Lisa Poetschki begleitet Baden-Baden zum Welterbe

Baden-Baden (hez) – Die Frau hinter dem Welterbe-Titel: Lisa Poetschki begleitet den Prozess der Baden-Badener Unesco-Bewerbung. Bei der Verkündung stand für sie die Zeit kurz still.

Lisa Poetschki blättert in ihrem Büro unter dem Dach des Rathauses in den Antragsunterlagen der Welterbe-Bewerbung. Foto: Henning Zorn

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Lisa Poetschki blättert in ihrem Büro unter dem Dach des Rathauses in den Antragsunterlagen der Welterbe-Bewerbung. Foto: Henning Zorn

Als Baden-Baden kürzlich der Welterbe-Status von der Unesco verliehen wurde, ging für Lisa Poetschki ein Lebenstraum in Erfüllung. Rund 15 Jahre hat sie bei der Stadtverwaltung auf das Ziel hingearbeitet und viel dazu beigetragen, dass es erreicht wurde. Für die Stadt „mit einer solchen Kulturgeschichte“ sei die erfolgreiche Bewerbung eine „Investition in die Zukunft“, sagt sie.
Es ist der 24. Juli, kurz nach 14.30 Uhr. Da bleibt für Lisa Poetschki einen Moment lang die Zeit stehen. Als Stabsstellenleiterin für Welterbebewerbung und Stadtgestaltung im Kurstadt-Rathaus ist sie nach Berlin gereist, um im Auswärtigen Amt die Online-Sitzung des Welterbe-Komitees der Unesco zu verfolgen, bei der auch Baden-Baden zusammen mit zehn weiteren europäischen Bäderstädten (Great Spas of Europe) nominiert ist. In Berlin haben sich Vertreter der drei beteiligten deutschen Städte und der zugehörigen Bundesländer eingefunden, um mögliche Fragen des Unesco-Komitees zu beantworten.

Idee der Gemeinschaftsbewerbung

Bevor man an die Reihe kommt, diskutiert das Komitee lange über einen Welterbeantrag aus Saudi-Arabien. Die Spannung steigt, auch die Nervosität. Dann sind Baden-Baden und die anderen Great Spas dran. Der Punkt wird aufgerufen und erklärt – es gibt keine Fragen und keine Anmerkungen. Baden-Baden ist Welterbe. Lisa Poetschki ist zunächst fassungslos, kann es nicht glauben, dass so plötzlich alles geschafft ist, wofür sie sich seit so vielen Jahren eingesetzt hat. Es geht für sie auch um ein großes Stück Lebenswerk. Heute sagt sie: „Das war ein höchst emotionaler Moment.“ Schließlich arbeitet die Stadtplanerin schon lange für Baden-Baden, das sie immer als „sehr spannende Stadt“ angesehen hat. Als 2006 erstmals an der Oos der Begriff Unesco-Welterbe auftauchte – damals noch vom Förderkreis Lichtentaler Allee initiiert – war Poetschki sofort „Feuer und Flamme“. Sie hatte natürlich keine Ahnung, dass das Thema von nun an eine sehr wichtige Rolle in ihrem Berufsleben spielen würde.

Bürgermeister Wolfgang Gerstner sprach sich dann dafür aus, bei einer Welterbebewerbung nicht nur die Allee zu betrachten, sondern die gesamte Innenstadt. Bei einem Workshop 2008 rückte das Thema Bäderstadt dann in den Mittelpunkt, da der Aspekt bislang bei den Welterbestätten der Unesco keine große Rolle spielte. Bald kam die Idee einer Gemeinschaftsbewerbung mit anderen europäischen Kur- und Bäderstädten auf.

„Freundschaften, die Stürme überstehen“

Konkret wurde dies bei einer internationalen Fachtagung im Jahr 2010, zu der etliche Städte eingeladen waren. Die Auswahl der Kandidaten zog sich dann aber eine ganze Weile hin. Als man 2014 einen ersten Schlussstrich zog, standen 16 Bewerber auf der Liste. Zwei Jahre später nach einer weiteren Auslese starteten dann noch elf Städte in den Nominierungs-Marathon – auf deutscher Seite waren Wiesbaden, Bad Pyrmont und Bad Homburg ausgeschieden.

Die Antragstellung, so erzählt Lisa Poetschki, sei eine „unglaublich komplexe“ Angelegenheit gewesen. Schließlich mussten elf Städte aus sieben Ländern unter einen Hut gebracht werden. Es galt, bei der Darstellung der Bäderstädte ein einheitliches Konzept mit vergleichbaren Darstellungen zu finden, das auch die von der Unesco verlangten Antragskriterien erfüllte. Arbeitsgruppen wurden gebildet, die beteiligten Städte übernahmen unterschiedliche Aufgaben. Baden-Baden zum Beispiel war für die Landkarten zuständig.

„Das alles war wirklich eine große Fleißarbeit“, betont Poetschki. Abwechselnd habe man sich in allen beteiligten Städten getroffen, geredet wurde meist auf Englisch. „Und bei diesem Gigantenprojekt sind wir zusammengewachsen wie eine Familie.“ Letztlich sei es trotz der schwierigen Materie und der unterschiedlichen Charaktere immer gelungen, auf einen Nenner zu kommen. Das Projekt habe daher auch nie auf der Kippe gestanden. „Wir haben einen persönlichen Draht zueinandergefunden, und es sind Freundschaften entstanden, die Stürme überstehen können“, erzählt Lisa Poetschki.

Im Januar 2019 wurde dann der Welterbe-Antrag der „Great Spas“ bei der Unesco gestellt. Gutachter des Internationalen Rats für Denkmalpflege besuchten daraufhin Baden-Baden, um die Bewerbungs-Angaben zu überprüfen. „Da hatte ich schon das Gefühl, dass unser Konzept verstanden wurde“, meint Poetschki. Aber keiner habe gewusst, wie sich die Unesco letztlich entscheiden würde: „Es war unglaublich spannend, nichts ist durchgesickert.“

Dass Baden-Baden und die zehn anderen Städte den Welterbe-Status nun ohne große Debatte zuerkannt bekamen, ist für Lisa Poetschki nicht nur ein großes Glück, sondern auch eine immense Herausforderung: „Das Welterbe muss jetzt gelebt werden, wir müssen weiter zusammenwachsen.“ Schon eine Fehlentwicklung in nur einer der Städte wäre eine Gefährdung der Welterbe-Einstufung für alle anderen. Alle sechs Jahre müsse über den Zustand der Städte an die Unesco berichtet und nachgewiesen werden, welche Kontrollmechanismen man zur Erhaltung des Stadtbildes und der historischen Bäder-Strukturen entwickelt hat. In Baden-Baden sei es jetzt nötig, so Poetschki, dass man sich auch in der Verwaltung und im Gemeinderat klar mache, was der Welterbe-Status bedeutet und mit sich bringt.

Ihr Autor

BT-Redakteur Henning Zorn

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Erstellt:
17. August 2021, 09:00 Uhr
Lesedauer:
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