Lisowski: Positiv fußballverrückt

Rastatt/Karlsruhe (rap) – Seit sechs Jahren ist der Rastatter Reimund Lisowski Betreuer der U17 des Karlsruher SC und hat seitdem Einiges erlebt – ein Kontakt mit einer deutschen Fußball-Legende inklusive.

Tauschen immer wieder Geschenke zwischen Mittelbaden und München aus: Reimund Lisowski (links) und Miroslav Klose. Foto: Privat

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Tauschen immer wieder Geschenke zwischen Mittelbaden und München aus: Reimund Lisowski (links) und Miroslav Klose. Foto: Privat

Wenn Reimund Lisowski über Fußball redet, dann leuchten seine Augen. Seine Hände untermalen seine Ausführungen dabei, die Worte sprudeln nur so aus ihm heraus. „Neben der Familie und meiner Arbeit bei Daimler ist der Fußball meine große Liebe“, sagt Lisowski und lacht: „Ich bin im positiven Sinne fußballverrückt.“ Der 57-Jährige ist in Mittelbaden ein bekanntes Fußballgesicht, zog früher beim OSV Rastatt, FC Rastatt 04 und dem SV 08 Kuppenheim die Strippen, seit Mai 2014 ist er als Betreuer des U-17-Bundesligateams des Karlsruher SC tätig.

„Ich bin stolz, für den KSC arbeiten zu dürfen“, sagt der gebürtige Oberschlesier über die ehrenamtliche Tätigkeit mit den Talenten. „Es macht total Spaß für die Jungs da zu sein, in Kontakt mit anderen Fußballverrückten zu kommen und sich mit ihnen zu unterhalten“, erklärt Lisowski, der ab und zu auch beim Training vorbeischaut, aber vor allem an einem Bundesliga-Spieltag der U 17 mächtig Trubel hat. „Als Teambetreuer bin ich auch zugleich Ansprechpartner für den Gegner und den Schiedsrichter, kläre ab, mit welchen Trikots und wo gespielt wird. Ich bin drei Stunden vor dem Spiel da, richte die Trikots hin, versorge die Spieler mit Kuchen, Obst und Getränken“, gibt Lisowski Einblicke in seine Aufgaben. Ab dem Anpfiff wird an der Seitenlinie mitgebibbert. Nach dem Schlusspfiff, gerade nach einer verlorenen Partie, sind dann auch seine Fähigkeiten als Seelentröster gefragt, bevor er schließlich in die Katakomben verschwindet und klar Schiff macht. „Da beeile ich mich aber, damit die Familie an dem Tag auch noch was von mir hat“, verrät Lisowski.

Durch seine Betreuertätigkeit hat er schon mit einigen Talenten zu tun gehabt. Etwa Nico Schlotterbeck, der in der laufenden Saison beim Bundesligisten SC Freiburg auf zwölf Einsätze kommt, Florent Muslija (derzeit Hannover 96) oder Matthias Bader (Darmstadt 98). „Ede Becker, Pascal Huber, Aron Jäckle und die anderen Verantwortlichen leisten eine tolle Arbeit im Nachwuchsleistungszentrum“, findet Lisowski. Dass der KSC seit Jahren mit der U17 und U 19 in der Bundesliga vertreten ist, sei „richtig stark und nicht selbstverständlich“. Gerade die finanziell stärker aufgestellte Konkurrenz in Hoffenheim, Stuttgart und Freiburg macht den sportlichen Überlebenskampf in der Junioren-Eliteliga Jahr um Jahr schwieriger, erklärt Lisowski.

Überraschender Anruf von Ede Becker

Wie er zu dem Betreuer-Job gekommen ist, weiß Lisowski noch ganz genau. Er habe gerade gearbeitet, als sein Handy klingelte, eine unbekannte Nummer erschien auf dem Display. Ede Becker, der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, war dran und wollte ihn treffen. „Da war ich kurz sprachlos“, gesteht er. Da taucht es wieder auf, das Leuchten in den Augen, sobald er an den Anruf im Frühjahr 2014 zurückdenkt. Einen Tag später stattete er dem Wildpark gleich einen Besuch ab, plauderte mit Becker und sagte zu. Natürlich. Seitdem bereist der Rastatter, der im polnischen Oppeln geboren wurde und 1988 nach Deutschland kam, mit der U 17, eine Saison lang auch mit der U 19, an jedem zweiten Wochenende vor allem den süddeutschen Raum. Von Mainz über Stuttgart bis nach Unterhaching. So kommt er auch mit vielen ehemaligen Bundesligaprofis, die nun im Nachwuchsbereich arbeiten, in Kontakt. Etwa mit Manfred „Manni“ Schwabl, Ex-Löwe, Ex-FCB-Spieler und mittlerweile Präsident des Drittligisten Spvgg Unterhaching. „Der ist mit Herzblut dabei, schaut sich jedes Jugendspiel seines Vereins an, kennt alle Namen von den Nachwuchsspielern. So einen wie ihn, würde ich mir als KSC-Präsident wünschen“, sagt Lisowski.

