Literatur digital findet immer mehr Anhänger

Baden-Baden (sr) – Es ist bequem, E-Books auszuleihen und auf einem eigenen Gerät zu lesen, man spart auch noch Geld dabei. Verlage drängen auf neue Lizenzverträge, Bibliotheken auf mehr Rechte.

Digitale Lesegeräte sind handlich und praktikabel. Der Buchhandel fürchtet Umsatzeinbußen, auch weil viele Leser den Lesestoff nur noch ausleihen. Foto: Jens Büttner/dpa

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Digitale Lesegeräte sind handlich und praktikabel. Der Buchhandel fürchtet Umsatzeinbußen, auch weil viele Leser den Lesestoff nur noch ausleihen. Foto: Jens Büttner/dpa

Der Markt ändert sich ständig – mit und ohne Pandemie. Aber mit Corona hat sich unter anderem der Trend verstärkt, Bücher auszuleihen – hygienischerweise in digitaler Form. E-Books kann man sich in den Bibliotheken via Onleihe besorgen. Zwei Wochen hat man den Roman dann auf seinem digitalen Endgerät, danach ist der Text nicht mehr lesbar.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat in einer großen Studie 2019 untersucht, wer E-Books ausleiht und welche Folgen dieses Leseverhalten für den Büchermarkt hat. Danach sind die Onleiher durchschnittlich jünger als 50 Jahre, sie sind gebildet und gut situiert – klassische Buchkäufer eigentlich. Aber, auch das zeigt die Studie, knapp die Hälfte dieser potenziellen Käufer gehen dem Markt verloren, weil sie darüber hinaus keine „physischen“ Bücher mehr kaufen.

Der Trend muss den Handel, aber auch die Verlage und die Autoren beunruhigen, denn sie sehen ihre Einnahmen schwinden. Der Börsenverein spricht sich für eine sinnvolle Lizenzlösung aus und fordert die Weiterentwicklung der Handelspartner staatlich finanzierter Bibliotheken, wie etwa der divibib.

Auch der Kauf von E-Books liegt im Trend: Laut aktuellsten Statistiken des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels kletterte der Absatz von E-Books 2020 im Vorjahresvergleich um 10,8 Prozent auf 35,8 Millionen verkaufte Exemplare. Die Umsätze mit E-Books nahmen um 16,2 Prozent zu. Insgesamt ist der Anteil von E-Books an den Umsätzen des gesamten Publikumsbuchmarkts immer noch klein – er lag 2020 bei 5,9 Prozent (2019: 5,0 Prozent).

Aufschwung in der Pandemie

„Die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen haben dem E-Book vorübergehend zu einem Aufschwung verholfen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, Alexander Skipis, kürzlich der Deutschen Presseagentur dpa. „Dass das Wachstum nicht noch größer und nicht nachhaltig war, hängt sicherlich mit der im Vergleich stärkeren Nutzung von kostenlosen Leihangeboten von E-Books in Bibliotheken zusammen.“ So sei die Zahl der E-Book-Ausleihen im Jahr 2020 um 17,7 Prozent auf über 30 Millionen gestiegen.

Dieser Trend veranlasste die über 600 Bibliotheken in Deutschland kürzlich zu einem Aufruf: E-Books sollten wie gedruckte Bücher von den Bibliotheken frei eingekauft und verliehen werden können, fordert der Bibliotheksverband (DBV) in einem Offenen Brief an die Bundestagsabgeordneten. Vor allem sollten die digitalen Titel sofort nach Erscheinen zur Ausleihe zur Verfügung stehen. Bislang halten einige Verlage vor allem ihre potenziellen Bestseller zurück, um sich einen Vorlauf an der Buchhandelskasse zu sichern.

Ungehinderter Zugang erwünscht

Die Bibliotheken fordern dagegen einen ungehinderten Zugang zu E-Books wie bei gedruckten Büchern auch. Schon bisher halte man sich an dieselben Regeln: Nur eine Ausleihe pro Person und feste Leihfristen. E-Books, die gerade verliehen sind, können erst dann vom nächsten Leser genutzt werden, wenn sie „zurückgegeben“ wurden.

Der digitale Zugang sei gerade in Zeiten von Corona und geschlossenen Bibliotheksgebäuden oft die einzige Möglichkeit für Bürger, an Bücher heranzukommen, heißt es. Doch bei der zeitlichen Bereitstellung einer Nutzungslizenz für ein elektronisches Buch werde den Bibliotheken ein Riegel vorgeschoben. 70 Prozent der E-Book-Titel der Spiegel-Bestsellerliste würden Bibliotheken bis zu einem Jahr lang vorenthalten.

„Das seit Jahren fehlende Verleihrecht für E-Books im Urheberrecht höhlt die Kultur- und Bildungsinfrastruktur der öffentlichen Bibliotheken aus“, schreiben die Bibliotheksleitungen. Anlässlich des aktuell vorliegenden Gesetzentwurfes zur Änderung des Urheberrechtsgesetzes sei es daher unerlässlich, eine entsprechende gesetzliche Regelung aufzunehmen, so der Bundesvorsitzende Andreas Degkwitz.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sabine Rahner

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Erstellt:
23. März 2021, 10:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 42sec

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