüre zur Oper Undine, dieser geheimnisvollen Wassernixe, die durch eine Dichtung de la Motte Fouqués besungen wurde, vielfach vertont von den Romantikern unter anderem von E.T.A. Hoffmann. Lortzings Ouvertüre hebt an mit einem kontrastreichen Entrée. Ein Posaunenruf steht zartseufzenden Streichern gegenüber, Klarinetten und Oboenkantilenen folgen, endlich ein munteres Allegro federnd und mit triumphalen Tutti-Akkorden schließend, von den Philharmonikern der Nixe würdig umgesetzt.

Nach der zauberhaften Romantik dieser Operneinleitung wurde es noch romantischer. Cellist Matthias Heinrich spielte zum Gedenken an den im Februar gestorbenen Cellisten der Berliner Philharmoniker und langjährigen Flesch-Akademie-Professor, Wolfgang Boettcher, Dvoráks „Waldesruhe“. Ein schwärmerischer Gesang für Cello und warme Streicherbegleitung, der eine Waldlandschaft evoziert.

Joseph Haydn war Großmeister der Sinfonie, dank seiner Anstellung bei Fürst Nikolaus Esterhazy dem Prachtliebenden, der übrigens ein exzellenter Baryton-Spieler war, hatte Haydn die Aufgabe für das vorzügliche Hoforchester Sinfonien in Folge zu komponieren. Eine einfallsreicher als die andere.

Als Rausschmeißer zwei ungarische Tänze von Brahms

Aus der späteren Schaffensphase erklang die Sinfonie 73, mit dem Beinamen „La Chasse“. Eine langsame Einleitung getupfter Akkorde, dann ein hurtig fließendes Allegro mit feinster Streicherführung und raffinierter motivischer Verarbeitung ließ den Geist des Dixhuitième lebendig werden. Das Andante tändelnd mit Humor, das Menuetto rustikal, das Finale endlich bekam den Touch aristokratischen Jagdvergnügens mit Pauken, Trompeten und Hornsignalen.

Mit Feuer, Kraft und im besten Sinne musikantisch umgesetzt. Was aber wenn Haydns Freund Mozart folgt? Das Klavierkonzert d-moll KV 466. In der Tonart des Reqiuem und Teilen des „Don Giovanni“. Nicht umsonst liebten es die Romantiker. Mit der jungen Pianistin Lusine Khachatryan wurde es zu einer Mozart-Sternstunde. Der düster rollende Eingangssatz mit seiner Grabesnacht und an die Komturszenen erinnernden Stimmung wurde von den sensibel und zugleich zupackend gegebenen Läufen des Klaviers aufgehellt, fand Spannung bis in die von Beethoven hinzukomponierte Kadenz.

Im Orchester überraschte die Delikatesse der Holzbläser. Gerade dafür sind Mozarts Wiener Konzerte bekannt. Die liedhafte Romanze schwebte ganz cantabile, unterbrochen von den erhaben schauervollen Läufen des Mittelteils. Feurig und mit Verve endlich das Finale, es funkelte das Klavier, es jauchzte die Baden-Badener Philharmonie.

Zuletzt als Rausschmeißer folgten zwei der bekanntesten ungarischen Tänze von Johannes Brahms. Eine Hommage an den berühmten Gast Baden-Badens. Musikantisch und mit Kraft tosten die Tänze dahin. So, dass man glaubte, die Prunklüster des Weinbrennersaales zittern zu sehen.

Ihr Autor

Hans-Jürgen Becker

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Erstellt:
20. Juli 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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