Ähnliche Worte wählt er Sekunden später über eine deutsche Fußball-Legende. „Der Miro“, sagt Lisowski, „ist ein ganz bodenständiger und netter Kerl.“ Miroslav Klose hat der 57-Jährige kennengelernt, als der Rio-Weltmeister und WM-Rekordtorschütze Trainer der U-17-Mannschaft des FC Bayern war. „Vor der ersten Begegnung war ich wirklich aufgeregt“, gibt Lisowski zu. Doch schnell war das Eis gebrochen, spätestens als beide herausfanden, dass sie im gleichen Ort – nämlich Oppeln – geboren sind.

Trainer-Entdecker von Lukas Kwasniok

Seitdem werden WhatsApp-Nachrichten und Päckchen munter zwischen Rastatt und München verschickt. So erhielt Lisowski etwa ein originales DFB-Trikot samt Widmung von Klose sowie dessen Biografie – in zweierlei Ausführung. Auf Deutsch und Polnisch. „Das sind einfach Momente und Erinnerungsstücke, die unbezahlbar sind. Am 9. Juni hat Miro Geburtstag, da schick‘ ich ihm auch ein kleines Paket“, sagt Lisowski.

Dabei bestand bereits davor eine Verbindung zwischen dem mittelbadischen Fußballfachmann und der Familie Klose. Früher, als Lisowski noch in Polen dem runden Leder nachjagte, hieß einer seiner Gegenspieler Josef Klose, des Weltmeisters Vater. So klein ist die (Fußball-)Welt! „Das hatte er gar nicht mehr auf dem Schirm, als ich ihn mal getroffen habe“, sagt Lisowski über Klose senior.

Dass der Rastatter überhaupt die Gelegenheit bekam, Klose zu treffen, verdankt er einem weiteren gebürtigen Polen. Zwar rief Ede Becker 2014 bei Lisowski an, doch Lukas Kwasniok, damals Trainer der U 17, hatte die Idee dazu. „Den Lukas kenne ich seit der gemeinsamen Zeit 2003 beim FC Rastatt 04“, sagt Lisowski. Danach holte er Kwasniok zum OSV Rastatt, wo dieser mit 26 Jahren in der Landesliga seine erste Trainerstation antrat. „Wenn man so will, habe ich ihn als Trainer entdeckt“, erklärt Lisowski und schmunzelt. Danach kreuzten sich ihre Wege immer wieder, etwa beim TSV Reichenbach und schließlich beim KSC. „Lukas wird seinen Weg gehen, taktisch ist er der beste Trainer, den ich bisher erleben durfte“, findet Lisowski. Natürlich schaut er am Dienstag das Halbfinale, wenn Kwasniok mit dem Regionalligisten 1. FC Saarbrücken den wilden DFB-Pokal-Ritt gegen Bayer Leverkusen fortsetzen möchte. „Ich glaube, dass sie chancenlos sein werden, auch wenn ich ihm natürlich die Daumen drücke.“

Selbige drückt Lisowski natürlich auch dem KSC-Zweitligateam im Kampf um den Klassenerhalt. Schließlich arbeitet er nicht nur für den badischen Traditionsverein, sondern ist auch mit Leib und Seele Fan. „Anfang der 80er war ich erstmals mit meinem Onkel im Wildpark, ‚93 habe ich das Wunder vom Wildpark live im Stadion gesehen. Wer da dabei war, ist Fan für die Ewigkeit. Das war ein Feiertag“, findet Lisowski. Von solch Festtagen ist der KSC derzeit weit weg, Abstiegskampf in der zweiten Liga lautet die bittere Realität. Dass der Klassenerhalt gelingt, davon ist Lisowski aber überzeugt, nicht zuletzt wegen Chefcoach Christian Eichner, den er als Co-Trainer bei der U 17 unter die Lupe nehmen durfte. „Er ist sehr intelligent, kann die Spieler mitnehmen. Wenn er sein Ding durchzieht, steigen sie nicht ab“, ist er überzeugt: „Ich fieber so sehr mit, ab und zu frage ich mich, ob mein Blut blau ist.“

Die Diagnose bei Reimund Lisowski ist klar: positiv fußballverrückt!


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